Wofür ich Dich hasse, Mutter

[Triggerwarnung: Gewalt gegen Kinder]

Heute möchte ich mit Euch diesen Bericht einer Mutter teilen, die als Kind geschlagen wurde und irgendwann begann, ihre Mutter für viele Dinge zu hassen. Auf dass wir alle an einer besseren Zukunft arbeiten:

Es fällt mir nicht leicht über das zu schreiben, was ich schreiben möchte. Schließlich ist die Liebe zu den Eltern in unserer Kultur etwas unabdingbares. „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ Es ist mehr als ein christlicher Spruch, der uns ermahnt. Es ist eine Aussage unser Kultur. Wie oft habe ich schon ein „Aber ich bin Deine Mutter!“ gehört, das genau darauf zurück zu führen ist: Ich habe Dich geboren und Du musst Dich mir unterordnen – oder zumindest nicht widersprechen.

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Auch ich hatte eine solche Mutter. Eine, die von mir bedingungslose Liebe erwartete – sie aber mir selber nicht gab. Nicht bedingungslos. Spätestens seit meiner Teenagerzeit war meine Liebe jedoch nicht mehr das, was sie sich vorstellte. Sie verkehrte sich mehr und mehr in das Gegenteil von dem, was sie erwartete. Ich fing an meine Mutter zu hassen.

Die Angst und Hilflosigkeit eines Kindes

Vielleicht hatte ich ja eine Kindheit, wie sie gar nicht so ungewöhnlich war damals: Ich hatte zwei verheiratete Eltern, meine Mutter, die sich hauptsächlich um mich kümmerte. Sie war da, wenn ich aus der Schule kam, sie kochte und wusch und ging mit mir auf den Spielplatz. Wenn ich aber gegen ihre Wünsche und Vorstellungen verstieß, schlug sie zu. Ich erinnere mich gut daran, wie oft ich als Kind geschlagen wurde. Mit der Hand, auch mit Gegenständen. Ich erinnere mich wie ich immer versuchte wegzurennen, aber es gab kein Entrinnen in unserer kleinen Wohnung. Sie fing mich ein und schlug zu. Ich schrie und weinte. Als ich größer wurde, fragte ich mich, warum nie einer der Nachbarn etwas tat, nie meine Schreie beantwortet wurden. Manchmal wurden sie von einem „Ich geb Dir gleich einen Grund zu schreien!“ von meiner Mutter beantwortet. Ich fragte mich auch, warum mein Vater nie eingriff sondern es so hin nahm. Oder meine Großeltern, meine Tanten und Onkel. Niemand tat etwas. Ich wuchs auf mit dem Gedanken, dass es eben so sei und mir niemand helfen würde. In der Schule war ich auffällig, aber nicht so sehr, dass ich wirklich auffiel.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit

Als ich schwanger wurde begann ich, mich mit meiner eigenen Kindheit auseinander zu setzen. Damit, was ich für mein Kind nie wünschen würde. Es war so vieles, was auf dieser langen Liste stand. So vieles, das mit meinen Eltern zu tun hatte. Ich realisierte: Ich hatte keine schöne Kindheit. Ich war selber etwas erschrocken über diese Erkenntnis. Und nein, ich liebte meine Eltern nicht. Auch wenn sie mich geboren hatten, auch wenn sie mich nicht verhungern ließen und mich zur Schule schickten. Ich liebte sie einfach nicht. Die Liebe ging irgendwann verloren als ich merkte, dass ich nicht mehr auf sie zum Überleben angewiesen war. Als ich auszog, zog ich auch emotional aus.

Es hat Dir ja nicht geschadet – Doch.

Ich realisierte irgendwann, dass ich meine Mutter hasste. Nicht nur für das, was sie mir angetan hatte. Vielleicht war sie überfordert, vielleicht hatte sie es selbst nicht anders erfahren. Ich hasste sie dafür, dass sie keine Einsicht zeigte: „Aber was hast Du denn? Ist aus Dir nichts geworden? Es geht Dir doch gut!“ Antwortete sie auf meine Nachfragen. Ich hatte einen guten Job, war verheiratet, hatte Freunde und erwartete ein Kind. Sie verstand nicht, dass es mir sehr wohl geschadet hatte. Dass es mir Vertrauen genommen hatte, Selbstwert, Glauben an bedingungslose Liebe. Sie hatte mir persönlich sehr schwer geschadet und mit ihr all die, die nie eingeschritten sind.

