Wofür ich Dich hasse, Mutter

[Triggerwarnung: Gewalt gegen Kinder]

Heute möchte ich mit Euch diesen Bericht einer Mutter teilen, die als Kind geschlagen wurde und irgendwann begann, ihre Mutter für viele Dinge zu hassen. Auf dass wir alle an einer besseren Zukunft arbeiten:

Es fällt mir nicht leicht über das zu schreiben, was ich schreiben möchte. Schließlich ist die Liebe zu den Eltern in unserer Kultur etwas unabdingbares. „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ Es ist mehr als ein christlicher Spruch, der uns ermahnt. Es ist eine Aussage unser Kultur. Wie oft habe ich schon ein „Aber ich bin Deine Mutter!“ gehört, das genau darauf zurück zu führen ist: Ich habe Dich geboren und Du musst Dich mir unterordnen – oder zumindest nicht widersprechen.

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Auch ich hatte eine solche Mutter. Eine, die von mir bedingungslose Liebe erwartete – sie aber mir selber nicht gab. Nicht bedingungslos. Spätestens seit meiner Teenagerzeit war meine Liebe jedoch nicht mehr das, was sie sich vorstellte. Sie verkehrte sich mehr und mehr in das Gegenteil von dem, was sie erwartete. Ich fing an meine Mutter zu hassen.

Die Angst und Hilflosigkeit eines Kindes

Vielleicht hatte ich ja eine Kindheit, wie sie gar nicht so ungewöhnlich war damals: Ich hatte zwei verheiratete Eltern, meine Mutter, die sich hauptsächlich um mich kümmerte. Sie war da, wenn ich aus der Schule kam, sie kochte und wusch und ging mit mir auf den Spielplatz. Wenn ich aber gegen ihre Wünsche und Vorstellungen verstieß, schlug sie zu. Ich erinnere mich gut daran, wie oft ich als Kind geschlagen wurde. Mit der Hand, auch mit Gegenständen. Ich erinnere mich wie ich immer versuchte wegzurennen, aber es gab kein Entrinnen in unserer kleinen Wohnung. Sie fing mich ein und schlug zu. Ich schrie und weinte. Als ich größer wurde, fragte ich mich, warum nie einer der Nachbarn etwas tat, nie meine Schreie beantwortet wurden. Manchmal wurden sie von einem „Ich geb Dir gleich einen Grund zu schreien!“ von meiner Mutter beantwortet. Ich fragte mich auch, warum mein Vater nie eingriff sondern es so hin nahm. Oder meine Großeltern, meine Tanten und Onkel. Niemand tat etwas. Ich wuchs auf mit dem Gedanken, dass es eben so sei und mir niemand helfen würde. In der Schule war ich auffällig, aber nicht so sehr, dass ich wirklich auffiel.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit

Als ich schwanger wurde begann ich, mich mit meiner eigenen Kindheit auseinander zu setzen. Damit, was ich für mein Kind nie wünschen würde. Es war so vieles, was auf dieser langen Liste stand. So vieles, das mit meinen Eltern zu tun hatte. Ich realisierte: Ich hatte keine schöne Kindheit. Ich war selber etwas erschrocken über diese Erkenntnis. Und nein, ich liebte meine Eltern nicht. Auch wenn sie mich geboren hatten, auch wenn sie mich nicht verhungern ließen und mich zur Schule schickten. Ich liebte sie einfach nicht. Die Liebe ging irgendwann verloren als ich merkte, dass ich nicht mehr auf sie zum Überleben angewiesen war. Als ich auszog, zog ich auch emotional aus.

Es hat Dir ja nicht geschadet – Doch.

Ich realisierte irgendwann, dass ich meine Mutter hasste. Nicht nur für das, was sie mir angetan hatte. Vielleicht war sie überfordert, vielleicht hatte sie es selbst nicht anders erfahren. Ich hasste sie dafür, dass sie keine Einsicht zeigte: „Aber was hast Du denn? Ist aus Dir nichts geworden? Es geht Dir doch gut!“ Antwortete sie auf meine Nachfragen. Ich hatte einen guten Job, war verheiratet, hatte Freunde und erwartete ein Kind. Sie verstand nicht, dass es mir sehr wohl geschadet hatte. Dass es mir Vertrauen genommen hatte, Selbstwert, Glauben an bedingungslose Liebe. Sie hatte mir persönlich sehr schwer geschadet und mit ihr all die, die nie eingeschritten sind.

Es fällt so schwer es anders zu machen

Doch besonders hasste ich sie für eines: Dass ich als Mutter anders sein wollte und es manchmal so schwer war. Ich wollte mein Kind auf keinen Fall schlagen, es nicht anschreien, ihm keine Angst machen. Ich wünschte mir so sehr ganz anders zu sein. Ich las viele Bücher, machte eine Therapie und brach den Kontakt zu meinen Eltern ab. Und doch sind sie an manchen Tagen da, die Sätze meiner Kindheit. Sie sind in meinem Kopf, wollen sich den Weg über meine Lippen bahnen. Sätze in Situationen, in denen ich überfordert bin. Ich hatte nie ein gutes Vorbild als Mutter. Situationen, in denen ich mich zurück halten muss, um nicht grob zu meinem Kind zu sein. Ich habe mein Kind nie geschlagen und werde es hoffentlich nicht tun. Aber der Gedanke daran ist manchmal da. Ich hasse meine Mutter für diese Gedanken, für diese allgegenwärtigen Sätze, von denen ich weiß, wie sehr sie meinem Kind in der Seele weh tun würden. Ich hasse sie dafür, dass es mir an manchen Tagen so schwer fällt so zu sein, wie ich eigentlich sein möchte.

Es anders zu machen lohnt sich

Warum ich dies alles aufschreibe? Weil ein „Es hat Dir doch nicht geschadet“ eben nicht stimmt. Weil Schläge Narben hinterlassen. Manchmal ist es gar nicht so offensichtlich, wie tief diese Narben sind. Manchmal schützen sich auch die Menschen selbst und behaupten von sich, es hätte ihnen nicht geschadet. Vielleicht weil die Erkenntnis, die ich selbst gemacht habe, so schmerzhaft ist. Es erfordert Kraft, sich einzugestehen, dass es ziemlich schlimm war, was man erlebt hat. Und dass man von den Menschen, die einen schützen sollten, nicht geschützt wurde. Noch mehr Kraft erfordert es, es anders zu machen. Aber es lohnt sich. Jedes Kinderlachen, jeder Blick meines Kindes sagt mir, dass es die Anstrengung wert ist.

