Tag: 19. März 2014

Was Du alles nicht brauchst für ein Baby ODER: Warum Babys gar nicht so teuer sind

Man hört ja immer wieder wie teuer Babys sind, was man alles kaufen müsse und dass schon ein Kinderwagen heutzutage fast ein Monatseinkommen kosten würde. Ja, man kann tatsächlich heutzutage allerhand (teure) Dinge für Babys kaufen. Muss man aber nicht. Denn eigentlich brauchen Babys gar nicht so viel und schon gar nicht so teure Sachen. Ich gebe es ja zu: Auch ich kaufe gerne ab und zu teuren Schnickschnack und gerne auch mal teure Kinderkleidung. Aber müssen tue ich es nicht. Und deswegen ist es auch etwas ganz Besonderes. Was also kann man sich alles sparen?

Kinderwagen – geht es auch preiswerter?

Fangen wir also mit dem an, was meistens als die teuerste Ausgabe für das erste Jahr betrachtet wird: der Kinderwagen. Die Preisspannen sind riesig und man kann locker 1000 Euro für einen Kinderwagen ausgeben. Dabei gibt es auch noch viel zu beachten: Die Fahrtrichtung des Babys sollte zum Beispiel auch bei einem Umbau zum Buggy noch mit Blick zum schiebenden Elternteil möglich sein und die Testergebnisse von Stiftung Warentest tragen auch zu offenen Augen bei der Auswahl bei. Wer unbelastet unterwegs sein möchte, schaut gerne in Richtung Naturkind-Kinderwagen, die preislich um die 1000 Euro liegen. Doch eigentlich braucht man den teuren und eventuell auch noch belasteten fahrbaren Untersatz nicht unbedingt. Ein Tragetuch oder eine geeignete Tragehilfe kostet vielleicht 1/10 des Kinderwagenpreises (in gebrauchtem Zustand sogar noch weniger), hält lange und ist gesundheitlich unbedenklich – sofern man richtig trägt.

Familienbett spart Geld und Energie

Babys benötigen generell kein eigenes Kinderzimmer. Besser als allein in einem eigenen Raum sind sie im Schlafzimmer der Eltern untergebracht. Hier können sie in einem eigenen Bett liegen, in einem Beistellbett oder gleich im Bett der Eltern. Letzteres ist die preiswerteste Variante und zudem auch noch sehr praktisch. Im Familienbett kann nämlich problemlos nachts gestillt werden. Kein Aufstehen ist nötig, was für die stillende Mutter vorteilhaft ist, aber auch weitere positive Aspekte mit sich bringt.

Sich von der Werbung nicht beirren lassen: Stillende Mütter brauchen keine „Stillhilfsmittel“

Und da sind wir auch gleich bei der Ernährung des Kindes. Muttermilch ist die normale und gesunde Form der Ernährung für ein Baby. Wer also stillen kann, darin unterstützt wird und dem Stillen gegenüber generell positiv eingestellt ist, benötigt keine anderen Hilfsmittel. Natürlich kann es sein, dass das Stillen (oft durch fehlende Unterstützung und Anleitung durch das medizinische Personal in der Klinik) einfach nicht klappt und man auf künstliche Säuglingsnahrung angewiesen ist – darüber muss an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Aber wenn alles gut läuft, benötigt man zu Hause keine Fläschchen, kein Flaschendesinfektionsgerät, keine Spülbürsten für Flaschen. Gerade der Markt an so genannten „Stillhilfsmitteln“ ist riesig: Flaschen aus Glas oder Plastik mit den verschiedensten Saugern, Hygieneartikel zur Reinigung und und und. Wer von Anfang an stillen möchte, braucht sich diese Dinge nicht „für den Notfall“ zulegen. Denn im wirklichen Notfall bekommt man auch eine Flasche und Säuglingsnahrung in einer Apotheke, von der Hebamme oder im Krankenhaus. Man muss nicht für jeden Notfall vorab planen und muss sich auch nicht eine Notfall-Säuglingsnahrung in den Küchenschrank stellen. Wenn wirklich ein Notfall eintreten sollte, bekommt man die Nahrung auch. Und ansonsten vergammelt sie im Schrank oder wird in irgendeinem Moment doch genutzt, wenn man zweifelt, ob man wirklich genug Milch hat (oft um den 3. Monat herum) und dann ist der Abstillweg schon eingeleitet. Diesen Weg jedenfalls habe ich schon oft in der Beratung gesehen. Daher: Nein, stillende Mütter benötigen keine Fläschchen und Säuglingsnahrung zu Hause, wenn sie nicht abpumpen müssen, weil sie arbeiten gehen oder andere Gründe für die Flaschennahrung haben. Regine Grensens, IBCLC, beschreibt sogar, dass Stillkissen nach ihren Erfahrungen überflüssig sindHebamme Christine Rothenbücher beziffert die Ersparnis bei Familien, die im ersten Jahr stillen und selbst kochen auf 800 Euro. Die Kostenersparnis für das Gesundheitswesen durch das Stillen werden hier aufgelistet. Und auch bei der Beikost geht es mit dem Sparen weiter. Babys benötigen nämlich keine teuren Gläschen, Babytiefkühlprodukte, spezielles Kinderwasser oder andere Dinge. Beikost kann ab dem 6. Lebensmonat einfach vom normalen Familientisch abgezweigt werden. entweder in Form von Baby-Led Weaning oder in Form von Brei, den man aus dem Familienessen anrührt.

