Erstausstattung: Welche Stoffwindeln für mein Baby?

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Während wir beim ersten Kind noch Wegwerfwindeln verwendet haben, haben wir beim zweiten Kind von Anfang an mit Stoffwindeln begonnen. Die Gründe für den Wechsel waren einfach zu benennen: Die Berge an Müll, die wir mit den Windeln produziert haben, haben mich wirklich erschreckt. Dieser Müll stank und musste täglich in die Mülltonnen gebracht werden, die damit auch nicht unwesentlich gefüllt wurden. Zudem zeigte sich auch an der Haut des Kindes, dass die wenig atmungsaktiven Windeln einfach ungünstig waren und immer wieder zu Hautproblemen führten. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht schon damals Stoffwindeln umgestiegen bin. Beim zweiten Kind hatte ich mich schon über einige Stoffwindelsysteme informiert und mich zunächst für Höschenwindeln entschieden: ein Set der Totsbots Bamboozles, die mit separaten Überhosen genutzt werden. Allerdings war hier das Wäscheaufkommen recht hoch. Ich informierte mich über weitere Stoffwindelsysteme, über All-in-Twos und lernte schließlich Stephanie von der Windelmanufaktur mit ihrem All-in-Three-Modell kennen, probierte ihre Windel aus und fand sie großartig.

Kurzer Überblick über die Systeme

Für Stoffwindeln gibt es heute eine große Auswahl. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen nur mit Mullwindeln gewickelt wurde und auch die schön anzusehenden Strickbindewindeln sind heute eher ein altertümliches Modell. All-in-One Komplettsysteme ähneln den Wegwerfwindeln am meisten: Sie bestehen aus einem Nässeschutz außen, der fest verbunden ist mit einer saugenden Innenschicht. Diese Windeln kommen dann komplett in die Wäsche. Daher hat man aber ein relativ hohes Waschaufkommen und sie brauchen auch länger zum Trocknen als manch andere moderne Systeme. Pockets haben einen Nässeschutz außen, einen Innenstoff aus Microfaser und eine Öffnung, in die die Saugeinlage eingelegt wird. Dadurch kann die Saugstärke noch besser variiert werden, aber auch hier fällt wieder viel Wäsche an. Die Höschenwindeln, wie ich sie beim zweiten Kind verwendet habe, sind vollständig saugend und haben keinen Nässeschutz, weshalb sie einen nässeschützenden Außenteil benötigen, also eine Überhose beispielsweise aus Wolle.

Die All-in-Two Systeme sind auch Komplettwindeln, bei denen allerdings Außenschicht und  die saugende Einlage getrennt werden können. Auf diese Weise kann entweder nur die Einlage oder alles zusammen gewaschen werden und die Wäschemenge wird schon einmal reduziert.

Die All-in-Three Modelle sind dann die modernsten Stoffwindelsysteme: Sie bestehen aus einer Außenwindel, einer Innenwindel als Nässeschutz und einer Einlage. Alle drei Schichten können voneinander getrennt werden, so dass entweder nur die Einlage, die Einlage mit der Innenwindel oder alles gewaschen werden kann. Die Wäschemenge kann hierdurch also deutlich minimiert werden (was nochmal Kosten und Ökobilanz senkt).

Die Windeln der Windelmanufaktur gehören zu den All-in-Three Modellen. Ein besonderes Plus ist hier auch noch, dass sie von Hand gefertigt werden in Dresden (die meisten anderen Windeln werden importiert) und dies mit ganz zauberhaften Außenhüllen: Hier gibt es die Möglichkeit, aus verschiedenen Stoffen auszuwählen und es gibt immer wieder auch Limitierte Editionen oder Windeln aus den schönen Tragetuchstoffen von Oscha.

Warum All-in-Three von der Windelmanufaktur

Als ich kürzlich auf dem Heldenmarkt in Berlin den Stand der Windelmanufaktur besuchte, konnte ich die Tragtuchstoff-Designs zum ersten Mal in die Hand nehmen – als der Sohn noch Windeln trug, gab es sie nämlich noch nicht. Ich war ganz bezaubert von dem wunderbaren Material. Zusammen mit den Erfahrungen aus der letzten Stoffwindelzeit stand daher fest, dass ich diesmal mit diesem Stoffwindelsystem wickeln wollen würden. Dies auch, da wir ab dem 5. Monat beim Sohn dazu übergegangen waren, Elimination Communication zu machen und ihn neben der Nutzung von Stoffwindeln abhielten. Als Backup eigneten sich die Windelmanufakturwindeln besonders gut, da nach und nach immer weniger tatsächlich in die Windel ging und immer mehr in die Toilette und es sich daher vom Waschaufkommen nicht lohnte, ganze Windeln immer waschen zu müssen, sondern allein das Waschen der Einlagen reichte. Die Wäschemengen und der Geruch der Oskartonne, in der die feuchten Windeln aufbewahrt werden bis zur Wäsche, machte besonders meinem Mann zu schaffen. Weniger nasses Windelmaterial bedeutet weniger Wäscheberge, weniger Geruch und insgesamt weniger Stress. Der große Wetbag, in dem die Einlagen nun aufbewahrt werden können, mindert noch einmal den Geruch.

