Wer bestimmt wie gespielt wird? – Ein Spielplatz ist kein Zirkeltraining

Kürzlich waren wir auf dem Spielplatz. Die Kinder spielten mit dem Matsch, den sie in ihrem kleinen Eimer herstellten aus Sand und dem Wasser aus der Pumpe neben der Rutsche. Auf der Rutsche wurde dieser „Teig“ dann „gebacken“. Es war leer auf dem großen Platz, nur ein anderes Kind war dort mit seinem Großvater. Irgendwann kamen der Großvater und das Kind herüber, nachdem sie alle anderen Spielsachen ausprobiert hatten und der Großvater sagte zum Kind: „Und nun wollen wir mal rutschen“ und zeigte auf die Rutsche. Das Kind hatte mäßiges Interesse. Er stellte sich unten hin, um das Kind aufzufangen und sah die Matschküchlein, die darauf lagen. Ohne einen Gedanken an das Spiel der Kinder wischte er den Matsch herunter, brummte etwas davon, dass das eine Rutsche sei und niemand den Matsch an der Hose haben wollen würde. Die Kinder blickten sich an, blickten mich an und beschwerten sich, dass der Mann einfach die Kuchen kaputt gemacht habe. Das kleine andere Kind rutschte nicht.

Ein Spielplatz ist kein Zirkeltraining

Auf Spielplätzen fällt mir immer wieder auf, dass sie von den begleitenden Erwachsenen wie eine Art Zirkeltraining genutzt werden: Sie führen ihre kleinen Kinder von einem Spielgerät zum nächsten – erste die Rutsche, dann die Wippe, dann etwas im Sand spielen, dann Schaukeln und gehen. Doch Spielplätze sind eigentlich Orte des freien Spiels, an dem sich Kinder nach ihren Bedürfnissen frei bewegen sollen könnten, um die Dinge zu erproben, die sie gerade lernen möchten. Sie sind ein Ersatz für das freie Spiel in der Natur, das wir in der Stadt nicht mehr finden. Manche Kinder sind in der Phase, in der die das Klettern üben und klettern das Klettergerüst oder die Rutsche immer wieder hoch und runter. Manche machen Erfahrungen mit dem Gleichgewicht und möchten lange Zeit auf der Schaukel verbringen. Sie sind glücklich, jauchzen und können nicht genug davon bekommen. Sie lernen. Auch wenn es für uns nicht sofort ersichtlich ist. Besonders können sie lernen und ihre Fantasie entfalten, wenn wir nicht mit unseren Vorstellungen ihr Spiel beeinflussen. Wenn wir ihnen nicht sagen, wie man eine Rutsche oder Wippe zu benutzen hat, sondern sie einfach tun lassen. Eine Rutsche kann auch hochgelaufen werden, auf einer Wippe kann balanciert werden. Jedes Ding kann alles sein und jedes Spiel ermöglichen. Dann kommen Kinder in einen Zustand des Flow, ganz bei der Sache und darin versunken und können diesem Spiel ewig nachgehen. – Oder so lange, bis jemand kommt und sagt: „Nun ist aber jemand anderes dran. Wir gehen jetzt woanders hin.“

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Es hilft Kindern nicht, wenn wir sie zu Dingen ermutigen, zu denen sie nicht bereit sind. Wenn das Kind noch nicht auf das Klettergerüst kann, wenn die Rutsche noch zu hoch ist, sollten wir es nicht hinauf setzen. Wir geben dem Kind damit ein falsches Signal, übergehen die Kompetenz des Kindes und setzen es einer Gefahr aus. Wie viel entspannter wäre es vielleicht auf dem Spielplatz, wenn wir Eltern und Großeltern nicht beständig unsere Kinder auf Spielgeräte hinauf setzen, sie anschupsen oder etwas vorspielen würden? Wenn wir sie einfach das machen lassen würden, was sie von sich aus können? Ganz ohne den Gedanken, es müsse noch dieses oder jenes machen oder lernen oder können.

