Die ersten drei Monate

Nun sind die ersten drei Monate bald vorbei. Ab und zu wurde ich gefragt: Du erzählst von der Schwangerschaft schon vor der 12. Wochen? Ja, denn ich halte es für wichtig, dass die ersten drei Monate der Schwangerschaft nicht tabuisiert werden. Sie sind ein Teil von ihr und mit all den Gefühlen, Gedanken, Befürchtungen, Freuden auch ein besonders wichtiger. Anja schrieb vor kurzer Zeit über diese Phase der Anpassung und ich kann ihr in vielen Punkten nur zustimmen. 

Als ich mein zweites Kind erwartete, wusste ich erst in der 11. Schwangerschaftswoche sicher, dass ich schwanger war. Zwei Tests waren negativ, ich hatte Stress, da ich mein erstes Buch veröffentlicht und eine Praxis eröffnet hatte. Vielleicht war mir hier und da ein wenig übel gewesen, doch dies alles war nicht wirklich Anlass genug. Die Tests waren ja negativ, auf die ich mich verlassen hatte. Später dachte ich wie so oft in den folgenden Jahren: Hättest Du Dich doch mehr auf Dein Körpergefühl verlassen. Denn mir fehlten diese drei Monate in der Schwangerschaft, diese ersten Monate der Gewissheit mit all den Gedanken, die sie mit sich bringen.

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Auch Kinder bauen ein Band auf

Es ist schon etwas Besonderes die Hände auf den Körper zu legen mit den Gedanken: ein neues Leben wächst in mir. So klein ist es anfangs, noch nicht sichtbar für das Auge. Doch es entwickelt sich so schnell. Als wir den Kindern sagten, dass sie ein Geschwisterkind bekommen würden, legten wir ein kleines Sesamkorn auf den Tisch: So groß ist das Baby in Mamas Bauch. Sie schauten mich verwundert an. Ja, auch für sie ist es eine Zeit der Anpassung und des Gewöhnens. Auch sie merken, dass mit Mama etwas anders ist als zuvor, dass sie müder ist, dass ihr übel ist. Auch sie bauen ganz langsam ein Band auf zu dem kleinen Menschen, der in mir wächst. So abstrakt das anfangs für sie ist, machen wir es ganz bewusst bildlich für sie, damit sie es besser verstehen können und sich nach und nach daran gewöhnen.

Kleine Hilfe für den Alltag: Meine imaginäre Schutzhülle

Beim dritten Kind, so merkte ich, gibt es wieder andere Themen in dieser ersten Zeit. Die Gewissheit und das Vertrauen in meinen Körper sind durch die vergangenen Schwangerschaften vorhanden: Es wird schon alles einen guten Weg gehen, dem Baby geht es sicherlich gut, denke ich oft. Anders als beim zweiten Kind nehme ich mir nun bewusst mehr Zeiten zum Nachspüren, zum Hineinspüren in den Körper. Ein kurzer Moment auf dem Sofa, die Augen schließen und sich den kleinen Menschen vorstellen. In Phasen, in denen es mir nicht gut geht oder in denen ich gestresst bin und mich um das Baby in mir sorge, stelle ich mir ganz bewusst vor, wie ich meine Hände um das kleine Wesen schließe und es behutsam schütze in meinem Inneren. Dieses Bild gibt mir Sicherheit und Kraft. Es ist wie eine Unterstützung, eine Verbildlichung von dem, was ich ihm sagen möchte: Ich achte auf Dich.