Wer auf dem Boden gewickelt wird, der kann nicht fallen

Und wo wir gerade bei der Nahrungsaufnahme sind, können wir auch die Ausscheidung in den Blick nehmen. Das beginnt beim Wickeltisch, denn eigentlich wird ein Wickeltisch nicht benötigt. Wer auf dem Boden wickelt, dem kann das Kind nicht vom Tisch fallen. Preiswerter als komplette Wickeltische können noch Aufsätze für Waschmaschinen sein. Einen solchen haben wir selbst seit 5 Jahren in unserem Bad und ich kann ihn nur empfehlen. Möglich ist es auch, einen solchen Aufsatz einfach selbst zu bauen. Für die Babypflege werden ebenfalls nicht die teuren Kinderprodukte benötigt, die man in der Drogerie in Massen sieht: Vom Babyshampoo über -duschgel, -seife, Badefarben, Pflegeöle bis hin zur Bodylotion. Werden Babys gebadet, benötigt man zunächst nur Wasser. Erst wenn sie sich wirklich draußen schmutzig machen, kann man zusätzlich ein Shampoo/Duschgel benutzen. Ein mildes Pflanzenöl wie Jojobaöl oder Mandelöl kann zur Hautpflege der Hautfalten und zur Massage genutzt werden. Auf einen wunden Po (sofern er vorkommt, was aber bei Stoffwindeln selten der Fall ist, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen) kann man Muttermilch geben und für den Notfall noch eine Wundcreme bereit halten. Puder und Co. haben auf der Babyhaut nichts verloren. Stoffwindeln sind dabei nicht nur für die Haut besser und ökologischer, sie sparen auch Geld. Thu von schickgewickelt.de spricht von einer Kostenersparnis von ca. 675 Euro über die gesamte Wickelzeit hinweg. Wer Elimination Communication betreibt, spart noch etwas mehr. Unterwegs müssen keine gekauften Feuchttücher, die manchmal fragliche Inhaltsstoffe haben, verwendet werden, sondern Taschentücher/Windelflies oder wiederverwendbare Waschlappen (die man unterwegs anfeuchtet oder feucht in einer Tüte mitnimmt). Wer mag, kann Feuchttücher auch einfach selber herstellen, wie hier von liebste-windeln.de gezeigt wird:

Es muss nicht immer Prada sein

Und dann gibt es noch den großen Posten der Kinderkleidung. Ja, es gibt bezaubernde Kleidung für Kinder. Doch nur allzu oft haben wir mehr als wir brauchen. Wer das Glück hat, andere Familien im Freundeskreis zu haben, kann sich bei der Geburt zumeist über viele Kisten voll gebrauchter Babykleidung freuen. Wer nicht so viele Unterstützer hat, kann Babykleidung sehr gut gebraucht erwerben. In Berlin gehe ich gerne zu den Kleidermärkten im Hug & Grow oder im Kurz & Klein, wo ich schon viele tolle gebrauchte (auch öko) Lieblingsstücke erworben habe. Gut ist es auch, wenn man sich zur Geburt nicht nur Anziehsachen für sofort in Größe 56/62 schenken lässt, sondern auch ein paar Teile für später, damit man nicht anfangs einen Berg und später zu wenig hat. Auch Online-Flohmärkte wie Mamikreisel sind sehr beliebt.

Eltern und Alltagsdinge sind die schönsten Spielsachen

Einer der beeindruckendsten Märkte ist neben der Kinderkleidung wohl auch der der Spielsachen für Babys. Da gibt es Rasseln in allen Größen und Variationen, mit und ohne Blinklicht oder Musik. Und auch hier gilt wie so oft: weniger ist mehr. Das betrifft sowohl die Menge an Spielzeug als auch die Art des Spielzeugs. Babys brauchen keine große Auswahl an verschiedensten Greiflingen. Sie spielen gerne mit Stofftüchern, später mit Alltagsgegenständen wie Löffel, Schneebesen, Bechern und Schüsseln. Sie lieben es, wenn sie selbst bei einer Sache herausfinden können wie Ursache und Wirkung zusammen hängen, zum Beispiel wenn sie ein kleines Glöckchen im inneren eines Balls selbst sehen. Und es stimmt, was man so oft liest: Das schönste Spielzeug für lange Zeit sind ganz einfach die Bindungspersonen selbst.

Wir können uns mehr sparen als wir denken

Ihr seht: Ein Baby muss nicht teuer sein. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Kinder nur in verwaschenen, ausgeblichenen Secondhandsachen durch die Gegend tragen müssen in gebrauchten Stoffwindeln und mit einem Schneebesen in der Hand. Aber wenn wir wieder einmal denken, dass Kinder teuer sind, können wir etwas länger darüber nachdenken und uns daran erinnern, dass wir selbst es vielleicht ab und zu teuer wollen, dass wir uns gerne Luxus für uns oder unsere Kinder gönnen wollen. Aber wir müssen es nicht, denn es geht auch viel preiswerter. Und wisst Ihr was? Wenn wir diese Sachen, die kostengünstiger sind, nutzen, dann geben wir unseren Kindern auch automatisch viele andere guten Dinge mit auf dem Weg: Wer stillen kann und es tut, spart  nicht nur, sondern gibt dem Kind durch Muttermilch einen gesunden Start. Wer das Baby im Familienbett schlafen lässt und im Tuch oder einer Tragehilfe trägt, spart nicht nur Geld, sondern fördert die Bindungsbeziehung. Da haben wir es nämlich wieder: Manchmal ist weniger einfach mehr.

Kostenersparnis aus dem Text im Überblick:

kein Kinderwagen, aber Tuch = ca. 900 Euro

kein Kinderbett, kein Beistellbett, aber Familienbett = ca. 150 Euro

kein Fläschchen und keine künstl. Säuglingsnahrung, aber Stillen = ca. 800 Euro

keine Wegwerfwindeln, sondern Stoffwindeln = ca. 675 Euro

Habt Ihr noch andere Tipps. worauf man gut verzichten kann im ersten Jahr oder auch danach?