Kinder dürfen selbst bestimmen wie lange sie spielen

Kinder müssen auch draußen die Möglichkeit haben, in den Flow-Zustand zu kommen. Dann gehen sie ganz in ihrer Tätigkeit auf und haben die Möglichkeit, daraus kreativ zu lernen. Sie experimentieren, sie wandeln das Spiel ab. Sie sind zeitlich unbegrenzt und spüren selber die Zeit nicht. Im Spiel zu Hause lassen wir ihnen mehr diese Möglichkeit. Hier sind weniger Kinder, mit denen sie kooperieren müssen und wir sehen uns weniger gezwungen, eingreifen zu müssen. Vielleicht auch deshalb, weil weniger andere Erwachsene anwesend sind? Vielleicht sind sie es ja zum Teil auch, denen wir es auf dem Spielplatz schön machen möchten, indem wir ihnen zeigen, wie höflich unsere Kinder sind, wie rücksichtsvoll und wie gern sie teilen? Vielleicht übergehen wir manchmal die Wünsche unserer Kinder, indem wir versuchen, es anderen Menschen recht zu machen?

Doch wie können wir es draußen dann anders machen? Natürlich ist es auch wichtig, den Kindern soziale Erfahrungen zu ermöglichen, Rücksichtnahme zu lernen. Das passiert allerdings im Miteinander und nicht durch starre Regeln. Wir nehmen unseren Kindern (auf beiden Seiten: den wartenden an Spielgeräten und den aktiven darauf) die Chance, ins Gespräch zu kommen, Dinge auszuhandeln, zu bitten und einzufordern. „Die Schlange ist so lang, Du kannst nur kurz schaukeln.“ oder „Ja, kurz kannst Du dort rauf, aber die anderen hinter Dir wollen auch.“ – So können Kinder nicht eintauchen in ihr Spiel. Wenn wir sie wirklich nicht einfach spielen und mit anderen Kindern verhandeln lassen können, dann sollten wir sie zumindest einbinden: Wenn wir sie je nach Alter fragen, ob und wie lange sie noch bleiben möchten. Wenn wir sie fragen, was vielleicht die anderen Kinder wünschen und denken. Wenn wir wirklich fragen, was sie tun möchten und was ihnen am meisten Spaß macht und ihnen genau dafür den Raum geben. Und wenn wir uns vielleicht auch einfach an die anderen Erwachsenen oder Kinder wenden und sagen: „Es tut mir leid für Euch, mein Kind braucht noch eine Weile hier.“ Das jedenfalls ist ein Satz, den ich bisher nur sehr selten auf Spielplätzen gehört habe.

Vielleicht hilft uns auch einmal der Gedanke: Wie wäre es wohl ohne uns? Wie wäre es wohl, wenn sich unsere Kinder frei bewegen würden ohne uns in einer Kindergruppe? Ist unser Einmischen wirklich notwendig oder können wir uns meistens nicht einfach bequem auf der Bank am Rand ausruhen, dem Treiben zusehen und anderen Eltern einfach zulächeln?

Eure
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  • Wenn ich das so lese, bin ich mal wieder froh, auf dem Land zu leben. Wir gehen fast nie auf den Spielplatz sondern erleben den Flow in unserem Garten unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit ausgewählten Spiel- und Gesprächspartnern.

    • lilysu

      Liebe Katharina,
      ja, das denke ich auch so oft, wenn wir vom Dorf zurück kommen in die Stadt auf einen der überfüllten Spielplätze hier. Es ist wirklich wichtig, dass man auch in der Stadt neben Spielplätzen gute Orte findet, an denen sich die Kinder frei entwickeln können und ab und zu in den Wald oder Park geht, wo sie an ganz natürlichen Materialien ohne Vorbestimmung des Gebrauchs spielen können.

    • Anna Punkt

      Hab ich mir beim Lesen auch grad gedacht – im eigenen Garten ist das durchaus entspannter für alle Beteiligten (einen ganz eigenen Garten hatten wir nur die ersten 3 Jahre, aber das war schon praktisch).

  • Tina

    Hallo Susanne,
    ein sehr schöner Artikel 🙂 Ich betreue als Noch-Nicht-Mutti bei uns im Verein seit einigen Jahren das Eltern-Kind-Turnen. Da ist das Verhalten ganz ähnlich wie von dir beschrieben. Ich schlage immer vor am Anfang der Stunde alle Geräte auszuprobieren, was die Kleinen auch gerne machen. Aber danach beobachte ich oft, dass die Kinder sich auf ein Gerät fixieren und die Eltern dann oft versuchen sie von dort wegzubekommen „Du hast jetzt aber genug geklettert, jetzt müssen wir auch nochmal balancieren“.. Ich plädiere immer dafür die Kinder selber bestimmen zu lassen, was gerade geturnt werden soll und auch was sie üben wollen. Wenn sie in der Stunde 120 mal vom kleinen Kasten auf die Matte springen wollen, dann sollte man sie das tun lassen auch wenn das für die beobachtenden Eltern unglaublich langweilig ist. Das funktioniert aber nur bei den wenigsten Eltern..