 

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37 Kommentare

  1. Ein mutiger Artikel.
    Selbstverständlich schadet Gewalt Kindern. Und wer sie erfuhr, der sollte sie nicht weitergeben. So stoppt man diese furchtbare , unreflektierte „Tradition“.

    In diesem Bericht aber zeigt sich noch etwas anderes Perfides: Der Sadismus der Mutter. Der Hinweis auf eine gestörte Persönlichkeit. Und ich verstehe, dass die Autorin Hass empfindet, denn dieser hilft, sich abzugrenzen.

    • Susi Sorglos

      „Sadismus“ ist ein starkes Wort, ein zu starkes. Wer Gewalt erlebt hat, für den ist es eben schwer in Überforderungs- und Stressituationen nicht in erlebte Verhaltensmuster zurückzufallen, das gilt für die Mutter und ebenso für die Tochter. Ich denke, mit echtem Sadismus hat das nichts zu tun.

  2. Nora_mit_Nathanael

    Wird sich erst noch zeigen, ob eine gewaltfreie Erziehung besser ist als eine mit Gewalt?! Ach herrje…

    • Susi Sorglos

      daran besteht ja wohl kein Zweifel, dass eine gewaltfreie Erziehung besser ist. Gezeigt hat sich wozu gewaltvolle Erziehung fürht ja schon lange genug, siehe nur A.Hitler.

      • Gewalt findet aber nicht nur körperlich statt und das sehe ich heutzutage viel:

        Es wird weniger körperlich misshandelt, aber dafür wird umso mehr seelischer Schaden an Kindern verübt, der sich genauso tief in das Kind hineinfrisst und zu allerlei mentalen Problemen führt.

        Es ist oft ein feiner Grat zwischen Disziplin und Bestrafung, den zu viele Eltern aus Unwissenheit überschreiten und langfristigen Schaden anrichten, der unbewusst, da dem Subjekt nicht anders bekannt, über Generationen hin weitergegeben wird.

  3. Kinder groß zu ziehen ist eine Herausforderung an sich selbst, wie man erziehen und selbst sein möchte und wie man dies verwirklicht. Ich habe alle Achtung vor dir, dass du so bewusst mit deiner eigenen Kindheit, deinen eigenen Erfahrungen umgehst und wie du die Erziehung deiner Kinder anders machen möchtest als du sie selbst erlebt hast. Es kostet Kraft. Aber weid du auch selbst schreibst: Das glückliche, unbeschwerte Lachen der Kinder wiegt so viel an Mühe, Qual und Selbstbeherrschung auf, dass es sich einfach lohnt die eigenen Vorstellungen umzusetzen – egal wie viel Kraft es kostet.

    Ich wünsche dir alles Gute und weiterhin viel Kraft auf deinem Weg. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich lohnt. Wenn man dann zurück schaut und feststellt, was man alles erreicht hat und welche Menschen aus den eigenen Kindern geworden sind, dann weiß man, dass es den Aufwand, den Kampf gegen sich selbst und die vielen Selbstzweifel wert war. Keep going!

  4. Crazyladyms

    Vielen Dank für diesen Text!!!! Er zeigt – genau wie die Kommentare – dass es viele Frauen gibt, die keine gewaltfreie Kindheit hatten (physisch wie auch psychisch) und ähnlichen Gedanken und Gefühlen ausgesetzt sind!!!!!
    Das tut so gut zu lesen, nicht allein zu sein. Ich kann mich zwar mir meiner Schwester zu diesem Thema austauschen, aber nicht über die Ängste, die ich während meiner 1. Schwangerschaft hatte. Angst, so zu sein wie meine Mutter!
    Gott sei dank war ich bisher stärker als sie und habe mein Kind nie geschlagen oder verbal gedemütigt!
    Und ich bin auch froh, dass ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter habe, auch wenn sie mir leid tut, weil ich glaube, dass sie ein ein anderer Mensch wäre, wenn sie psychologisch behandelt werden würde.

  5. Danke für die ehrlichen Worte. Ich habe leider auch so ne schreckliche Kindheit hinter mir. Mein Vater war sehr jähzornig. Abends und am Wochenende war er oft betrunken. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, hat er willkürlich geschlagen und geschrien. Ich konnte es ihm nie recht machen. Meine Mutter erzählt mir heute noch, sie hätte mich zu viel geliebt. Sie hat zugesehen, wie mein Vater mich behandelt hat und mir die Schuld gegeben. So lange ich denken kann, habe ich schreckliche wutanfälle. Sie kamen plötzlich über mich, wenn ich Angst bekomme. Deshalb wollte ich nie Kinder haben. Ich hatte Angst, so zu sein wie meine Eltern. Die haben immer gesagt, meine wutanfälle seien der Grund, warum ihre Ehe leidet und ich würde alles kaputt machen. Ich habe es geglaubt. Erst mit 30 Jahren hörte ich davon, dass man sowas therapieren kann und Verstand, dass ich ein Opfer war. Ich machte 5 Jahre lang Traimatherapie. In der Zeit schlug ich einiges kaputt und ging auf meinen Mann los. Allmählich wurde es weniger und in mir wuchs der Wunsch, Kinder zu bekommen. Inzwischen habe ich 2. Leider ticke ich immernoch ab und zu aus und habe auch schon im Affekt geschlagen. Aber in mir gibt es eine bremse, die dann angeht. Ich sehe das kleine unschuldige Wesen und bin entsetzt über mich. Ich wäre gerne eine bessere Mutter. Ich liebe meine Kinder und rede mit Ihnen über meine Fehler. Ich entschuldige mich und sage ihnen, dass es nicht zu entschuldigen ist. Ich gebe Ihnen alle Liebe, die ich habe und lobe sie so gut ich kann. Die Bilanz soll am Ende wenigstens gut sein und ich sage den Mäusen, dass sie unschuldig sind. Ich gehe auf ihre Gefühle ein und ertrage ihre Wut, wenn ich ungerecht war. War es falsch, Kinder zu bekommen? Darf eine Person wie ich das? Ich kann es nicht beantworten. Aber ich sehe erste Früchte meiner Arbeit. Meine große Tochter ist sehr selbstbewusst und fröhlich. Mein Sohn ist noch zu klein, ich weiß es noch nicht. Aber ich habe Hoffnung, daß es auch bei ihm klappt. Ich habe mir vorgenommen, dass ich nicht bereuen will, Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Auch wenn es viele Menschen gibt, die sagen, dass ich die falsche dafür bin. Ich denke das auch oft. Aber jetzt sind sie da und ich gebe Ihnen, was ich kann.