Es fällt so schwer es anders zu machen

Doch besonders hasste ich sie für eines: Dass ich als Mutter anders sein wollte und es manchmal so schwer war. Ich wollte mein Kind auf keinen Fall schlagen, es nicht anschreien, ihm keine Angst machen. Ich wünschte mir so sehr ganz anders zu sein. Ich las viele Bücher, machte eine Therapie und brach den Kontakt zu meinen Eltern ab. Und doch sind sie an manchen Tagen da, die Sätze meiner Kindheit. Sie sind in meinem Kopf, wollen sich den Weg über meine Lippen bahnen. Sätze in Situationen, in denen ich überfordert bin. Ich hatte nie ein gutes Vorbild als Mutter. Situationen, in denen ich mich zurück halten muss, um nicht grob zu meinem Kind zu sein. Ich habe mein Kind nie geschlagen und werde es hoffentlich nicht tun. Aber der Gedanke daran ist manchmal da. Ich hasse meine Mutter für diese Gedanken, für diese allgegenwärtigen Sätze, von denen ich weiß, wie sehr sie meinem Kind in der Seele weh tun würden. Ich hasse sie dafür, dass es mir an manchen Tagen so schwer fällt so zu sein, wie ich eigentlich sein möchte.

Es anders zu machen lohnt sich

Warum ich dies alles aufschreibe? Weil ein „Es hat Dir doch nicht geschadet“ eben nicht stimmt. Weil Schläge Narben hinterlassen. Manchmal ist es gar nicht so offensichtlich, wie tief diese Narben sind. Manchmal schützen sich auch die Menschen selbst und behaupten von sich, es hätte ihnen nicht geschadet. Vielleicht weil die Erkenntnis, die ich selbst gemacht habe, so schmerzhaft ist. Es erfordert Kraft, sich einzugestehen, dass es ziemlich schlimm war, was man erlebt hat. Und dass man von den Menschen, die einen schützen sollten, nicht geschützt wurde. Noch mehr Kraft erfordert es, es anders zu machen. Aber es lohnt sich. Jedes Kinderlachen, jeder Blick meines Kindes sagt mir, dass es die Anstrengung wert ist.

 

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19 Kommentare

  1. Ein mutiger Artikel.
    Selbstverständlich schadet Gewalt Kindern. Und wer sie erfuhr, der sollte sie nicht weitergeben. So stoppt man diese furchtbare , unreflektierte „Tradition“.

    In diesem Bericht aber zeigt sich noch etwas anderes Perfides: Der Sadismus der Mutter. Der Hinweis auf eine gestörte Persönlichkeit. Und ich verstehe, dass die Autorin Hass empfindet, denn dieser hilft, sich abzugrenzen.

    • Susi Sorglos

      „Sadismus“ ist ein starkes Wort, ein zu starkes. Wer Gewalt erlebt hat, für den ist es eben schwer in Überforderungs- und Stressituationen nicht in erlebte Verhaltensmuster zurückzufallen, das gilt für die Mutter und ebenso für die Tochter. Ich denke, mit echtem Sadismus hat das nichts zu tun.

  2. Nora_mit_Nathanael

    Wird sich erst noch zeigen, ob eine gewaltfreie Erziehung besser ist als eine mit Gewalt?! Ach herrje…

    • Susi Sorglos

      daran besteht ja wohl kein Zweifel, dass eine gewaltfreie Erziehung besser ist. Gezeigt hat sich wozu gewaltvolle Erziehung fürht ja schon lange genug, siehe nur A.Hitler.

  3. Kinder groß zu ziehen ist eine Herausforderung an sich selbst, wie man erziehen und selbst sein möchte und wie man dies verwirklicht. Ich habe alle Achtung vor dir, dass du so bewusst mit deiner eigenen Kindheit, deinen eigenen Erfahrungen umgehst und wie du die Erziehung deiner Kinder anders machen möchtest als du sie selbst erlebt hast. Es kostet Kraft. Aber weid du auch selbst schreibst: Das glückliche, unbeschwerte Lachen der Kinder wiegt so viel an Mühe, Qual und Selbstbeherrschung auf, dass es sich einfach lohnt die eigenen Vorstellungen umzusetzen – egal wie viel Kraft es kostet.