    Liebe Grüße
    Tina

    • lilysu

      Ja, genau das meine ich. Sie probieren eben genau das aus, was sie gerade wollen und brauchen und wir sollten sie einfach nur begleiten und beobachten.

  • Gast

    „—wenn sich unsere Kinder frei bewegen würden in einer Kindergruppe.“ – genau deshalb ist die Teilnahme am Kindergarten absolut unverzichtbar und nicht durch sporadische Treffen mit anderen Kindern im privaten Kreis zu ersetzen.

    • Samantha

      Würde ich so nicht sagen, denn beim Kindergarten handelt es sich um eine altershomogene Gruppe (die es natürlich nie gegeben hätte), die Eltern sind nicht ansprechbar (auch das gab es selten) und Kindergartengruppen sind von Erziehern (also Erwachsenen) geleitet und eben nicht von Kindern. Und das Wichtigste, der Kindergarten ist keine vom Kind gewählte Situation, es darf nicht entscheiden wann es hin will, wann es gehen will in welchen es will.

      • Kathrin

        Das stimmt in Kindergartengruppen geben die Erzieher die Regeln vor, diese gelten dann aber für alle Kinder (nicht hauen, schubsen, treten usw…), doch innerhalb des Rahmens spielen die Kinder frei. Bei uns vermischen sich gerade im Garten die Kinder von 1 Jahr bis zum Vorschulkind, ich finde sie trainieren da schon sehr viel Sozialverhalten. Und die Erzieher sind ansprechbar und an diese sind die Kinder ja auch gebunden. So lange wir Eltern nicht da sind, rutschen die Erzieher ja in der Bindungshierarchie nach oben (zumindest nach einer guten Bindung der Kinder an diese). So spielen sie in meinen Augen frei und geschützt in einer Kindergruppe…

      • Olja

        Mein 4 jähriger kann jeden Tag selbst entscheiden, ob er in den Kindergarten geht oder nicht (ich bin mit dem Kleinen zu Hause) und bis auf ein paar Male wollte er immer hin, obwohl ich ihm deutlich signalisiert habe, dass er gerne zu Hause bleiben kann und wir können alles mögliche machen. Meistens begründet er damit, dass er gerne mit seinen Freunden spielen will. Wir sind in einer Elterninitiative, wo ein sehr freundschaftliches Verhältnis zwischen den Erziehern und den Eltern und den Eltern unter sich, ich denke das hängt sehr viel damit zusammen. Und sie dürfen sehr oft frei und für such in dem großen Garten spielen.

    • Polly Esther

      😀 Guter Witz, weil Kinder sich im Kindergarten ja auch so „frei“ bewegen dürfen 😉

      • Melly

        Bei uns Kiga mischen sich die Erzieher nicht ein es sein denn es wird geschlagen gebissen oder verletzt… die kinder müssen Sachen selber regeln. Das lernen die im Kiga! Ist kein Witz oder ein schlechter Kiga

  • Mutterseele Sonne

    Wir haben Jahre auf Spielplätzen verbracht, und ich habe immer auf der Bank gesessen, gelesen, gequatscht, gearbeitet per smartphone und mich vor allem nicht eingemischt. Da wirst dann mitunter auch blöd angeguckt, weil Du nicht mit Deinem Kind spielst und auch keine Hilfestellungen leistest. Wenn jemand sich weh tut, mal Pipi muß oder Hunger hat, bin ich da, ansonsten: eure Zeit hier! Flow finde ich sehr gut ausgedrückt! Und auch in die soziale Interaktion habe ich mich so gut es geht nicht eingemischt, auch nicht wenn ein paar 6jährige zu mir kommen und sagen, meine 2jährige würde die Rutsche blockieren. Weil sie ewig oben sitzt und die Aussicht genießt. „Dann besprecht das doch mit ihr“ habe ich den Jungs gesagt. Die waren kurz verdutzt und haben das dann tatsächlich mit meiner Kleinen gebacken bekommen. Das hätten weder die Jungs noch mein Kind im privaten Garten so erlebt und gelernt.