    • Susi Sorglos

      Wenn deine Mutter zugesehen hat, wie dein Vater dich geschlagen hat und dir auch noch die Schuld daran gegeben hat, wie kann sie dann allen Ernstes behaupten, sie hätte dich zu sehr geliebt? Zusehen wie ein Kind geschlagen und gequält wird ohne einzugreifen empfinde ich als schlimmer als das eigene Zuschlagen, denn das geschieht oftmals im Affekt, aber wer stillschweigend und ruhigen Blutes zusehen kann wie das eigene Kind geschlagen wird, ist für mich schlimmer als selbst zu schlagen.

  6. Susi Sorglos

    Sehr gut geschrieben. Mutig? Nee, nur ehrlich. Weiß nicht warum manche mutig schreiben. Nur weil sie die Wahrheit erkannt hat? Aber das soll den Text keinesfalls mies machen. Nein, im Gegenteil, ich finde ihn sehr gut und ich habe meinen Eltern gegenüber im Grunde ähnlich empfunden. Ich habe auch einen kleinen Teil meiner Erziehung weitergegeben, leider. Natürlich muss man auch Verständnis haben, dafür warum sie so geworden sind, die eigenen Eltern, so wie die Autorin sich sicher Verständnis von ihrem Kind dafür erhofft, wenn diese schlimmen Sätze in Stresssituationen aus ihr herausbrechen. Aber Liebe kann man eben nicht erzwingen. Wir können nur das alles verbalisieren, mit unseren Kindern reden, damit sie es besser machen und wenn es nur ein Stückchen besser ist.

  7. Susi Sorglos

    Und wozu braucht das christliche Abendland wohl ein Gebot, dass da heisst: „Du sollst deine Eltern lieben.“? Eben weil es, bedingt durch traditionelle Erziehungsmethoden eben NICHT selbstverständlich ist, seine Eltern zu lieben.

  8. Ich habe gerade deinen Artikel gelesen. Es ist mutig, dass niederzuschreiben und hart.
    Ich bin 18. und habe auch sowas miterlebt.
    Ich kenne meinen Vater nicht, deshalb gab es nie ein entkommen für mich. Als Kind hatte ich keine Freunde, den ich hätte was sagen können. Als ich in der 5. dann doch welche fand, fehlte mir der Mut. Inzwischen habe ich mich anvertraut und gehe bald zur Therapie.
    Meine Mutter hat mich psychisch sowie physisch geschlagen. Ich konnte bis ich fünf war, nicht sprechen. Die Ärzte haben nie einen Grund gefunden. Ich glaube, ich kenne ihn. Das eine Mutter mit einem Stuhl nach ihrem Kind wirft, muss sich ja irgendwie auswirken. Auch mein Verhalten hat „Schaden“ davon genommen. Manchmal bin ich ganz agressiv, schlage um mich und schrei. Manchmal bin ich voller Angst, bekomme eine meiner sogenannten Panikattacken, weine für Stunden wie wild, schreie ebenfalls und sperre mich irgendwo ein. Auch in der Schule ist sowas vorgekommen. Aber scheinbar nicht oft oder extrem genug, dass ein Lehrer sich gefragt hat, wo das herkommt. Nur einmal wurde ich mal drauf angesprochen. Wurde gefragt, warum ich denn keine Therapie mache.
    Eine ganze Weile habe ich meine Mutter gemocht und versucht, so gut wie möglich zu sein. Es hat nicht geklappt. Komplett verzweifelt bekam ich Suizidgedanken und der Hass entwickelte sich. Ab und an auf sie, manchmal auf mich. Das war in der Grundschule. Jetzt ist es Hass und Ekel den ich für sie empfinde. Ich finde es eklig, in der selben Wohnung wie sie zu wohnen. Ich finde es eklig, das selbe Bad wie sie zu nutzen. Ich finde es eklig, wenn ich sie angucken, weil sie mit mir redet. Ich hasse sie. Ich hasse sie und finde sie so eklig.
    Wegen ihr habe ich diese Phasen von Selbsthass. Weil ich denke, ich bin schlecht. Sogar selbstverletzen tu ich mich. Und schon in der Grundschule hat es angefangen. Zuerst habe ich mich zwischen Türen eingeklemmt, mich gegen die Wand geschlagen, dann hab ich mich gebissen und gekratzt und heutzutage mach ich alles und nehme auch Gegendstände.
    Und ich weiß, bloß wegen meiner Mutter habe ich so ein verschrobenes Selbstbild.
    Ich habe einen kleinen Bruder (*2009). Er wird mir immer ähnlicher. Vom Aussehen her und vom Verhalten. Auch diese schlechten Seiten sind bei ihm langsam sichtbar. Das er nicht gut mit Wut umgehen kann. Ab und an agressiv wird. Etwas, was wir beide scheinbar von unserer Mutter ‚anerzogen‘ gekommen haben. Etwas, was sie bestraft, obwohl sie das mit Bestrafung nur schlimmer macht. Ich bin froh, dass ich so viel älter bin, als mein Bruder. Wir stehen uns nah. Und sollte es jemals dazu kommen, dass meine Mutter ihn so behandelt, wie mich (zur Zeit mag er sie noch), kann ich ihn retten. Meine Schwester, die kaum Ähnlichkeit hat mit mir, musste nie mehr als eine Ohrfeige wegstecken. Darüber bin ich froh. Gleichzeitig wütend. Denn es ist schon deprimierend, wenn man weiß, die Mutter hat es auf einen abgesehen.
    Diesen Sommer aber werde ich ausziehen. Zum Glück.
    Ich hab mir auch schon Gedanken gemacht, was ist, wenn ich Kinder bekomme und mich dann genauso Verhalte?
    Aber der Text und die Kommentare haben mir eine Antwort gegeben.
    Ich wünsche allen, die das durchmachen müssen/mussten, alles Gute.