    Ich wünsche dir alles Gute und weiterhin viel Kraft auf deinem Weg. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich lohnt. Wenn man dann zurück schaut und feststellt, was man alles erreicht hat und welche Menschen aus den eigenen Kindern geworden sind, dann weiß man, dass es den Aufwand, den Kampf gegen sich selbst und die vielen Selbstzweifel wert war. Keep going!

  4. Crazyladyms

    Vielen Dank für diesen Text!!!! Er zeigt – genau wie die Kommentare – dass es viele Frauen gibt, die keine gewaltfreie Kindheit hatten (physisch wie auch psychisch) und ähnlichen Gedanken und Gefühlen ausgesetzt sind!!!!!
    Das tut so gut zu lesen, nicht allein zu sein. Ich kann mich zwar mir meiner Schwester zu diesem Thema austauschen, aber nicht über die Ängste, die ich während meiner 1. Schwangerschaft hatte. Angst, so zu sein wie meine Mutter!
    Gott sei dank war ich bisher stärker als sie und habe mein Kind nie geschlagen oder verbal gedemütigt!
    Und ich bin auch froh, dass ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter habe, auch wenn sie mir leid tut, weil ich glaube, dass sie ein ein anderer Mensch wäre, wenn sie psychologisch behandelt werden würde.

  5. Danke für die ehrlichen Worte. Ich habe leider auch so ne schreckliche Kindheit hinter mir. Mein Vater war sehr jähzornig. Abends und am Wochenende war er oft betrunken. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, hat er willkürlich geschlagen und geschrien. Ich konnte es ihm nie recht machen. Meine Mutter erzählt mir heute noch, sie hätte mich zu viel geliebt. Sie hat zugesehen, wie mein Vater mich behandelt hat und mir die Schuld gegeben. So lange ich denken kann, habe ich schreckliche wutanfälle. Sie kamen plötzlich über mich, wenn ich Angst bekomme. Deshalb wollte ich nie Kinder haben. Ich hatte Angst, so zu sein wie meine Eltern. Die haben immer gesagt, meine wutanfälle seien der Grund, warum ihre Ehe leidet und ich würde alles kaputt machen. Ich habe es geglaubt. Erst mit 30 Jahren hörte ich davon, dass man sowas therapieren kann und Verstand, dass ich ein Opfer war. Ich machte 5 Jahre lang Traimatherapie. In der Zeit schlug ich einiges kaputt und ging auf meinen Mann los. Allmählich wurde es weniger und in mir wuchs der Wunsch, Kinder zu bekommen. Inzwischen habe ich 2. Leider ticke ich immernoch ab und zu aus und habe auch schon im Affekt geschlagen. Aber in mir gibt es eine bremse, die dann angeht. Ich sehe das kleine unschuldige Wesen und bin entsetzt über mich. Ich wäre gerne eine bessere Mutter. Ich liebe meine Kinder und rede mit Ihnen über meine Fehler. Ich entschuldige mich und sage ihnen, dass es nicht zu entschuldigen ist. Ich gebe Ihnen alle Liebe, die ich habe und lobe sie so gut ich kann. Die Bilanz soll am Ende wenigstens gut sein und ich sage den Mäusen, dass sie unschuldig sind. Ich gehe auf ihre Gefühle ein und ertrage ihre Wut, wenn ich ungerecht war. War es falsch, Kinder zu bekommen? Darf eine Person wie ich das? Ich kann es nicht beantworten. Aber ich sehe erste Früchte meiner Arbeit. Meine große Tochter ist sehr selbstbewusst und fröhlich. Mein Sohn ist noch zu klein, ich weiß es noch nicht. Aber ich habe Hoffnung, daß es auch bei ihm klappt. Ich habe mir vorgenommen, dass ich nicht bereuen will, Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Auch wenn es viele Menschen gibt, die sagen, dass ich die falsche dafür bin. Ich denke das auch oft. Aber jetzt sind sie da und ich gebe Ihnen, was ich kann.

