Schlaffe Brüste? Nicht vom Stillen!

Man hört oder liest es immer wieder: Stillen soll die Brüste schlaff machen. Stimmt aber nicht, wie Ärzte, Hebammen und Stillberaterinnen immer wieder kontern, denn: Brüste verändern sich bereits in der Schwangerschaft und auch das Alter trägt dazu bei, dass sie sich optisch verändern. Wer sich keine Veränderungen an der Brust wünscht, sollte eben weder altern noch schwanger werden noch große Gewichtsschwankungen mitmachen. Und um dieses alte Vorurteil anschaulich zu entkräften, hat Kristina Seifert nun das Buch „Stille Brüste – Das Fotobuch für die Stillzeit und danach“ veröffentlicht. Sie bat 50 Frauen zwischen 21 und 71 Jahren vor die Kamera und hielt fest, wie ihre Brüste heute aussehen nach unterschiedlich langen Stillzeiten und was sie sonst über das Stillen erzählen wollen.



Wer schwanger ist, stellt ziemlich bald eines fest: Die Brüste wachsen! Für manche Frau eine Freude, für manche eine Last. Bereits in der Schwangerschaft kann sich die Körbchengröße enorm verändern. Besonders zuvor kleine Brüste wachsen in der Schwangerschaft oft. Damit das Baby nach der Geburt optimal versorgt werden kann, wird Drüsengewebe aufgebaut, durch das später täglich bis zu 750ml Muttermilch dem Baby zukommen kann. Schon in den letzten Wochen der Schwangerschaft fängt die Milchproduktion an, denn nun wird das kostbare Kolostrum gebildet – die so genannte Vormilch – damit das Baby gleich nach der Geburt diese wichtige erste Muttermilch erhalten kann. Solange sie noch nicht gebraucht wird, wird sie vom Körper wieder abgebaut. Manche Frauen stellen aber auch schon fest, dass etwas gelblich-weißliche Milch aus ihren Brüsten kommt.

Wie das Drüsengewebe während der Schwangerschaft aufgebaut wird, bildet es sich nach dem Stillen auch wieder zurück. Da während dem Aufbau des Drüsengewebes in der Schwangerschaft das Fettgewebe zurück gedrängt wurde, fehlt es am Anfang nach der Stillzeit noch etwas. Daher sieht die Brust kurz nach dem Stillen bei einigen Frauen weniger rund und prall aus als zuvor. Doch diese Leere wird nach und nach von Fettgewebe wieder aufgefüllt. Dabei kann schon ein Jahr vergehen. Natürlich sehen die Brüste nach der Stillzeit nicht mehr ganz genau so aus wie früher. Doch Julia Gottschalk, Oberärztin in der Pädiatrie des Klinikums Görlitz, schreibt dazu im Buch „Stille Brüste“: „Irgendwie kommt bei einer Schwangerschaft doch bei den meisten Frauen alles ein bisschen außer Form: der Po, der Bauch und – ja klar – auch die Brust. Und außer Form gerät mit der Geburt des Babys erst recht auch das Leben.

Wir vergleichen unsere Brüste gerne mit dem, was wir im Fernsehen und in der Werbung sehen. Aber wer hat denn schon vor der Schwangerschaft Brüste und Figur, um bei Victoria’s Secret zu modeln? Und ja klar, nach Schwangerschaft und Geburt wird das dann auch nicht der Fall sein. Doch wir müssen uns nicht an Supermodels und Photoshop messen, sondern können dank Kristina Seifert sehen, wie andere Brüste von ganz normalen Frauen aussehen. Von groß bis klein – hier sind alle Brüste vertreten. Von Frauen, die 8 Kinder gestillt haben und welchen, die nur eines hatten, von 21 bis 71 Jahren. Und nicht nur ihre Brüste zeigen sie, denn jede Frau beantwortet auch die gleichen Fragen der Hebamme: Welche Bedeutung hat das Stillen für dich? Hat sich deine Brust durch das Stillen verändert und wie empfindest du diese Veränderung? Hat sich die Einstellung zu deinem Körper durch das Stillen verändert? Bei einigen Frauen kommen zudem die Partner zu Wort und geben Auskunft darüber, wie das Stillen sie beeinflusst hat.