  9. Es tut wirklich gut zu lesen, damit nicht alleine zu sein. Danke für Dein offenes Posting.
    Bei mir haben beide Eltern zugeschlagen, psychische Verletzungen gab es auch häufiger, insbesondere in der Pubertät (als nicht mehr geschlagen wurde).
    Nach meinem Suizidversuch mit 15 wurden meine Eltern zugänglicher …
    Trotzdem ist dadurch sehr viel in mir kaputt gegangen: Selbstzweifel, Ängste, Depressionen … und die Frage, was wohl für ein Mensch aus mir geworden wäre, wenn ich mich manches einfach getraut hätte, wozu mir damals das Selbstbewusstsein fehlte.
    Ich habe mich leider viel zu oft von meinen Eltern dominieren lassen, auch was einige Entscheidungen anbelangt, z.B. Berufswahl. Sie hingegen meinen, ich hätte alle Freiheiten gehabt … und auch eine glückliche Kindheit.
    Ich kann erst jetzt – mit 35 und durch Therapie – zulassen, dass ich meine Eltern ebenfalls nicht besonders mag und viel, viel mehr Abstand brauche.
    Ich überlege zurzeit, ob ich selber Kinder bekommen möchte und finde keine Antwort, außer, dass ich große Angst davor habe, weil es mich vielleicht überfordern könnte.
    Zwar sehe ich auch, dass meine Eltern sich damals auch bemüht haben (wir hatten viel Spielzeug usw.) und dass sie selbst eine schlechte Kindheit hatten, aber ich kann es ihnen nicht verzeihen, dass sie das einfach an mich weitergegeben haben – und an meine Schwester, die sich gerade aus ihrer Alkoholsucht kämpft.

    Am liebsten würde ich das alles vergessen und noch einmal ganz von vorne anfangen.

    • Liebe Steffi,
      das ist wirklich sehr bewegend, was Du schreibst. Und ich habe schon viele Nachrichten zu diesem Artikel bekommen und auch von anderen Menschen, die wie Du überlegen, ob sie aufgrund der eigenen traumatischen Kindheit überhaupt eigene Kinder haben wollen. Was ich Dir empfehlen kann, ist eine Traumatherapie, in der das Trauma der Kindheit aufgearbeitet wird. In dieser Therapieform gibt es spezielle Methoden, um mit Deinem eigenen Inneren Kind zu arbeiten. Du wirst die Erfahrungen nicht vergessen, aber kannst Möglichkeiten erlernen, damit umzugehen und Dich jetzt um Dein Inneres Kind liebevoll zu kümmern.

  10. Sabine

    Hallo Susanne
    Wenn ich das lese . Sehe ich mich, meine Kindheit + psychische missbrauch. Du hast so recht , es kostet so viel Kraft und Zeit sich mit schlimmer Vergangenheit auseinander zu setzen. Meine Narzisstische Mutter …..Ich glaube nicht dass sie selber als Kind geschlagen würde. Meine Oma war eigentlich eine ganz Liebe. Warum meine Mutter so war ?? Ich weis es nicht . das habe ich nie raus bekommen.
    Ich bin jetzt selber mutter . Mein Sohn ist 13 und würde nie geschlagen. Ich war sicher öfter laut , aber nie beleidigend ihm gegenüber.
    Es gibt Momente , wo ich mich selbst bemitleide , weil ich keine Kindheit hatte .
    Aber ich bin stolz auf mich . Es hat viel kraft gekostet und es gibt diese Zeit . So bin ich auch auf diese Seite gestoßen. Mit meine Mutter habe ich Kontakt ( weil es sich so gehört…wie auch immer) . Ich sehe sie alle 4 Wochen für eine Stunde. Pflichtprogramm. na ja …
    Ich wollte nur was Fragen.
    Dein Beruf ist sehr interessant. Habe ich das richtig verstanden , dass keine Kontakt zu deinen Eltern besteht? Ich hoffe meine Fragen sind nicht zu Persönlich. Aber wie hast du den Kontakt abgebrochen?
    Hast du es erklärt? und warst dann weg ??
    Ich Persönlich bin immer froh wenn dass treffen vorbei ist. Aber mit Narzissten lohn es sich nicht rational zu diskutieren. Ich werde auch den kommenden Muttertag einfach so übergehen . Ich kann nicht so tun als währe alles ok .
    LG Sabine
    Ps. Gewalt ist schlimm und dann noch an Kinder die sich nicht währen können ist mit nichts zu entschuldigen.

  11. Dieser Bericht geht mir nah. Ich selbst wurde zwar nie „geschlagen“ (wie andere) aber ich habe trotzdem arg daran zu knapsen. Meine Mutter gab uns, als wir kleiner waren, oft aus der Not und in ihrer Überforderung heraus einen Mors voll. Mein Vater brüllte, wenn ihm die Hand „ausrutschte“ tat es auch doller weh. Nach der Scheidung meiner Eltern hat meine Mutter sich bei uns Entschuldigt für die Morsvoll und uns nie wieder gehauen. Mein Vater hat uns immer schon auf den Kopf „geklapst“ (es sind doch nur Klapse). Auch jetzt noch, ich bin 32, macht er das bei mir. Ich habe ihm mehr als einmal deutlich zu verstehen gegeben, dass es demütigend ist und weh tut, er lacht, er weiss keine Argumente- wohl aus seiner eigenen unliebevollen Kindheit heraus.
    Vor zwei Wochen bin ich ausgerastet und (ich bin ihm im Jähzorn ähnlich) Schläge angedroht. Warum? Er hat meine Tochter auf den Kopf gehauen („es war doch nur einKlaps“). Weil sie kein ‚high5‘ geben wollte. Weil sie seine Hand nett weg geschoben, nein gesagt hat und gehen wollte. Sie ist 19 Monate alt und hat nie einen Klaps bekommen. Und obwohl ich schon immer früh meinen Vater vorgewarnt hatte (angeblich stört es die Stieftochter nicht, dass ihr Sohn -also sein Enkel- von ihm auch gehauen wird) hat er meine Tochter geklapst. Klaps ist Hauen, Hauen ist Schlagen.
    Mein Vater sieht es nicht ein, er hat mir mal gesagt, seine Kinder wären sein Eigentum und darum dürfe er machen was er will, jegliche vernünftige Argumentation wird abgeschmettert. Ich wurde als Psycho beschimpft, zum Schluss angebrüllt, ich sei nicht mehr seine Tochter.
    Ich wollte, dass meine Tochter liebevolle Grosseltern bekommt, wird sie auch, aber ohne meinen Vater als Opa dazu. Das kann ich ihm nicht verzeihen und wenn ich sehe, was ich hier niederschreibe, lässt mich wissen, dass ich das immer noch nicht verarbeiten kann. Und es tut mir so weh, dass ich mein Kind nicht beschützen konnte, obwohl ich nur einen halben Meter daneben stand…

    Es ist traurig, dass soviele Leute sagen „hat mir nicht geschadet“. Es bedeutet doch den Verlust der Empathie

  12. Franziska

    Wow, wenn ich das hier alles lese, kommt auch so einiges in mir hoch. Vieles, was ich schon lange verdrängt habe. Und ich kann euch so gut verstehen. Ich frage mich auch oft, was aus mir geworden wäre, wenn ich über mehr Selbstsicherheit und familiären Rückhalt verfügt hätte. Ich frage mich auch oft ob ich die Mutter für meine kleine Tochter sein kann, die jedes Kind verdient. Ob meine Tochter, wenn sie erwachsen ist, in Liebe und Geborgenheit an ihre Kindheit denken kann und mich gerne und ohne Pflichtgefühl besucht. Ich wollte in der Schwangerschaft auch gern meine Kinderheit in einer Therapie aufarbeiten, was mir jedoch nicht gestattet wurde. Die Psychologin meinte, „aus mir sei doch etwas geworden“ und sie hätte wichtigere Patienten. Nun, mit dem Gefühl das es mir also nicht gut genug geht um normal zu sein aber auch nicht schlecht genug um „krank“ zu sein, Blicke ich in die Zukunft und vertraue auf meine innere Stärke. Leider das einzige, worauf ich mich oft verlassen konnte. Ich wünsche allen erwachsenen Kindern die Kraft zum Loslassen und hoffe sie auch selbst bald zu finden.