    • Susi Sorglos

      Wenn deine Mutter zugesehen hat, wie dein Vater dich geschlagen hat und dir auch noch die Schuld daran gegeben hat, wie kann sie dann allen Ernstes behaupten, sie hätte dich zu sehr geliebt? Zusehen wie ein Kind geschlagen und gequält wird ohne einzugreifen empfinde ich als schlimmer als das eigene Zuschlagen, denn das geschieht oftmals im Affekt, aber wer stillschweigend und ruhigen Blutes zusehen kann wie das eigene Kind geschlagen wird, ist für mich schlimmer als selbst zu schlagen.

  6. Susi Sorglos

    Sehr gut geschrieben. Mutig? Nee, nur ehrlich. Weiß nicht warum manche mutig schreiben. Nur weil sie die Wahrheit erkannt hat? Aber das soll den Text keinesfalls mies machen. Nein, im Gegenteil, ich finde ihn sehr gut und ich habe meinen Eltern gegenüber im Grunde ähnlich empfunden. Ich habe auch einen kleinen Teil meiner Erziehung weitergegeben, leider. Natürlich muss man auch Verständnis haben, dafür warum sie so geworden sind, die eigenen Eltern, so wie die Autorin sich sicher Verständnis von ihrem Kind dafür erhofft, wenn diese schlimmen Sätze in Stresssituationen aus ihr herausbrechen. Aber Liebe kann man eben nicht erzwingen. Wir können nur das alles verbalisieren, mit unseren Kindern reden, damit sie es besser machen und wenn es nur ein Stückchen besser ist.

  7. Susi Sorglos

    Und wozu braucht das christliche Abendland wohl ein Gebot, dass da heisst: „Du sollst deine Eltern lieben.“? Eben weil es, bedingt durch traditionelle Erziehungsmethoden eben NICHT selbstverständlich ist, seine Eltern zu lieben.

  8. Ich habe gerade deinen Artikel gelesen. Es ist mutig, dass niederzuschreiben und hart.
    Ich bin 18. und habe auch sowas miterlebt.
    Ich kenne meinen Vater nicht, deshalb gab es nie ein entkommen für mich. Als Kind hatte ich keine Freunde, den ich hätte was sagen können. Als ich in der 5. dann doch welche fand, fehlte mir der Mut. Inzwischen habe ich mich anvertraut und gehe bald zur Therapie.
    Meine Mutter hat mich psychisch sowie physisch geschlagen. Ich konnte bis ich fünf war, nicht sprechen. Die Ärzte haben nie einen Grund gefunden. Ich glaube, ich kenne ihn. Das eine Mutter mit einem Stuhl nach ihrem Kind wirft, muss sich ja irgendwie auswirken. Auch mein Verhalten hat „Schaden“ davon genommen. Manchmal bin ich ganz agressiv, schlage um mich und schrei. Manchmal bin ich voller Angst, bekomme eine meiner sogenannten Panikattacken, weine für Stunden wie wild, schreie ebenfalls und sperre mich irgendwo ein. Auch in der Schule ist sowas vorgekommen. Aber scheinbar nicht oft oder extrem genug, dass ein Lehrer sich gefragt hat, wo das herkommt. Nur einmal wurde ich mal drauf angesprochen. Wurde gefragt, warum ich denn keine Therapie mache.
    Eine ganze Weile habe ich meine Mutter gemocht und versucht, so gut wie möglich zu sein. Es hat nicht geklappt. Komplett verzweifelt bekam ich Suizidgedanken und der Hass entwickelte sich. Ab und an auf sie, manchmal auf mich. Das war in der Grundschule. Jetzt ist es Hass und Ekel den ich für sie empfinde. Ich finde es eklig, in der selben Wohnung wie sie zu wohnen. Ich finde es eklig, das selbe Bad wie sie zu nutzen. Ich finde es eklig, wenn ich sie angucken, weil sie mit mir redet. Ich hasse sie. Ich hasse sie und finde sie so eklig.
    Wegen ihr habe ich diese Phasen von Selbsthass. Weil ich denke, ich bin schlecht. Sogar selbstverletzen tu ich mich. Und schon in der Grundschule hat es angefangen. Zuerst habe ich mich zwischen Türen eingeklemmt, mich gegen die Wand geschlagen, dann hab ich mich gebissen und gekratzt und heutzutage mach ich alles und nehme auch Gegendstände.
    Und ich weiß, bloß wegen meiner Mutter habe ich so ein verschrobenes Selbstbild.
    Ich habe einen kleinen Bruder (*2009). Er wird mir immer ähnlicher. Vom Aussehen her und vom Verhalten. Auch diese schlechten Seiten sind bei ihm langsam sichtbar. Das er nicht gut mit Wut umgehen kann. Ab und an agressiv wird. Etwas, was wir beide scheinbar von unserer Mutter ‚anerzogen‘ gekommen haben. Etwas, was sie bestraft, obwohl sie das mit Bestrafung nur schlimmer macht. Ich bin froh, dass ich so viel älter bin, als mein Bruder. Wir stehen uns nah. Und sollte es jemals dazu kommen, dass meine Mutter ihn so behandelt, wie mich (zur Zeit mag er sie noch), kann ich ihn retten. Meine Schwester, die kaum Ähnlichkeit hat mit mir, musste nie mehr als eine Ohrfeige wegstecken. Darüber bin ich froh. Gleichzeitig wütend. Denn es ist schon deprimierend, wenn man weiß, die Mutter hat es auf einen abgesehen.
    Diesen Sommer aber werde ich ausziehen. Zum Glück.
    Ich hab mir auch schon Gedanken gemacht, was ist, wenn ich Kinder bekomme und mich dann genauso Verhalte?
    Aber der Text und die Kommentare haben mir eine Antwort gegeben.
    Ich wünsche allen, die das durchmachen müssen/mussten, alles Gute.

