Was ich mir für meine Kinder wünsche: Schule sollte #mehralsNoten bedeuten.

Die Lernplattform Scoyo fragte mich kürzlich, ob ich bei der Mitmach-Aktion #mehralsNoten mitmachen wollen würde. Ich war zuerst unschlüssig, denn noch habe ich kein Schulkind. Noch, das bedeutet allerdings, dass eines meiner Kinder in diesem Jahr in die Schule kommen wird. Mein großes Kind wird ein Schulkind. Und damit stellen sich viele Fragen: Darüber, welche Schulart wir für unser Kind auswählen, ob Hortbetreuung oder nicht, welchen Schulranzen wir kaufen. Ganz besonders aber erinnert es auch daran, was wir als Eltern selber erlebt haben in der Schule, was wir gelernt haben, was schön war und was wir uns für unser Kind anders wünschen.

Was ich mir für mein Kind wünsche, ist ein Ort, an dem es sich frei entfalten kann: Ich wünsche mir, dass es nicht lernen muss, was es nicht kann und will. Jedes Kind hat einen inneren Antrieb selbstwirksam zu sein, zu lernen, sich zu entwickeln. Kinder wollen die Welt begreifen, sie wollen von sich aus rechnen, schreiben und lesen lernen. Sie fragen nach der Geschichte von Orten und Menschen, wollen verstehen, wie und wo das Obst und Gemüse wächst, das sie essen. Kinder wollen mit allen Sinnen begreifen, saugen dieses Wissen in sich auf und können Feuer und Flamme werden, wenn sie ein Thema gefunden haben, das sie so richtig interessiert. Sie lernen die komplizierten Namen von Dinosauriern, kennen die Namen der Planeten – weil sie es spannend finden. Und weil wir sie dies tun lassen, wenn wir sie nicht bremsen. Ich wünsche mir, dass dieser innere Antrieb unterstützt wird, dass es dann lernen kann, wenn es dazu bereit ist.

Was ich mir für mein Kind wünsche ist, dass seine Stärken gesehen werden und es sich darin entwickeln kann: Vielleicht gibt es Themen, die meinem Kind weniger gefallen, Fächer, die ihm nicht entsprechen. Warum sollte es viel Zeit damit verbringen, Dinge zu lernen, die es nicht mag? Warum sollte es nicht viel lieber die Zeit investieren, um in dem, was es mag und was es schon gut kann, noch besser zu werden? Müssen wir wirklich alle die gleichen Wege gehen, auch wenn wir so unterschiedlich sind?

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Was ich mir für mein Kind wünsche ist, dass es angenommen wird, so wie es ist: Temperamente sind unterschiedlich, Kinder sind unterschiedlich. Für mein Kind wünsche ich mir, dass es so gesehen und angenommen wird, wie es ist. Dass nicht versucht wird, aus einem schüchternen Kind einen Draufgänger zu machen oder ein wildes Kind zu zähmen. Ich wünsche mir, dass mein Kind die Person sein kann, die es ist. Im Rahmen der Freunde und auch bei den Lehrern.

Was ich mir für mein Kind wünsche ist, dass es Fehler machen darf: Fehler zu machen bringt uns weiter. Wir lernen durch Fehler. Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen, denn sie zeigen uns, dass wir an einer Stelle vielleicht nicht genug geachtet haben. Sie sagen uns: Hey, schau her, so klappt es nicht, aber anders. Versuche herauszufinden, wie es anders geht. Vielleicht werden auf der Suche nach dem richtigen Weg auch andere Fehler noch begangen, aber wenn das Kind sich damit auseinander setzen darf, dann lernt es. Es lernt, nicht immer den einfachsten Weg, den auswendig gelernten, nehmen zu müssen. Es lernt, dass es vielleicht verschiedene Wege zur Lösung gibt und es lernt, dass es selbst einen Weg finden kann.