    • Angelika

      Hi. Du bist stark. Und du wirst es richtig machen. Mir geht es ähnlich wie dir und meine nun 22 jährige Tochter hat mir neulich gesagt, das sie froh ist wie ich sie erzogen hab trotz meiner schlechten Erfahrungen. Ich hab sie mit Liebe und „du kannst alles schaffen was du magst“ erzogen. Natürlich gab es auch Grenzen, aber das gehört zu einer guten Erziehung dazu ( ausgehen als Teenager z. B.)
      Ich wollte es anders machen und tat es auch. Meine Mutter mag nur meine 12 Jahre jüngere Schwester. Und die nützt Sie nur aus und betrügt sie nur. Aber ihr wird alles verziehen. Ich hingegen bin Staatsfeind Nr1. Leider hab ich das Aussehen und wohl auch den Charakter meiner Oma väterlicherseits ( also ihrer Schwiegermutter) geerbt. Das war schon mein erster Fehler.

  13. Greuther Erndt

    Auch ich wurde von meiner Mutter geschlagen. Auch sie übernimmt keine Verantwortung. Erschwerend kommt hinzu, daß meine Mutter Pädagogin ist und mein Vater Therapeut. Nicht einmal die sind in der Lage, das zu begreifen. Wie soll mir da ein Therapeut helfen, wenn mein Vater tatenlos zusah und dann noch meine Mutter davon geredet hat, daß Gewalt nie eine Lösung sei?

  14. Ich wurde auch geschlagen,beschimpft und ausgelacht von meiner Mutter. Ich bin jetzt 37 und kann es immer noch nicht verarbeiten, trotz mehreren Therapien.
    Ich habe mir hier jedes Kommentar durchgelesen und verstehe jeden Menschen der so etwas leider erleben musste. In mir kam gleichzeitig der Wunsch diese Menschen zu treffen. Sie persönlich kennen zu lernen. Ich weiß es ist kaum möglich. Nur weiß ich jetzt dass da draußen es Menschen gibt, die genau wie ich fühlen.
    Ich wünsche euch viel Kraft.

  15. Das heißt „Spoiler-Warnung“ nicht Trigger Warnung…. Menschen die auf „cool“ tun und nicht mal nen Plan haben was sie da für Wörter verwenden….

    • Danke für Deinen Kommentar. Ich glaube, niemand hier muss auf „cool tun“. Du kannst ja mal recherchieren, was „Trigger“ bedeutet und warum eine Trigger-Warnung angebracht ist im Kontext eines Berichts über Gewalt.

      • yasmina 61

        reg dich nicht auf Susanne , es gibt immer wieder Menschen die ohne Nachzudenken irgendeinen Kommentar abgeben, Hirnlose halt

  16. Auch ich wurde physisch als auch psychisch misshandelt von meiner Mutter. Ich hasse sie nicht aber ich empfinde ihr gegenüber auch keinerlei Liebe. Die Mutter meiner Mutter soll sehr liebevoll gewesen sein ist aber leider sehr früh und jung gestorben. Mein Opa hat damals ziemlich schnell wieder geheiratet da alleinerziehend mit 5 Kindern im Alter von 2- 10 Jahren. Meine stiefoma war der teufel persönlich in Menschengestalt! Meine Mutter und eine ihrer Schwestern sind ständig geschlagen worden, sogar messer und scheren sind geflogen wovon meine Mutter die Narben heute noch trägt. Irgendwann wurden sie und 2 weitere Schwestern (damals 14,15,16) in ein Kinderheim abgeschoben wo auch nur Gewalt herrschte. Meine Tanten haben sich aufgrund ihrer eigenen Kindheit gegen Kinder entschieden,meine Mutter allerdings hat insgesamt 5 Kinder bekommen was sie wohl selbst im Nachhinein bereut,denn meine älteste Schwester würde direkt nach der Geburt zur Adoption freigegeben, 2 weitere dann zu einer Pflegefamilie einzig und allein mein jüngerer Bruder (Mamas Liebling) und ich mussten zu Hause aufwachsen. Mein Vater war unter der Woche immer auf Montage sodass er nie mitbekommen hat was schief lief denn am WE wenn er nach Hause kam war sie die vorzeigemutter schlechthin. Ich wurde regelmäßig verprügelt mit der Hand, Kochlöffel mit Bleifüllung, bambusstöckern oder elektokabeln. Auch Beschimpfungen wie ich sei eine Hure und ein Flittchen weil ich mehr mit Jungs unterwegs war als mit Mädchen, waren an der Tagesordnung. Was meine Mutter in die hand bekam bekam ich auf Rücken und Kopf. Als ich 16 war (meine Eltern waren da schon 8jahre geschieden ,ich etwas rebellisch) wollte sie mir aufgrund von 2min Verspätung eine Schallern was ihr aber nicht gelang da ich auswich. Versehentlich machte ich einen halben Schritt auf sie zu was für sie ein Angriff andeutete weshalb sie meinen Kopf mehrfach mit voller Wucht gegen einen Türrahmen schlug! Daraufhin bin ich in ein Mädchenhaus geflüchtet mit einer Platzwunde und einer mittelschweren Gehirnerschütterung. Leider konnte meine Mutter dem Jugendamt glaubhaft erklären daß ich durch meine rebellische Art und meinem aggressiven auftreten wohl in eine Schlägerei mit gleichaltrigen geraten bin. Also zurück in meine persönliche Hölle vom Jugendamt aus. Als ich 18 wurde bin ich direkt ohne zu zögern da raus und habe mit 20 meine erste Tochter bekommen, 3 Jahre später dann meine zweitgeborene. Ich selbst bin ein einziges Mal handgreiflich meiner großen gegenüber geworden was mich selbst zusammenbrechen lassen hat weil ich den Schmerz den ich verursacht habe in ihren kleinen Augen gesehen habe!!! Auch werde ich in Stress Situationen Mal laut wofür ich mich aber im Nachhinein bei meinen Töchtern entschuldige und Versuche ihnen zu erklären weshalb ich in dem Moment so reagiert habe. Ich hoffe sehr, dass sie mir später im Erwachsenenalter verzeihen und verstehen können warum ich manches Mal nicht in der Lage war eine liebe und fürsorglich mama zu sein wie sie es verdient gehabt hätten. Bis jetzt hatte ich leider nicht den Mut mir professionelle Hilfe zu suchen aber wenn ich hier lese wie viele Menschen in der gleichen Situation waren wie ich, und es dennoch geschafft haben , denke ich wäre es vielleicht an der Zeit für mich nach Hilfe zu suchen ,auch meinen Kindern zu liebe. Kontakt zu meiner Mutter gibt es nur „anstandshalber“ weil sie so nett war und mir das Leben schenkte.