  • Leonie

    Ich finde, dass du absolut Recht hast, dass Eltern nicht bestimmen sollte, wie lang das Kind womit spielt und es womöglich im Spiel unterbricht. Allerdings ist das grade auf dem Spielplatz schwierig, wenn eben so Dinge wir Rutschen und Schaukeln besetzt werden. Mein Sohn (bald zwei) schaukelt gerne stundenlang, er könnte den ganzen Tag. Es gibt aber nur zwei Schaukeln und irgendwann muss ich ihn dann unter heftigem Protest runterholen, da ich es auch nicht in Ordnung finde den anderen Kinder, die warten, zu sagen „tja, wir waren aber zuerst hier, da müsst ihr jetzt warten, bis mein Kind fertig ist.“ Das gleiche, wenn er versucht die Rutsche hochzuklettern, wenn oben Kinder stehen, die rutschen wollen. Wenn die Kinder alleine wären, würde er sich wahrscheinlich durchsetzen, weil er sehr groß, sehr stark ist und ziemlich ungehemmt aggressiv sein kann. Aber das will ich eigentlich vermeiden…
    Ich versuche eher abzuwägen und einzugreifen, dass er seine Pläne verwirklichen kann, ohne die Pläne von anderen Kindern allzu oft zu durchkreuzen.

    • Anna Punkt

      Und meine war (jetzt ist sie schon ziemlich groß, da ist das anders) das genaue Gegenteil – (außerfamiliär) konnte sie sich meistens nicht so gut durchsetzen (bzw. ging oft fälschlicherweise davon aus, dass die anderen Kinder kompromissbereit wären), und stand dann eben traurig da. Sie ist der Typ, der sich in einer Schlange hinten anstellt, und nicht versteht, warum sich die ganzen anderen Kinder vordrängeln. Und dann meistens als letzte dran kommt.

      Ehrlich gesagt fand ich’s dann schon immer ganz gut, wenn andere Eltern eingegriffen haben. (So wie du’s ja auch machst. :))

  • Gast

    Hallo Susanne,
    da kann ich wirklich gut verstehen, was du meinst. Ich habe mich schon lange auf die Spielplatzsaison gefreut, meine erste als Mutter bisher. Aber ich muss sagen, dass mich die Situationen auf vollen Spielplätzen oft anstrengen. Ich dachte eigentlich man lässt sein Kind erstmal machen und schaut zu. Aber das scheint nicht dem allgemeinen Verhaltenskodex zu entsprechen, denn die meisten Kinder haben einen Erwachsenen im Rücken.
    Eine typische Situation für mich: Ein Kind nimmt ein Sandförmchen meiner Tochter. Meine Tochter möchte es wiederhaben, sie zieht an dem Förmchen in der Hand des anderen. Sofort kommt ein Elternteil und bewegt sein Kind dazu, das Förmchen der Besitzerin zurückzugeben.
    Wenn dann die Situation andersherum ist, fühle ich mich unter Druck gesetzt, weil die Erwachsenen erwarten ich würde das gleiche tun und meine Tochter zurückhalten, wenn sie sich fremdes Eigentum unter den Nagel reißt. Dazu habe ich nämlich einfach keine Lust und ich finde es auch überhaupt nicht sinnvoll, solange beide Kinder nicht komplett ausarten.
    Es sollte einen Spielplatzknigge von Kindern für Eltern geben 😉

  • Anna

    Hallo Susanne,
    ich finde, du hast total Recht mit dem was du schreibst! Allerdings muss ich sagen, dass ich vieles von dem mit meiner 14 Monate alten Tochter, die schon sehr gern auf Spielplätzen unterwegs ist, so (noch) nicht umsetzen kann. Beispiele: Sie will die ganze Zeit rutschen, aber ich muss ihr auf die Rutsche helfen/ mit hoch klettern/ sie hochheben. Größere Kinder sind außerdem oft nicht so rücksichtsvoll und meine Tochter versteht halt noch nicht alles, sodass ich das eben nicht „die Kinder unter sich regeln lassen kann“.
    Wenn ein Kind noch so jung ist und für viele Dinge die Hilfe von Erwachsenen braucht und auch einfordert, finde ich es völlig okay, wenn man dann als Erwachsener auch mal nicht mehr mit dem Kind rutschen will und was anderes vorschlägt.
    Ich hoffe aber mal, dass ich mich mehr und mehr zurücknehmen kann, je älter sie wird!
    Liebe Grüße!