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Immer wieder Stoffwindeln – warum?

Kurz zusammengefasst sind meine ganz persönlichen Gründe für Stoffwindeln:

  • Sie sind wesentlich hautfreundlicher als Wegwerfwindeln. Aus meiner persönlichen Erfahrung kommt es damit deutlich weniger zu gereizter Haut oder gar Windelsoor.
  • Sie sind kostengünstiger – selbst die im Vergleich zu anderen Stoffwindeln teureren Windelmanufakturwindeln schneiden im Vergleich zu Wegwerfwindeln über die Jahre besser ab, da sie
    • weniger Wäsche produzieren (dadurch weniger Waschkosten),
    • die Kinder durch Stoffwindeln meist früher trocken werden, insbesondere in Verbindung mit Elimination Communication
    • später wieder verkauft werden können, insbesondere die Modelle der Windelmanufaktur werden in Gruppen wie auf Facebook gehandelt oder sie können für Geschwisterkinder aufbewahrt werden
  • Kinder können früher mit ihren Ausscheidungen umgehen und sind früher windelfrei (siehe auch Punkt Kosten)
  • Ausscheidungen können mit dem eingelegten Windelflies in die Toilette entsorgt werden, weshalb keine Stinkwindeln in den Hausmüll kommen
  • Die Benutzung durch die neuen, modernen Systeme ist nicht komplizierter als bei Wegwerfwindeln
  • Besonders im Sommer sind sie wie eigenständige Kleidungsstücke: Durch die bunten Aufdrucke wirken sie nicht wie herkömmliche Windeln, sondern sind tatsächlich Kleidungsstücke.

Und womit wickelt Ihr und warum?
Eure

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  • Birgit Giesen

    Danke für den informativen Text! Mein Sohn ist 15 Monate alt und bisher habe ich nur mit Wegwerfwindeln gewickelt. Ich würde die Stoffwindeln gerne mal testen und schaue einfach mal, ob ich in der FB-Gruppe ein gebrauchtes Set erwerben kann 🙂

  • Katharina

    Liebe Susanne, der Artikel hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Mein Töchterlein ist allerdings schon 17 Monate alt. Denkst du, ein Umstieg ist trotzdem sinnvoll? Viele liebe Grüße Katharina

  • selina

    Ich bin auch ein Stoffwindel-Fan!
    Nur eine kleine Anmerkung: Ich bin nicht sicher, dass jedes Windelvlies in die Toilette soll. Unseres war von Popolini und das hätte das Klo wohl verstopft!! Dafür kann man sie mitwaschen, wenn nur Lulu drauf ist, und so gut 6-8 mal verwenden!
    Liebe Grüße, Selina

  • Laura

    Wir wickeln hier beim dritten Kind auch mit Windelmanufaktur-Windeln, dazu noch Huda-All-In-One plus PUL-Überhosen (teils noch vom ersten Kind), mit Überhosen für Prefolds plus Ikeawaschlappen, außerdem haben wir immer (Öko-)Wegwerfwindeln als Ergänzung da. Also eine bunte Mischung, je nach Situation und was gerade Spaß macht.
    Würde mein Sohn allerdings jeden Haufen in die Windel machen, wäre ich wahrscheinlich nicht so glücklich mit den Stoffwindeln. Zum Glück zeigt er fast immer, wenn er muss, so dass ich ihn abhalten kann. Das spart am meisten Wäsche und Abfall!

  • Julia

    Ich bin auch ein großer Fan der Windelmanufaktur. Wir sind bei unserem jetzt15monariger Kind umgestiegen als sie 10 Monate alt war und das war eine super Entscheidung! Ich kombiniere es auch mit windelfrei.

  • Jana

    Wir wickeln auch mit den Windeln der Windelmanufaktur. Tochter 1 seitdem sie 6 Wochen alt war, jetzt will sie leider nur noch die Pantys (Wegwerfwindeln), da es so langsam los geht mit dem Sauberwerden. Und Tochter 2, die im Dezember geboren wurde, wickeln wir seit zwei Wochen ausschließlich nur mit den Windeln der Windelmanufaktur. Da beide Kinder nur 3kg brei der Geburt drauf hatten, passten die Windeln zu Beginn noch nicht. Ich habe nur dieses System ausprobiert und bin dabei geblieben. Kann es mir nicht mehr anders vorstellen 🙂

  • Jana

    Und an Katharina: Ein Umstieg ist immer sinnvoll und möglich. Es gibt zwei Größen von der Manufakturwindel, solltest du dieses System bevorzugen.