  17. Hallo Susanne,

    mein Name ist Sarah. Ich werde in 8 Tagen 35 Jahre alt. Und was soll ich sagen. Ich erlebe jedes Jahr auf´s Neue (m)ein Geburtstagstrauma (mehr dazu später). In dieser Zeit schleicht sich leise von hinten ein trauriges Gefühl an. Mittlerweile, durch Therapien, Selbstreflexion etc. erkenne ich dieses Loch in das ich falle immer schneller, aber es lässt sich nicht beheben.

    Mein Mutter war ebenfalls gewalttätig. Sei es verbal oder körperlich. Sie brachte meine große Schwester in die Ehe mit meinem Papa. Ich war ein echtes Wunschkind wurde mir 1000 Mal erzählt. Aber niemand „funktionierte“ so wie es sich meine Mutter erhofft oder erwünscht hatte. Wir waren zu allem Übel auch noch totale Papa-Kinder… Papa hier, Papa da,… tja und so entglitten ihr oft die Nerven. Sie beleidigte uns und schlug zu. Meine Schwester traf es oft noch viel schlimmer als mich. Aber Gewalt ist Gewalt. Dann dachte meine Mutter sie könne noch ein drittes Kind bekommen und im Bestfall wäre es ein Junge und der würde dann nur ihr gehören, nur auf sie fixiert sein. Mein Bruder kam zur Welt als ich 5 und meine Schwester 10 Jahre alt waren. Ein ganz wundervolles Kind. Aufgeweckt, frech, und wurde zum 3. Papa-Kind.

    Die Ehe war dann 1 Monat vor dem 4. Geburtstag meines Bruders beendet. Meine Mutter hatte einen neuen Lover. Mein Vater bekam es heraus und dann war alles aus.

    Mein Papa behielt uns alles drei. Er sagte sie solle gehen und die Kinder bleiben bei ihm (auch meine Schwester!).

    Es spielte sich alles relativ schnell ein. Mein Papa organisierte eine Haushaltshilfe weil er als Kraftfahrer in Vollzeit im Schichtdienst keine Möglichkeiten sah das alles alleine zu schaffen.

    Auch er WAR gewalttätig aber ab dem Auszug meiner Mutter war damit Schluss.

    Irgendwann dachte meinte Mutter, mein Papa würde meine Schwester als Mutterersatz für mich und meinen Bruder ausnutzen und holte sie wieder zu sich aber es dauerte nicht lange da holte Papa sie wieder zu uns weil meine Mutter sie wieder nur schlug, würgte und verbal in die Knie zwang.

    Ja, aus uns dreien sind tolle Menschen geworden. Unser Papa ist mega stolz auf uns. Wir haben alle unsere Abschlüsse gemacht, etwas gelernt bzw. studiert und Kinder bekommen, aber die seelischen Narben sind da. Meine Schwester hat eine On-Off-beziehung zu meiner Mutter. Ich habe den Kontakt friedlich gelöst und für meinen Bruder ist sie wie eine entfernte Tante die man ab und zu mal sieht bzw. besucht.

    Meine Mutter war so alt wie ich es jetzt bin als sie ihren 2. Frühling erlebte und tun und lassen konnte was sie wollte. Wir besuchten sie ab und zu damals aber selbst an diesen Wochenenden war sie schnell am Limit. Dann zog sie irgendwann nach Süddeutschland und wir sahen sie nur noch in den Ferien. Und irgendwann nur noch gelegentlich. Zuletzt hatte wir vor 2 Jahren versucht einen regelmässigeren Kontakt zu pflegen, dass stürzte mich in eine Depression. Ich hatte Selbstmordgedanken, wollte mich von meinem Mann trennen und nahm die Therapie wieder auf. Ich bekam Antidepressiva verschrieben und habe mich gegen den Kontakt entschieden. Sie weiß das auch alles. Und sie entschuldigte sich auch in aller Form für alles was sie mir/uns angetan hat aber ich kann nicht mehr. Ich liebe sie aber ihre Nähe bereitet mir nur Schmerzen. Und die Narben sind so tief das ich den Kontakt abbrechen musste.

    Wir Kinder haben allesamt immer versucht, dass alles mit ihr aufzuarbeiten aber sie suchte die Schuld bei unserem Papa oder sonstigem.

    Nun zu meinem Trauma. meine Mutter ist ein sehr kreativer Mensch. Sie hat damals auch immer die Parties organisiert sei es zum Geburtstag, Silvester, Weihnachten, Einschulung etc.

    Meine Eltern trennten sich 12/1994 und im August habe ich Geburtstag. Und was soll ich sagen. Es kam niemand. Es rief auch niemand an. Und selbst von den Kinder die ich einlud kam nur 1 einziges. Meine Mutter kam auch nicht. Und das brach mir das Herz. Mit 8 Jahren war mein Herz gebrochen und hat sich von diesem Schock nie wieder erholt. Ich war auf einmal kein unbeschwertes Kind mehr. Ich weinte fortan nur noch heimlich und fraß alles in mich hinein. Ich wollte Papa´s kleiner Sonnenschein bleiben. Meine Schwester hatte mit 16 ihre 1. eigene Wohnung und ich machte mich selbst zur Ersatzmutter meines Bruders und funktionierte nur noch. Ich nahm ihn unter meine Fittiche. Wo ich war, war er. Ich brachte ihm schwimmen und Fahrrad fahren bei, tröstete ihn wenn er Liebeskummer hatte und pushte ihn in der Schule.
    Er war mein erstes Kind.