  • Anni

    Guten Morgen, ich weiß was Du meinst. Deshalb gehe ich nicht gerne auf Spielplätze, weil ich keine Lust habe dort aktiv zu werden und mitzumachen oder mich einzumischen. Beispiel: ein Kind wirft mit Sand. Mein Kind stört das nicht. Die Mutter des anderen Kindes weist ihr Kind zurecht, dass es nicht mit Sand werfen soll. Jetzt wirft mein Kind mit Sand. Mir ist das egal so lang niemand ernsthaft zu schaden kommt. Aber alle erwarten, dass ich nun entsprechend reagiere und eingreife. Was ich aber auch saunervig finde, sind die Eltern, die mit ihren Kindern ewig rumdiskutieren, dass das Kind wo auch immer jetzt mal Platz machen soll oder andere mal dranlassen soll. Das geht minutenlang hin und her. Das ist doch vollständig daneben und bescheuert. Ich kann das Kind zwei Mal bitten Platz zu machen und ihm zu erklären warum. Wenn dann nichts passiert, aber ich das Fass nun mal aufgemacht habe, muss ich das Kind eben wegnehmen. Oder ich halte die Klappe und lass die Kids das regeln.
    VG, Anni

  • Kathrin

    Hallo, ich gehe recht gerne mit meinen Kindern auf Spielplätze und je nach Situation spiele ich auch mit, wenn sie mich darum bitten, wenn nicht beobachte ich einfach. Bei Konflikten versuche ich mich raus zu halten, so lange das Kräfteverhältnis stimmt (unschön finde ich es, wenn 6 jährige meiner 2 jährigen die Spielsachen entreißen und auf ihren Protest nicht eingehen). Ich rege dann an, dass sie doch miteinander reden sollen, passe jedoch auf, dass bei einen Nein meiner Kinder die Größeren es nicht einfach weg nehmen… Auch nicht, wenn mich die Eltern der anderen Kinder drauf hinweisen, dass meine Kinder doch aber teilen lernen müssten (ja auch das ist schon vor gekommen)! Allerdings gilt nein ist nein auch für meine Kinder. Mein Fünfjähriger hat auch die Ansage kleineren Kindern nicht mit körperlicher Gewalt Spielzeuge zu entwenden natürlich auch nicht Gleichaltrigen! Diese Regeln gelten auch in unserer Kita und ich finde sie wichtig!

  • Maria

    Was mir hilft: unterschiedliche Spielplätze mit unterschiedlicher Klientel ansteuern. Ich finde es echt spannend, wie unterschiedlich die ungeschriebenen Regeln auf den Plätzen sind. Wenn man aus den ganz gutbürgerlichen Vierteln rausgeht in andere Kieze, sieht man Eltern, die sich so einmischen, eher selten. Da wird teilweise dann eher gehauen, aber auch mehr unter Kindern diskutiert. Das ist andersrum auch manchmal anstrengend, aber ich mische das je nach Laune und finde beide Settings haben ihre Berechtigung.

  • lablusmi

    Hallo Susanne,
    solche Szenen kenne ich von Spielplätzen auch. Wenn ich mit meinen Kindern (5 und fast 7 Jahre alt) auf den Spielplatz gehe, wollen sie sich meist ohne mich beschäftigen. Also mache ich es mir am Rand bequem. Ich greife sehr ungern und daher nur selten in das Geschehen ein. Neulich musste ich eine Situation auflösen, in der eine andere Mutter mein Kind von der Schaukel verjagt hat, weil ihr Kind (ca 4 oder 5 Jahre alt) auch mal schaukeln wollte. Ich fand das ziemlich unangemessen.
    Seltsam finde ich auch, wenn andere Eltern mich auffordern einzugreifen. Zum Beispiel als eins meiner Kinder die eigene Mütze immer wieder ein- und wieder ausbuddelte. („Wollen Sie nicht mal was machen, die Mütze wird doch ganz schmutzig?“)
    Ich verstehe Spielplätze als Räume für Kinder und da können sich Erwachsene ruhig mal etwas zurück halten.

  • Dass sehe iche ich auch so, deswegen haben wir oft Besuch. Oder gabz oldschool: Nachbarskinder kommen einfwach so vorbeit.

    Und das Kind den Menschen-Overkill hat, weil es in der Krippe anstrengend war, können wir trotzdem raus. Eigener Garten ist echt unbezahlbar.