Kristina Seifert hat ein wirklich schönes Werk geschaffen, das längst überfällig war in unserer Gesellschaft. Aufgebaut ist das Buch ähnlich wie das im gleichen Verlag erschienene Buch „Luxus Privatgeburt“: Jede Frau hat eine Fotoseite und eine Interviewseite. Die Gesichter der Frauen sind nicht zu sehen, sondern werden von einem Schild überdeckt, auf dem Name, Alter, Anzahl der Kinder und Stilldauer abgebildet sind. Nur die Gestaltung des Covers kann etwas unglücklich gedeutet werden: Hier handelt es sich keinesfalls um einen Vorher-Nachher-Vergleich, sondern um zwei verschiedene Brüste unterschiedlicher Frauen. Das Buch ist ein MUSS für jede Stillberaterin und Stillgruppe, das hervorgezaubert werden kann, wenn es um das Thema „Schlaffe Brüste durch Stillen“ geht. Hier kann sich im wahrsten Sinne des Wortes dann jeder ein eigenes Bild von machen.

In diesem Sinne:

Liebe Mütter,
Ihr habt Eure Kinder in Euch getragen – manche länger, manche leider kürzer.
Ihr habt sie mit aller Kraft geboren, die Ihr hattet. 
Ihr tragt sie, liebt sie, behütet sie.
Ihr stillt sie mit Eurer Milch so gut Ihr könnt.
Ihr alle leistet unglaublich viel.
Seht nicht das Negative, sondern Euren neuen Reichtum und Eure Kraft.
Seht die „Makel“ als Zeichen dieser Stärke.
Steht zu ihnen. 

Seid stolz auf Euch.
Ich bin es.

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  • Madi

    Wow! Das habe ich gerade gebraucht. Danke. Jetzt geht es ein wenig besser. Vorallem, wenn ich eine Nacht drübergeschlafen habe- über das was ich eben las.

    Vielen Dank nochmal!

  • Wetterwachs

    Also ich möchte jetzt mal ganz ehrlich und unverblümt schreiben:
    Meine Brüste sind ganz eindeutig nach der Stillzeit in eine arg hängende Position gewechselt. Ich habe das erste Kind 10 Monate vollgestillt und mit 19 Monaten abgestillt. Kind 2 habe ich 16 Monate vollgestillt und mit ebenfalls 19 Monaten abgestillt. Ich hätte auch gerne länger gestillt, wenn es nötig gewesen wäre. Ich bin absolut für das Stillen. Auch für langes Stillen und kann mich mit Brei nicht anfreunden. Aber ich muss auch ganz klar sagen: Die Brüste haben trotzdem gelitten. Es ist wie mit dem Schwangerschaftsbauch: Wenn die Dinger sich über Monate und Jahre auf Körbchengröße D ausweiten und nach der Stillzeit wieder in die Ursprungsform A wechseln, sehen sie einfach nicht aus, wie zuvor. Die Haut wurde schließlich lange und ausgiebig bis auf’s Äußerste gedehnt. Zumindest in meinem Bekanntenkreis kenne ich viele ähnliche Beipiele. Deshab denke ich, es ist besser die Mütter mit klaren Tatsachen zu konfrontieren und dennoch zum Stillen zu Ermuntern. Es ist so unfassbar wichtig für das Kind und auch für die Mutter (Bindung). Aber es geht nicht um die Mutter, es geht um das Kind. Wer sich für ein Kind entscheidet, sollte auch mit den Konsequenzen umzugehen wissen. Wenn ich mich betrachte, sehe ich keine erschlaffte Person, sondern eine Mutter! ich habe zwei Kinder auf die Welt gebracht, ernährt und kümmere mich nun liebevoll um sie. Dafür sehe ich verdammt gut aus. Und das darf man auch sehen. Das ist jetzt ein Teil meines Äußeren. Und genau das macht einen Menschen schön: Wenn man ihm die guten und schlechten Zeiten seines Lebens ansieht… Aber ich schweife ab: Beim Stillen ist es völlig unerheblich, wie sich die Optik der Mutter verändert. Das hat keinen zu interessieren. Es ist eine Notwendigkeit und zwar eine sehr schöne Notwendigkeit, wenn man nicht ständig nur über mögliche Nachteile nachdenkt. Kinder sind doch nicht dazu da, ihre Eltern glücklich zu machen, sondern Eltern sollen ihre Kinder glücklich machen!