Was ich mir für mein Kind wünsche ist, dass es Kind sein darf: Ich wünsche mir, dass mit dem Schulbeginn nicht erwartet wird, dass nun der „Ernst des Lebens“ beginnt. Ich wünsche mir, dass es auch weiterhin Kind ist, dass es spielt und dabei lernt und es liebt, Kind zu sein. Ich wünsche mir, dass Leher_innen und Erzieher_innen sich in die Kinder einfühlen können und ihren natürlichen Bedürfnissen nachkommen – gerade wenn es um Themen wie Konzentration und Bewegungsdrang geht.

Ich wünsche mir, dass Schule immer mehr als Noten bedeutet. Und nicht nur das, sondern dass die Noten ganz weit hinten irgendwo anstehen, hinter vielen tollen Dingen und Lernerfahrungen. Sowohl für die Leher_innen, als auch für die Kinder.

Und was wünscht Ihr Euch?
Eure

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3 Kommentare

  1. Ja, eine Revolution im Notensystem, das wäre was! Ich habe mir gerade beim Lesen deines Textes meine Gedanken gemacht, und muss sagen, dass sich doch schon Vieles sehr geändert hat, seit ich vor 40 Jahren in der Grundschule war, und auch, seit meine Kinder es vor +- 15 Jahren waren.
    Es wird so viel mehr eingegangen auf die persönlichen Belange eines jeden Kindes, das Unterrichtsmaterial ist zugeschnitten auf die Voraussetzungen möglichst Vieler! Die Lernmethoden sind übergreifend und ganzheitlich, auch in der „ganz normalen Schule“.
    Auffällige Kinder werden nicht, wie früher, abgestempelt und übergangen, sondern für jedes wird eine Möglichkeit gesucht, in seinem Rahmen ein positives Schulerlebnis zu haben. Individuelle Hilfen aller Art werden vermittelt. So erlebe ich es zumindest an den Grundschulen hier im Umkreis.
    Die Idee, dass das Kind grundsätzlich in dem bestärkt werden sollte, was es gut kann, ist nicht verkehrt. Aber die „Spezialisierung “ kommt ja spätestens in der weiterführenden Schule. Manchmal kommt es vor, dass ein Fach, dass dem Kind so gar nicht liegt, irgendwann zum Lieblingsfach wird…. wenn der Groschen gefallen oder wenn die passende Lehrperson am Start ist.
    Herzlich
    Gabi

  2. Toller Text, liebe Susanne. Du sprichst uns wirklich aus der Seele mit deinen Worten! Wir wünschen uns auch, dass Kinder sich mehr auf ihre Stärken und das, was sie wirklich interessiert, konzentrieren dürften – und nicht nur an ihren Schwächen „arbeiten“. Wir wünschen uns auch, dass Lernen mehr Schülern Freude bereitet (auch nach der Grundschule) und nicht (negativen) Stress und Druck bedeutet. Und du hast recht: Kinder sollten Kinder sein dürfen, sollten an den richtigen Stellen gefördert und gefordert werden und sich nicht durch Fehler oder eine schlechte Note entmutigen lassen.

    Vielen Dank, dass du mitgemacht hast und anderen Eltern Anregungen gibst. Dein Zeugnis finde ich besonders interessant „schnippisch und albern“ 🙂 Darf man als Kind ja auch mal sein!

    Lieber Gruß,
    Sina vom scoyo-ELTERN!-Magazin

  3. Das klingt wunderbar wie Du das schreibst.
    Das wünsche ich mir auch für meine Kinder.

    Habt Ihr Euch für eine Schulart entschieden? Eine, die Eure Wünsche diesbezüglich eventuell am meisten erfüllen kann? (Antwort auch gern per DM oder so 🙂 )

    Ich wünsche Euch auf alle Fälle einen schönen Schulstart dieses Jahr.
    Wir sind nächstes Jahr dran.

    Alles Liebe.

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