    Nun bin ich selbst Mutter eines 5 jähriges Mädchens. Und ich liebe sie wie ich es noch nie bei jemandem zuvor erlebt habe. Ich habe in ihr meinen Meister gefunden. Sie treibt mich an den Rand des Wahnsinns und ich lerne immer wieder etwas über mich dazu :-). Ich erkläre ihr die ganze Welt und lasse sie alle Gefühle die bei ihr so aufkommen durchleben und sage ihr stets wie sehr ich sie liebe und vor allem für ihr Kindsein.

    Ich danke dir für diesen Artikel und allen die ihn kommentiert haben und wünsche euch allen alles Gute von Herzen.

  18. Hallo,

    Auch meine Kinderheit war geprägt durch psychische und psychische Gewalt. Ich leide dadurch unter Angstzuständen und Zwangsstörungen. Der Satz “ aus dir ist doch was geworden“ und “ das war halt damals so“ muss ich mir mit Mitte 40 noch anhören. Bei mir war ein es allerdings nicht meine Eltern die Schlugen, sondern meine Großmutter. Nun bin ich Mutter von 2 Jungs und ich erziehe sie mit viel Liebe, Respekt und Geduld und mit ein klein wenig Erpressung. Sber such mir viel es verdammt schwer nicht in das gleiche Muster zu fallen. Ich hatte oft Angst und Zweifel eine schlechte Mutter zu sein. Heute kann ich mit stolz sagen, ich hab es geschafft. Dank der Unterstützung meines Mannes haben wir 2 glückliche und wunderbare Pupertiere. Meine Kindheit war durch Angst geprägt. Die meiner Kinder durch Liebe und Geborgenheit. Die Frage ist doch: zerstört die Vergangenheit deine Zukunft oder zeigst du der Vergangenheit den Mittelfinger und gehst deinen eigenen unabhängigen, eigenen Weg.

  19. Hallo,

    auch ich erkenne meine Kindheit in dem Beitrag und den Kommentaren wieder. Es ist erschreckend, wie sehr körperliche Gewalt an Kindern, immer noch verharmlost wird. Jeder sechste findet eine Ohrfeige angemessen und viele Menschen sagen, es hätte ihnen nicht geschadet. Das muss aufhören! Lehrer sollten in die Richtung mehr geschult und auffällige Verhaltensweisen von Kindern ernst genommen und überprüft werden.

    Auch meine Schwester und ich wurden psychisch und physisch von unserer Mutter misshandelt, die bis heute alles abstreitet, da die Nachbarskinder ja noch mehr bekommen haben. Angefangen mit Ohrfeigen, Hintern versohlen und Beschimpfungen steigerte sich das Ganze bis hin zu Treten, Boxen, Haare ziehen und zwingen an ihr vorbei zu gehen, obwohl wir schriehen und flehten, da wir wussten, dass sie beim Vorbegehen zu schlägt. Es war Psychoterror. Uns wurde sogar ins Gesicht gespuckt. Es folgten ständige Abwertungen, Erniedrigungen und uns wurde von klein an eingeprägt, dass alles unsere Schuld ist. Wir unsere Mutter dazu trieben, da wir schon als Drecksblagen auf die Welt kamen, die ihr Leben zerstörten. Aus uns würde auch nie etwas werden… Nun, meine Schwester und ich sind sehr gebrochene Menschen, trotz Therapie, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstreflexion, Hypnose und Meditation, sind wir voller Selbstzweifel, Schuldgefühlen, Selbstmitleid, Wut umd sogar Selbsthass. Wir haben beide große Probleme zu Vertrauen und Freundschaften zu schließen, hatten beide nie gesunde Beziehungen und sind trotz vieler Talente arbeitslos. Ich denke, wir haben zu viel Angst vor Abwertung und Versagen. Daher verstecken wir uns lieber.

    Meine Schwester hat es geschafft sich von meiner Mutter zu lösen, da sie ihre Tochter schützen will. Ich lebe nun aufgrund von Corona wieder mit ihr zusammen. Mittlerweile bin ich 31 Jahre alt und merke wie ich mich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, wieder zurück entwickele, mich komplett von der Außenwelt zurück ziehe und noch mehr als zuvor an mir zweifle.

    Meine Mutter weist schwere narzisstische Züge auf. Sie ist Meister der Abwertung, Manipulation. Am Schlimmsten sind allerdings die Lügen und Verleumdung. Sie hat es geschafft die Beziehung zwischen mir und meiner Schwester endgültig zu zerstören indem sie ganz ganz böse Lügen über mich erzählt, die meine Schwester leider glaubt.

    Der Psychoterror geht weiter und wird kein Ende nehmen bis hier weg bin. Sie läuft mir hinterher und sagt mir was ich für ein schlechter Mensch sei, versucht Tatsachen zu verdrehen und meine Gedanken und Erinnerungen zu manipulieren. Ich schwanke gefühlsmäßig zwischen Hass, Mitleid und Ekel.

    Ich war immer schon ein hochsensibles Kind, sehr weinerlich und habe mit niemandem gesprochen. Ich habe mich schon immer fehl am Platz in diesem lauten und aggressiven Umfeld gefühlt. Ich habe mich immer zurück gezogen und alles in mich hinein gefressen. Heute ist die Bombe geplatzt. Sie hat mich wieder psychisch terrorisiert und ist mir ständig hinterher gelaufen. Hat mir Lügen an den Kopf geworfen, gesagt ich sei eine Ratte und war schon immer aggressiv. Ich habe bis zum heutigen Tag nie einen Mensch körperlich angegriffen und war eher stilles Mäuschen, die für alle Verständnis hat. Heute allerdings habe ich auf meine 56 jährige Mutter mit Bandscheibenvorfall eingeschlagen nachdem ich sie anflehte noch in Ruhe zu lassen. Ich bin erschrocken über mich. Ich weiß, dass es nicht richtig war, aber ich habe mich noch nie so stark gefühlt wie heute. Ich überlege mich selber anzuzeigen.