Bindung kommt nach und nach

„Oh, wow!“ Ich glaube, das waren meine ersten Gedanken nach dem positiven Test. Ein drittes Kind also. Geplant war es nicht, aber dennoch hat eine Stimme in mir sofort gesagt, dass es sich richtig anfühlt. Und trotz dieses Gefühls von Sicherheiten sind da auch Sorgen und Ängste: Drei Kinder, das ist nicht wenig. Reicht der Platz in der Wohnung? Brauchen wir ein neues Auto? Kann man in das alte Auto noch einen Isofix anbringen? Schaffen wir das finanziell? Ich bin über 35, schaffe ich das? Was, wenn das Kind sich nicht normgemäß entwickelt? Schaffe ich es, den Bedürfnissen eines Kindes mit anderen Bedürfnissen als denen meiner bisherigen Kinder gerecht zu werden? Schaffe ich es überhaupt? Und was, wenn es Zwillinge sind? Verdammt, was ist mit den Hebammen? Muss ich nun im Krankenhaus gebären? Es gab tausend Fragen, die mir in den ersten Wochen durch den Kopf gingen. Erst einmal so viele Gedanken um das Drumherum, um Arbeit, Wohnung, Leben. Diese Dinge standen im Vordergrund bevor es wirklich dazu kam, in mich hinein zu spüren zu dem kleinen Menschen.

Und dann war er doch da: Dieser Moment, in dem das Baby so ganz als das, was es ist, willkommen geheißen wird. „Hallo, kleiner Mensch, da bist Du also.“ Nach und nach gingen die Fragen in meinem Kopf weg von dem Alltag, von den Möglichkeiten und Schwierigkeiten hin zu dem Baby und seiner Entwicklung. Woche für Woche erzählte ich den Kindern wie groß das Baby gerade ist und wie es in etwa aussehe. Ich beschäftigte mich mit der Frage, ob es diesmal wohl ein Junge oder ein Mädchen werden würde. Wieder diese Namensfrage, die irgendwann im Raum stehen würde. Und ich ertappte mich, wie ich beim Einkaufen für die Kinder auch nach niedlichen kleinen Babybodys schaute und überlegte, vielleicht hier oder da doch schon einmal einen mitzunehmen.

Vom Ziehen im Unterleib wechselte mein vorherrschendes Körpergefühl zu Übelkeit und schließlich Müdigkeit. Mein Mann sagte: „Dein Körper baut gerade einen kleinen Menschen zusammen. Ruh Dich aus.“ Und das tat ich. Dem kleinen Menschen in mir ging es gut, da war ich mir sicher. Und ich spürte: Es ist da, dieses zarte kleine Band, diese Verbindung zu meinem neuen Kind. Mit Hilfe all der Fragen und Gedanken ist es von ganz allein gekommen. Denn jede Frage hat mich auf dem Weg begleitet.

Nun geht diese Phase der Anpassung ihrem Ende entgegen und ich warte auf das zweite Schwangerschaftsdrittel. Ich warte darauf, meine Hausgeburtshebamme kennen zu lernen, den wachsenden Bauch zu streicheln, die Zimmer umzuräumen und Babysachen einzukaufen.

Wie habt Ihr die ersten drei Monate der Schwangerschaft erlebt? Gingen Euch auch so viele Dinge durch den Kopf?
Eure

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  • die_paule

    ich bin gerade bei 11+6 und zumindest die familie und einige enge freunde wissen es. richtig öffentlich gemacht (beim online clan, du weißt schon 😉 ) hab ich es noch nicht, obwohl ich es so gerne würde, da gerade viele wunderbare frauen genau zeitgleich mit mir schwanger sind!
    ich war anfang des jahres bereits schwanger und hatte nach 8-10 wochen eine fehlgeburt. so genau weiß ich das nicht, weil das kind von anfang an nicht entsprechend weit entwickelt war, zumindest nicht passend zum einzig möglichen empfängnistermin. im nachhinein sind mir die zeichen jetzt klar, dass mein arzt am termin gezweifelt hat, die sswochen (trotz langem zyklus) einfach nicht hingehauen haben… damals war sowohl die schwangerschaft als auch die fehlgeburt ein schock (wenn auch im falle der schwangerschaft ein positiver, denn mein erstes kind kam nur mit ivf auf die welt).
    und auch wenn diesmal alles top ist, jede messung perfekt, mein ganzer körper „SCHWANGER YEAH!“ schreit, trau ich mich kaum, weitere menschen einzuweihen. ich denke immer „ich mach das gleich nach dem nächsten ultraschall, weil was ist, wenn du dir das grad alles einbildest? die übelkeit, die ziehenden brüste, das flattern im bauch…“. dabei sollte ich einfach drauf vertrauen können, dass diesmal alles passt. sowohl die zeichen, als auch die umstände (wir haben ziemlich zeitgleich mit der fehlgeburt ein haus gekauft und leben jetzt mit viel platz für viele kinder im puren ländlichen idyll, ich bin inzwischen entfristet und auch bei meinem mann läuft es beruflich besser).
    meine blogposts zur ersten schwangerschaft und dem wunder der jetzigen (ich bin übrigens wieder natürlich schwanger geworden! kein anzeichen mehr von verklebten eileitern!) stehen schon seit monaten und ich will es in die welt posaunen! und auch, wenn ich ganz deiner meinung bin, dass die ersten drei monate dazu gehören und ich auch weiß, dass ich mich nie dafür schämen oder gar entschuldigen müsste, wenn es wieder zu einer fehlgeburt kommt und ich damit auf keinen fall irgendjemanden enttäuschen würden – irgendwas hält mich einfach ab. noch…