  • Ich habe manchmal auf Spielplätzen das Gefühl, dass diese unsägliche Leistungsorientiertung vieler Eltern sie eben sogar das Spiel ihrer Kinder kontrollieren lässt. Das ist schrecklich. Wie sollen diese Kinder zu selbstbestimmten und selbstbewussten Erwachsenen heranwachsen, die ihren eigenen Weg gehen? Wenn sie nicht einmal alleine spielen dürfen?

  • disqus_BxUO0VdaQM

    Ich verstehe voll und ganz was du meinst. Ich draenge meinen Sohn auch zu nichts, er soll alleine entscheiden mit was er jetzt spielen moechte und worauf er keine Lust hat. Allerdings ist er mit seinen 20 Monaten noch sehr jung und kann, wenn er die Schaukel einfordert, das mal eben nicht so mit den anderen Kindern in der Schlange aus diskutieren. Wir leben in der Grosstadt und bei uns auf dem Spielplatz ist je nach Tageszeit oft viel los. Im Traum fiele es mir nicht ein, meinen Sohn so lange Schaukeln zu lassen, wie er wollte wenn da 5 Kinder anstehen. Ja, klar zerre ich ihn nicht sofort weg, aber ich kuendige schon mal an, dass wir eben nur kurz schaukeln koennen. Ebenso dein Beispiel mit dem Matsch auf der Rutsche. Ok, in eurem Fall war der Platz leer, da ist das was anderes. Aber wenn Kinder permanent rutschen, zeige ich meinem Sohn Alternativen auf seine Matschkunst zu vollenden. Ich finde, in solchen Situationen sind wir Erwachsenen schon gefragt wenn die Kinder noch zu klein sind um etwas auszudiskutieren (wobei ich durchaus nicht immer eingreife, vieles koennen auch die ganz kleinen schon unter sich selbst ausmachen). Ausserdem gehoert das zu den Erfahrungen des Lebens: Auf dem Spielplatz muessen wir Kompromisse finden und uns mit anderen arrangieren. Im heimischen Garten, im Wald oder Park ist das anders.

  • Antje Müller Meyer Lehmann

    Der Nutzungsdruck der Spielplätze ist doch viel zu hoch als das einzelne hier Zeit hätten in flow zu kommen. Ausnahmen sind verregnete Vormittage, ansonsten „fkt“ es nur bei bestimmungsgemäßer Nutzung, wenn alle 5s rutschen, 50s schauckeln,.. Sie wollen ja oft auch das machen was andere schon tun. Wenn also 5 Kinder auf der Wackelbrücke sind, will das 6. wahrscheinlich dort dazu und nicht am Rand ne Burg bauen. Und dann „braucht“ man sie, die getakten Abläufe der Helicoptereltern.
    -Ein Erklärungsversuch-

  • Frauke Reichhart

    Wenn ich den Text und die Kommentare so lese, bin ich heilfroh auf dem Land zu leben. Da ist doch so einiges viel entspannter.