  9. Es tut wirklich gut zu lesen, damit nicht alleine zu sein. Danke für Dein offenes Posting.
    Bei mir haben beide Eltern zugeschlagen, psychische Verletzungen gab es auch häufiger, insbesondere in der Pubertät (als nicht mehr geschlagen wurde).
    Nach meinem Suizidversuch mit 15 wurden meine Eltern zugänglicher …
    Trotzdem ist dadurch sehr viel in mir kaputt gegangen: Selbstzweifel, Ängste, Depressionen … und die Frage, was wohl für ein Mensch aus mir geworden wäre, wenn ich mich manches einfach getraut hätte, wozu mir damals das Selbstbewusstsein fehlte.
    Ich habe mich leider viel zu oft von meinen Eltern dominieren lassen, auch was einige Entscheidungen anbelangt, z.B. Berufswahl. Sie hingegen meinen, ich hätte alle Freiheiten gehabt … und auch eine glückliche Kindheit.
    Ich kann erst jetzt – mit 35 und durch Therapie – zulassen, dass ich meine Eltern ebenfalls nicht besonders mag und viel, viel mehr Abstand brauche.
    Ich überlege zurzeit, ob ich selber Kinder bekommen möchte und finde keine Antwort, außer, dass ich große Angst davor habe, weil es mich vielleicht überfordern könnte.
    Zwar sehe ich auch, dass meine Eltern sich damals auch bemüht haben (wir hatten viel Spielzeug usw.) und dass sie selbst eine schlechte Kindheit hatten, aber ich kann es ihnen nicht verzeihen, dass sie das einfach an mich weitergegeben haben – und an meine Schwester, die sich gerade aus ihrer Alkoholsucht kämpft.

    Am liebsten würde ich das alles vergessen und noch einmal ganz von vorne anfangen.

    • Liebe Steffi,
      das ist wirklich sehr bewegend, was Du schreibst. Und ich habe schon viele Nachrichten zu diesem Artikel bekommen und auch von anderen Menschen, die wie Du überlegen, ob sie aufgrund der eigenen traumatischen Kindheit überhaupt eigene Kinder haben wollen. Was ich Dir empfehlen kann, ist eine Traumatherapie, in der das Trauma der Kindheit aufgearbeitet wird. In dieser Therapieform gibt es spezielle Methoden, um mit Deinem eigenen Inneren Kind zu arbeiten. Du wirst die Erfahrungen nicht vergessen, aber kannst Möglichkeiten erlernen, damit umzugehen und Dich jetzt um Dein Inneres Kind liebevoll zu kümmern.