    entschuldige für diesen langen kommentar 😀 ich hab das gefühl, ich kompensiere hier gerade meine noch aufgeschobenen blogposts 😉 danke auf jeden fall für deinen post und das verständnis und den push, den ich vermutlich gebraucht habe!

    auf eine wundervolle (quasi virtuell gemeinsame) schwangerschaft!

    • Franziska Wiedemann

      Liebe Susanne,
      herzlichen Glückwunsch erst einmal. Ich bin aktuell 26+0 mit unserem Dritten. Meine Kleinen sind 3,5 und 1,5 und uns haben viele bestaunt bzw. belächelt, dass wir uns bewusst für so kurze Abstände entschieden haben. Ich bereue nichts – auch wenn es durchaus sehr stressige Tage gibt. Aber zum Glück geht es mir blendend und ich kann mich so gut es geht um die Mäuse kümmern. Diese dritte SS ist etwas besonderes für mich, denn das Kind kam zu uns, als meine Omi verstorben ist. Und Geburtstermin ist um ihren Geburtstag rum. Ich hatte in den ersten 12Wochen sehr große Angst es zu verlieren (ich hatte vor dem 2. schon einen Abgang) – eben weil ich denke, dass es kein Zufall ist, dass es zu dem Zeitpunkt kam. Meine Omi lebt so in einem Teil des Kindes für mich weiter.
      Ich wünsche euch allen eine angenehme Schwangerschaft und alles Gute. Habt Vertrauen in euch.
      Ich hoffe sehr, dass dieses Mal nun endlich der Traum der Hausgeburt für mich wahr werden kann.
      Alles Liebe, Franziska

  • Meeresrauschen

    Das waren auch meine ersten Gedanken. Du erzählst es schon vor der 12. Woche? Aber dann wurde mir bewusst, warum, und ich finde es sehr, sehr gut! Bei meinem ersten Kind konnte ich gar nicht schnell genug einen Schwangerschaftstest machen. So aufgeregt und vorfreudig war ich. Der Versuch zu einem zweiten Kind begann mit einer Fehlgeburt in der 9. Woche. Das hat mich sehr mitgenommen. Beim dritten Versuch (dem zweiten Kind dann) bin ich erst sehr spät zum Arzt gegangen, um mir die Schwangerschaft bestätigen zu lassen und ich habe auch lange versucht so wenig Bindung wie möglich zum Kind aufzunehmen. Ich hatte zu große Angst vor einer weiteren Fehlgeburt. Dass sie tatsächlich so häufig vorkommen, war mir überhaupt nicht bewusst. Das habe ich erst später in unzähligen versteckten Botschaften aufgenommen. Das erste Drittel sollte tatsächlich nicht so tabuisiert werden.
    Ich wünsche dir und euch weiterhin alles Gute!
    Liebe Grüße,
    Kathrin