  • Heidrun Schwartz

    bei uns waren keine eltern mit auf dem spielplatz. nun ja, dann sind auch die kleinen auf die spielgeräte der großen – 2m hoch in der luft. aber da stand immer einer von den größeren zum auffangen. und drunter war auch sand. es gab mal tränen aber durchaus keine schlimmen unfälle. auf der breiten rutsche haben wir raufspiele gespielt – es standen welche in der mitte, die von den anderen „runtergerutscht“ wurden und die ihrerseits versuchten, stehen zu bleiben. auch komisch – ja, es hat mal ein kind ein knie ins gesicht bekommen oder es ist eins aufs gesicht geflogen bei dem spiel – aber gebrochen war nie was. und wir lernten unmittelbar, dass bestimmte techniken dann „nicht galten“ die wurden wie ein foul beim fußball einfach verboten. untereinander. weil nur dann die sache spaß macht. ganz ohne eltern. es gab auch mal raufereien. aber wenn das nicht über wochen ging, hat sich niemand eingemischt und es hörte auch schnell wieder auf. weil die kinder darauf auf dauer keine lust hatten. und auch kinder schlichteten. wir waren eben auch aus unterschiedlichen elternhäusern und unterschiedlich konfliktfähig, aber es gab immer einige sehr konfliktfähige, die auch mal eingriffen, so wie sie es zuhause lernten. nicht kontrollierend, nicht strafend, sondern moderierend, aber mit klarem „nein“ zur gewalt. das klappte erstaunlich gut. gut, wir waren kein „problemviertel“ aber leider ist es ja so, dass gerade dort die kids allein sind und bei den kindern, die ganz gute kompetenzen mitbekommen, die eltern ständig dran und dabei sind. bei uns saßen eltern nicht mal UM den spielplatz. manchmal, wenn in einer ecke so ganz kleine spielten, 1,5-3 jahre alt, da waren dann ein paar mütter. aber ab etwa vier nahmen die älteren die kleineren mit und da alle spielten, lief auch keins weg… es wurde nicht nur auf dem spielplatz gespielt sondern auch auf parkplätzen, hinterhöfen, brach-grundstücken, verstecken, fangen, vater-mutter-kind, ballspiele. überall ohne eltern. es gab ne zeit, wo man zum abendessen daheim sein mußte. ich hatte keine uhr als kind, aber es gab ja autos, in denen eine uhr am armaturenbrett war. es gab also keine ausrede nur deshalb unpünktlich zu sein, weil man keine uhr hatte. weil es keine ablenkenden dinge gab, war man ganz im spiel und daher hatte man auch körpergefühl, intuition und kompetenz. und daher passierte selten was. wie oben beschrieben: schmerz war auch lernmittel. und daher auch leicht verkraftet. wenn ein kind, das sich grade die nase aufgeschlagen hat, wegen zu harten spiels mitbekommt, dass solche härten künftig als foul betrachtet werden, empfindet es sich nicht als opfer, sondern merkt, dass jeder mal was abkriegt udn man draus lernt und es besser macht. so gibt es auch nicht viel vorwürfe und schuldzuweisung. für den moment kurz ja, aber dann ist es gelöst und in ein gelingendes sich fortentwickelndes kindliches sozialsystem reingewachsen. etc pp – wo sind die kinder und diese räume heute?!

  • Jessica Tenten

    Ich kann den Beitrag nur teilweise bestätigen. Ja, sicherlich sollte man die Kids nicht von einem Gerät aufs nächste Schleppen oder vorgeben was sie zu spielen haben. Aber die Aussage „So, Pech gehabt mein Kind braucht auf der Schaukel noch eine Weile“ finde ich absolut daneben. Kinder sind kleine Egoisten was ja auch in Ordnung ist aber denkst Du dann auch an das andere Kind was da schon 5 Minuten ansteht an der Schaukel? Meine Kinder sind 4 und 5 und meistens klappt es mit dem Platz machen inzwischen wenn sie sehen dass andere warten aber das kommt nicht von ungefähr sondern weil ich sie als sie noch kleiner waren darauf hingewiesen habe, dass andere auch wollen und sie gleich runter sollen. Sowas muss man lernen – ist aber toll wenn die Mama das unterstütz und es ihr egal ist wenn andere Kinder dann weinen oder wütend werden… Toll für das eigene Kind natürlich was Rücksichtnahme nicht lernen muss.

    Bei dem Matsch bin ich zwiegespalten. Mich stört das inzwischen nicht mehr denn meine sind groß genug um was zu sagen oder eben selber diese Matschhaufen zu entfernen wenn sie rutschen wollen. Bei kleineren Kindern kann ich es verstehen wenn die Mama das macht.

    Wenn ein Kind mit Sand wirft: ja ich sage das meinen Kindern auch. Warum? Will ich warten bis ein anderes Kind Sand in die Augen bekommt? Das klingt in dem Beitrag leider so „solange nichts passiert“. Passiert ist aber schnell etwas. Es gibt auf dem Spielplatz einfach auch Regeln – nicht viel aber andere gefährden sollte schon dazu gehören. Ich sitze auch nebenan auf der Bank mit einem Buch mittlerweile aber wenn ich sehe dass sich meine Kinder nicht Mist bauen dann sage ich was – vor allem wenn es jüngere treffen könnte. Ich mag es doch ebenso nicht wenn 2 7-Jährige mit Schwerter auf meinen 4-jährigen Jungen losgehen (ist passiert und ja da bin ich eingeschritten weil deren Mutter das 0 interessiert hat – wie soll mein Junge sich da schon wehren?).

    • Lexi

      Stell dir vor, auf dem Spielplatz gibt es nur eine Bank und du sitzt darauf und dann kommt ein anderer Erwachsener und sagt: so 5 Minuten sind rum, jetzt bin ich mal mit sitzen dran. Wir wären doch ziemlich irritiert und von unseren Kindern erwarten wir das?