  10. Sabine

    Hallo Susanne
    Wenn ich das lese . Sehe ich mich, meine Kindheit + psychische missbrauch. Du hast so recht , es kostet so viel Kraft und Zeit sich mit schlimmer Vergangenheit auseinander zu setzen. Meine Narzisstische Mutter …..Ich glaube nicht dass sie selber als Kind geschlagen würde. Meine Oma war eigentlich eine ganz Liebe. Warum meine Mutter so war ?? Ich weis es nicht . das habe ich nie raus bekommen.
    Ich bin jetzt selber mutter . Mein Sohn ist 13 und würde nie geschlagen. Ich war sicher öfter laut , aber nie beleidigend ihm gegenüber.
    Es gibt Momente , wo ich mich selbst bemitleide , weil ich keine Kindheit hatte .
    Aber ich bin stolz auf mich . Es hat viel kraft gekostet und es gibt diese Zeit . So bin ich auch auf diese Seite gestoßen. Mit meine Mutter habe ich Kontakt ( weil es sich so gehört…wie auch immer) . Ich sehe sie alle 4 Wochen für eine Stunde. Pflichtprogramm. na ja …
    Ich wollte nur was Fragen.
    Dein Beruf ist sehr interessant. Habe ich das richtig verstanden , dass keine Kontakt zu deinen Eltern besteht? Ich hoffe meine Fragen sind nicht zu Persönlich. Aber wie hast du den Kontakt abgebrochen?
    Hast du es erklärt? und warst dann weg ??
    Ich Persönlich bin immer froh wenn dass treffen vorbei ist. Aber mit Narzissten lohn es sich nicht rational zu diskutieren. Ich werde auch den kommenden Muttertag einfach so übergehen . Ich kann nicht so tun als währe alles ok .
    LG Sabine
    Ps. Gewalt ist schlimm und dann noch an Kinder die sich nicht währen können ist mit nichts zu entschuldigen.

  11. Dieser Bericht geht mir nah. Ich selbst wurde zwar nie „geschlagen“ (wie andere) aber ich habe trotzdem arg daran zu knapsen. Meine Mutter gab uns, als wir kleiner waren, oft aus der Not und in ihrer Überforderung heraus einen Mors voll. Mein Vater brüllte, wenn ihm die Hand „ausrutschte“ tat es auch doller weh. Nach der Scheidung meiner Eltern hat meine Mutter sich bei uns Entschuldigt für die Morsvoll und uns nie wieder gehauen. Mein Vater hat uns immer schon auf den Kopf „geklapst“ (es sind doch nur Klapse). Auch jetzt noch, ich bin 32, macht er das bei mir. Ich habe ihm mehr als einmal deutlich zu verstehen gegeben, dass es demütigend ist und weh tut, er lacht, er weiss keine Argumente- wohl aus seiner eigenen unliebevollen Kindheit heraus.
    Vor zwei Wochen bin ich ausgerastet und (ich bin ihm im Jähzorn ähnlich) Schläge angedroht. Warum? Er hat meine Tochter auf den Kopf gehauen („es war doch nur einKlaps“). Weil sie kein ‚high5‘ geben wollte. Weil sie seine Hand nett weg geschoben, nein gesagt hat und gehen wollte. Sie ist 19 Monate alt und hat nie einen Klaps bekommen. Und obwohl ich schon immer früh meinen Vater vorgewarnt hatte (angeblich stört es die Stieftochter nicht, dass ihr Sohn -also sein Enkel- von ihm auch gehauen wird) hat er meine Tochter geklapst. Klaps ist Hauen, Hauen ist Schlagen.
    Mein Vater sieht es nicht ein, er hat mir mal gesagt, seine Kinder wären sein Eigentum und darum dürfe er machen was er will, jegliche vernünftige Argumentation wird abgeschmettert. Ich wurde als Psycho beschimpft, zum Schluss angebrüllt, ich sei nicht mehr seine Tochter.
    Ich wollte, dass meine Tochter liebevolle Grosseltern bekommt, wird sie auch, aber ohne meinen Vater als Opa dazu. Das kann ich ihm nicht verzeihen und wenn ich sehe, was ich hier niederschreibe, lässt mich wissen, dass ich das immer noch nicht verarbeiten kann. Und es tut mir so weh, dass ich mein Kind nicht beschützen konnte, obwohl ich nur einen halben Meter daneben stand…

    Es ist traurig, dass soviele Leute sagen „hat mir nicht geschadet“. Es bedeutet doch den Verlust der Empathie

  12. christoph

    ich würde meine mutter und euch frauen gerne schlagen. aber so richtig, dass euch der rotz aus der fresse fliegt.

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