Gönn Dir doch mal eine Auszeit…

Ich liege in einem frisch bezogenen Bett in einem sauberen Hotelzimmer. Ordnung soweit mein Auge reicht – und auch Stille. Keine Stimmen von laut spielenden Kindern, keine Aufforderungen, kein Streit. Es herrscht vollkommene Ruhe. Ich streiche über meinen Bauch mit Baby 3 darin, das sich als einzige Person in diesem Raum unbehaglich von einer Seite auf die andere wendet und zurück. Vielleicht kommt ja auch ihm die Stille irgendwie merkwürdig vor?

An diesem Wochenende bin ich ohne meine beiden großen Kinder und meinen Mann unterwegs. Ich arbeite: Beim Weleda Hebammenkongress spreche ich über die „Digitalen Eltern“, über Elternschaft heute und Vorteile und Probleme, die sich aus dem Konsum der Medien und durch vermeintlich hilfreiche digitale Hilfsmittel ergeben. Ein Wochenende ohne meine Familie, nur mit Baby 3 in meinem Bauch.

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„Na, freust Du Dich auf Deine Zeit allein?“ fragt mich meine Freundin. „Genieß die Zeit!“ schreibt mir eine andere per WhatsApp. Ich lächle, obwohl ich eigentlich weiß: Nein, ich freue mich nicht übermäßig und nein, ich genieße diese Zeit auch nicht mehr als andere Zeiten. Ich bin gerne bei meiner Familie, meinen Kindern, meinem Mann und in meiner oft unaufgeräumten Wohnung. Ich bin gerne Zuhause, ein Familienmensch.

Ja, das Leben mit zwei und bald drei Kindern ist nicht stressfrei. Arbeiten und Familie haben ist nicht stressfrei. Manchmal langweilt der Alltag, die immer gleichen Abläufe, manchmal ist genau das Gegenteil die Herausforderung: Irgendwas ist ja immer von Kinderkrankheiten über verlorene Federtasche in der Schule bis zum Geschwisterstreit. Aber genau das ist es, was ich am Familienleben so liebe: das Leben. Gerade erst schrieb Ami vom Blog 2kindchaos: „Für viele unverständlich aber ich vermisse einfach nichts. Ich bin so glücklich daheim mit meinen Kindern, dass ich nicht den Drang habe irgendwas daran zu ändern.“ Genau so geht es auch mir.

„Aber Eltern brauchen auch Zeit für sich“ höre ich immer wieder. Ich habe Zeit für mich im Alltag. Ich gehe einer Arbeit nach, die ich wirklich liebe. Und den Alltag mit meinen Kindern organisiere ich so, wie ich es gerne mag. Die Kinder laufen mit bei dem, was ich mache, sind daran beteiligt und haben die Möglichkeit, daraus auch eigene Aktivitäten zu entwickeln. Sie helfen bei der Hausarbeit, beim Kochen und Backen. Es ist nicht so, dass ich mich oft an ihren Spielen beteilige, aber sie oft an meinen Arbeiten: Wenn ich mich hinsetze, um zu weben, holt meine Tochter ihren eigenen Webrahmen. Wenn ich male, kommen sie oft dazu, um auch zu malen, malen mir nach oder bitten darum, dass ich ihnen Seiten aus meinem Malbuch kopiere. „Darf ich mitmachen?“ ist eine der häufigsten Fragen im Alltag. Ja, manchmal habe ich auch keine Lust darauf, gemeinsam mit den Kindern etwas zu machen. Manchmal bereite ich das Essen gerne allein zu. Aber oft sind es die Dinge, die ich einfach gerne tue, die sie inspirieren. Und manchmal gönne ich mir auch mit ihnen zusammen einen Wellnesstag, zum Beispiel am Kindertag im Hamam. Vielleicht ist das mein Geheimnis dafür, dass ich keine Auszeit brauche, weil ich mir das Leben einfach jeden Tag ein bisschen schön mache. Jeden Tag ist etwas dabei, was ich wirklich gerne tue und ich kann in meiner Tätigkeit versinken. Jeder Tag ist auch ein Tag für mich und meine Bedürfnisse.

Tage wie dieser sind gut. Nicht, weil ich diese Zeit genieße, weil meine Familie nicht um mich ist, sondern genau wegen des Gegenteils: Ich sehe, dass ich sie vermisse. Ich brauche keine Auszeit von meiner Familie aber manchmal eine Zeit, um mir dessen bewusst zu werden, was ich wirklich habe: das pralle Leben mit allem, was dazu gehört und jeden Tag ein Stückchen Lieblingszeit.

Eure

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  • kidsaholic

    Hallo Susanne, ich finde es wunderschön, was du schreibst. Für mich klingt das nach einem sehr harmonischen Familienleben. Ich wünschte mir, dass ich im Alltag auch etwas mehr meinen persönlichen Aktivitäten nachgehen könnte. Ich glaube jedoch, dass ich mir das selbst „verbockt“ habe, indem ich unsere große Tochter (4 Jahre), immer viel zu viel beschäftigt habe. Damals als frischgebackene Mutter dachte ich, ich müsse jede Sekunde für mein Kind da sein, und es rund um die Uhr „bespaßen“. Was für ein Fehler! Ich gab meinem Kind viel zu wenig Raum, um mit sich selbst zufrieden zu sein. Ich denke, dass unsere Tochter heute deshalb ein Problem hat, sich alleine zu beschäftigen, was mich im Alltag oft sehr einschränkt. Deshalb genieße ich (wenn auch sehr selten) kleine Auszeiten von meinen Kindern. Erst letztes Wochenende verbrachte ich mit meinem Mann in einem Wellnesshotel. Obwohl ich diese Zeit sehr genoss, dachte ich oft an unsere Kinder. Ob es ihnen gut geht, was sie wohl gerade machen, usw… Und ich freue mich, wenn ich sie wieder in meine Arme schließen kann. Aber durch diese kleine Auszeit merke ich, das ich wieder ein wenig entspannter, gelassener und fröhlicher auf meine Kinder zugehen kann. Alles Liebe, Manuela.

  • Kristina

    Du sprichst mir aus der Seele ♡