    Wir waschen im Übrigen das Vlies auch mehrmals mit, sofern nur draufgepieselt wurde.

  • Mama in Hamburg

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, jetzt blicke ich endlich durch bei den verschiedenen Systemen.

  • Wir benutzen schon von Anfang an Stoffwindeln – allerdings die „altertümlichen“ Strick- und Mullwindeln. 😉 Damit sind wir sehr zufrieden. Wir haben auch ein paar Höschenwindeln, die wir ebenfalls gern mögen und ein paar All-in-Ones, die wir nicht so toll finden, da sie aus Mikrofaser sind (ergo Plastik…). Das ist ein Punkt, den man bei der Stoffwickelei nicht unterschätzen sollte: Stoffwindeln aus Plastik sind nur bedingt umweltfreundlicher als die konventionellen Plastikwindeln, da durch das Waschen resp. Abwasser auf diese Weise Mikroplastik in die Gewässer gelangt…

  • JungeMami

    Wir wickeln Kind Nr2 auch mit Stoffies, unterwegs gern mal mit Pockets, weil schnell und einfach, zuhause am liebsten mit HybridÜberhose (also mit Laschen) und da rein einfach alles, was saugt. Vorzugsweise Mullwindeln, Einlagen, Ikea Waschlappen…Auch damit ist die Wäschemenge, Aufwand und Trocknungszeit auf ein Minimum reduziert und günstiger kommt man kaum weg. Ein paar Überhosen, Mullis, Lappen, später Windelflies. Der Popo bleibt damit auch gut dünn, je nach Einlagen Menge. Und EC klappt damit auch super.
    Meine Große nutzt noch teilweise WWW, nachts beide Bamboozle mit Wollhose (hätte NIE gedacht, dass ich meinen Kindern mal SO WAS anziehen würde ;-p), sie liebt die für nachts. Ich würde mich aus o.g. Gründen immer wieder für Stoffies entscheiden! Und trotzdem haben wir ne Tüte WWW für irgendwelche Notfälle oder Phasen da. Aber die hält über Monate…*g*

  • Linnea

    Danke für den interessanten Bericht! Wir haben unseren Sohn tagsüber mit Grovia All in two Windeln gewickelt, nachts aber nach einigen Monaten nur noch Wegwerfwindeln genutzt. Bei unserer Tochter haben wir es eigentlich genauso gemacht, leider haben jetzt unsere Windeln schlappgemacht und mit schon über 18 Monaten bei ihr wollte ich kein neues System mehr kaufen… Wie wickelt ihr nachts? Halten die Systeme das ohne zusätzliche Einlagen aus? Danke für eine Antwort 🙂 Linnea

    • Schoju

      Nachts haben wir anfangs tatsächlich auch mit Wegwerfwindeln gewickelt, da die All-in-two, die wir nutzen, nie länger als maximal 4 Stunden durchhalten und wir dem Kind (und uns) nachts mit häufigen Windelwechseln keinen Gefallen taten. Da uns dies jedoch wie ein fauler Kompromiss vorkam, haben wir uns nach tauglichen Stoffwindel-Alternativen umgesehen – und sind schon bald fündig geworden: die im Artikel erwähnten Totsbots Bamboozles mit Überhose (Blueberry Capri) machten zuerst noch einen solch großen Po, dass das Kind unserer Meinung nach merkwürdig im Bett lag. Also haben wir noch ein wenig mit Wegwerfwindeln abgewartet. Ab ca. 9 Monaten kam uns das Kind groß genug vor, dass das Bamboozles-Windelpaket nachts nicht mehr für eine „Schieflage“ sorgte. Dazu haben kamen dann noch Petit Lulu Maxi Nachtwindeln (die Klett-Version) – die sind echt enorm saugfähig. Die Überhosen passen auch hier. Bei den Bamboozles legen wir noch eine Hanfeinlage von Hu-Da dazu oder eine „Thirsties“-Einlage. Die Petit Lulu Maxi hat genügend Saugmaterial und benötigt keine weiteren Einlagen.
      tl;dr
      Totsbots Bamboozles & Petit Lulu Maxi (mit Überhose) eignen sich bestens für die Nacht und nehmen richtig viel auf. Allerdings musste das Kind dazu erst ca. 9 Monate alt sein, damit der große Windelpopo nicht mehr zur Schieflage im Bett führte (zumindest war das unser Eindruck/unsere Sorge).

  • Hanna F.

    Wir wickeln Tochter Nr. 3 mit Stoffwindeln, das heißt Überhose + Einlage, hauptsächlich Mullwindeln, aber auch anderes. Bald kommen selbstgenähte SIOs mit Bambuseinlagen dazu. Nachts Bamboozles. Außerdem wird die Maus abgehalten. Bei den beiden Großen wäre ich nicht auf die Idee gekommen, bzw ich wusste nichts von Stoffwindeln.
    Liebe Grüße
    Hanna