    • Liebe Mandy,
      ich würde dir dringend empfehlen – auch wenn du bereits einmal psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen hast – das noch einmal zu tun. Die Coronazeit ist sehr anstrengend und stellt viele Menschen vor große Herausforderungen, wobei es bei Dir noch einmal ganz besonders schwierige Umstände sind. Wende dich bitte mit der aktuellen Situation an das kostenfreie Hilfetelefon für Frauen: 08000 116 016

  20. Klaus-Rüdiger Gorges

    Liebe Susanne, ich fühle mit dir. Du hast es nicht einfach gehabt , unter solch einer Mutter aufzuwachsen. Vielen lieben Dank für deinen Beitrag hier im Internet.
    Auch ich erkenne mich in deinen Schilderungen wieder. Ich habe ebenso wie du sehr unter meiner Mutter gelitten. Zudem kam ich mit einer kleinen sichtbaren Behinderung auf die Welt – und wurde die ganze Kindheit und Jugend hindurch – immer mal wieder in unregelmässigen Abständen schikaniert und sehr stark seelisch verletzt. Als wenn ich etwas für meine Behinderung könnte.
    Eine Therapie machte mir dann klar, dass meine Mutter narzisstische Persönlichkeitszüge aufweist.
    Ausserdem – da mag man nun drüber lächeln oder auch nicht – habe ich Engelkontakte.
    Dort wurde mir mtgeteilt, dass meine Grossmutter, also die Mutter meiner Mutter, mich bereits abgelehnt hatte. Man kann durchaus sagen, dass es sich hier um eine Besessenheit handelt. Der Dämon in meiner Mutter hat mich immer verfolgt, um mich auszulöschen.
    Hat aber nicht gekliertappt – denn sonst wäre ich ja nicht mehr da.
    Seit mehr als 20 Jahren habe ich meine grosse Liebe an meiner Seite – Kinder haben wir keine.
    Meine liebe Frau wird auch nicht akzeptiert – genau wie ich.
    Mittlerweile lebt meine Mutter in einem Seniorenheim. Kontakt habe ich zu ihr keinen mehr.
    Und mir geht es dabei richtig gut.

  21. Ich bin in den 60ern geboren und habe als Kind von meiner Mutter bei Fehlverhalten jedesmal tüchtig den nackten Hintern versohlt bekommen. Nicht nur mit der Hand, da gab es Gegenstände wie Teppichklopfer und Hosengürtel. Nach einer Tracht Prügel auf den nackten Hintern konnte ich oft ein paar Tage kaum sitzen!
    Als meine Mutter noch lebte habe ich immer wieder versucht mit ihr darüber zu reden, leider ohne Erfolg. Sie meinte nur, ich hätte die Schläge verdient gehabt und gebraucht….

  22. Hallo Susanne,

    vielen Dank für diesen schönen Artikel. Das Thema verliert nicht an Aktualität.

    Ich bin 36, habe zwei wunderbare Jungs im Alter von 4 und 1,5 Jahren und stehe sehr oft unter Strom. Manchmal schäume ich vor Wut, verliere jedoch nie die Geduld. Ich werde zwar laut, sodass eine authentische Reaktion erkennbar für die Kinder ist, aber sie wissen nicht was mich das an Kraft kostet.

    Und sie sollen es auch nicht wissen. Ich werde ihnen irgendwann sagen, dass ihre Oma schon sehr lange tot ist. Eine Lüge mit der ich leben kann und vor deren Enttarnung ich keine Scheu habe. Denn diese Person dürfte in der Nähe meiner Kinder nicht einmal atmen, geschweigedenn ihre Stimme zum Wort erheben.

    Zu dieser Person habe ich nun seit 15 Jahren null Kontakt mehr. Wir gingen eher ruhig, fast schon sachlich auseinander.
    Ich habe erst mit den Jahren begriffen was sie mir wirklich angetan hat. Es gab immer nur sie und mich. Umzüge fast jährlich, quer durch die Republik. Schulwechsel, keine Freunde, keine Geburtstage. Stattdessen Spitznamen, Missgunst, Demütigung, Manipulation, Misstrauen, Neid, Alkohol, sehr viele verschiedene Männer im Haushalt. Auch sie verließen das Haus, wenn meine Mutter wieder zuschlug. Mit Ankündigung, mittags, dass es eben nach dem Abendessen eine Tracht Prügel gibt.

    Ich war nie genug. Zu fett, zu laut, zu wild, zu viele Zweier im Zeugnis. Sie war meine erste große Liebe und sie brach mir das Herz. Dabei hatte ich im Kampf um ihre Liebe fast alles hergegeben was ich zu geben hatte.
    Kontakt zum Vater gab es 1 Woche vor seinem Suizid, als ich gerade 13 war. Als ich meine Ausweglosigkeit erkannte, brach zwischen mir und ihr der Krieg aus. Wir schenkten uns nichts, fielen uns aber bis zum Auszug mit 18 immer wieder innig in die Arme.

    Die Wut brennt in mir, sie ist seit Jahren ein starker Antrieb, obwohl sie mir viel verbaut. Ich bin müde von der Wut, klammerte mich aber daran, weil die Wut nur die Spitze des Eisbergs ist. Wenn die Wut weg ist, bleibt vielleicht nur noch Schmerz, Trauer und Ohnmacht.

    Akzeptanz, Respekt, Mitgefühl, Geduld und Nachsicht gibt es oft nur für die Kinder, sonst für niemanden. Stille und Einsamkeit sind meine Sehnsucht. Meinen Mann liebe ich sehr und schubse ihn doch oft von mir weg. Panikattacken und Teddy im Bett. Zerrissen und auf der Suche nach Ruhe und ein bisschen Glück.

    Dafür hasse ich meine Mutter abgrundtief. Ihr Vergeben? Niemals! Sie war/ist ein maligner Narzist und hat sich selbst entschieden zum Täter zu werden. Diese Verantwortung werde ich ihr nicht abnehmen. Sie soll brennen, wie die böse Hexe im Märchen. Und wenn es so weit ist, hätte ich gern einen Platz in der ersten Reihe!

    Was mich davon abhält? Die Liebe zu meinen Kindern und meinem Mann. Ein Blick in ihre Gesichter lässt fast alles vergessen. Allein die Vorstellung, dass sie mich jemals mit Angst in den Augen ansehen könnten, zeigt mir den Weg. Es ist der Weg mit den vielen Steinen und Schlaglöchern, mit vielleicht zu viel Gummibärchen und manchmal auch Inkonsequenz. Aber es ist unserer Weg.

  23. Ich habe das auch so ähnlich erlebt mit 5 Geschwistern.Die durften mich verprügeln und die Frau die mich geboren hat,zu meinen Geschwistern hat sie nie gesagt hört auf,nein sie hat gesagt macht weiter.
    Ich musste so viel einstecken meine Mutter hatte mich mit der Schrubber Stange verprügelt,oder mit den Holzhandfeger und noch viel mehr an Gegenstände.
    Ich hasse diese Frau die mich Geboren hat.
    das sie mir das angetan hat und ich werde nicht aufhören sie zu hassen.
    Ich habe heute kein schönes Leben.

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