  • Wir bekommen nach dem Sohn, eineiige Zwillinge <3 Ich bin aktuell fast genauso weit wie du liebe Susanne, daher freut es mich hier ab und zu auch Neuigkeiten von Euch zu lesen. Die Sorgen und Ängste und alles weitere was damit verbunden ist waren bei mir genauso, ich denke jede Frau macht sie sich und sie sind auch wirklich wichtig für uns und unsere Schwangerschaft. Alles liebe weiterhin Verena mit den Bauchzwergen
    http://www.stillzwerg.blogspot.de

  • Antonia

    Ich konnte nur mithilfe einer künstlichen Befruchtung und allem Drumherum, was medizinisch möglich ist schwanger werden. Natürlich wussten Familie und enge Freunde darüber bescheid. Daher wussten es auch alle, als es geklappt hatte, schon bei 4+0 beim positiven Bluttest. Die ersten beiden Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt. Beim dritten Mal (der siebenten Versuch der künstlichen Befruchtung) wurde ich mit Zwillingen schwanger, wovon einer leider in der 11. SSW verstorben ist. Das andere Baby kommt hoffentlich in den nächsten Tagen oder Wochen bei uns zuhause auf die Welt. Es war gut, dass mir nahe stehende Menschen von den Schwangerschaften wussten; dass ich Raum hatte traurig und erschöpft zu sein; dass meine drei Sternchen auch „offiziell“ existieren.

    Ich wünsche dir eine gute Schwangerschaft!

  • Josy

    Endlich schreibt mal jemand, dass man in den ersten Wochen auch eine Schwangerschaft öffentlich machen darf. Ich habe es in der Familie und meinen engen Freunden recht früh erzählt, meine Freundinnen waren entsetzt. Aber mein Arzt sagte mir „wissen Sie, es kann immer etwas passieren und ist es nicht schöner, wenn man im Falle eines Falles die Unterstützung der Familie und Nahestehenden hat und nicht dann erst die Nachricht verkünden muss…außerdem brauchen Sie gerade in der ersten Zeit, wo es Ihnen körperlich vielleicht nicht so gut geht hier und da Hilfe und Verständnis…“ Ich bin jetzt in der 13 SSW und es ist mein 1. Kind und vor allem unerwartet, da ich in diesem Leben damit schon abgeschlossen hatte. Mir gehen 1000 Dinge durch den Kopf und durch die schwierige Beziehung zum Vater des Babys brauche ich jede seelische Unterstützung von Familie und Freunden die ich bekommen kann. Aber ich freue mich sehr auf „mein Wunderkind“, dass irgendwie unbedingt den Weg zu mir und auf diese Welt finden wollte…ein großes Geschenk trotz aller widrigen Umstände.

  • Birgit Pauly

    Ich habe drei Kinder und die Schwangerschaften verliefen allesamt unproblematisch, genau wie die Geburten. Die erste Schwangerschaft verdanken wir der modernen Reproduktionsmedizin- da waren die Ängste vor dem Verlust in der Schwangerschaft vorhanden aber nicht übermächtig. Die zweite Schwangerschaft kam sehr überraschend und spontan schon 10 Monate nach der Geburt des ersten Kindes. Da war ich optimistisch ohne Ende, egal ob es das Baby betraf oder mich, ich hatte keine Zweifel, dass ich es auch mit 2 Kindern packe und dass ich auch irgendwann wieder Arbeit finde (meine Stelle lief ein Vierteljahr vor der Geburt aus). Das dritte Kind kam ungeplant, es fühlte sich nicht immer richtig an, ich hatte endlich wieder einen Job und ich wollte weiter kommen. Ich hatte tatsächlich in dieser Schwangerschaft mehr Ängste als vorher- geht auch diesmal alles gut? Ist die Entscheidung gegen die Pränataldiagnostik auch diesmal (ich war 38) richtig? Man, drei Kinder??? Ich habe nur 2 Hände…. Ich habe gerade in der dritten Schwangerschaft ein größeres Geheimnis gemacht, die Schwangerschaft auch kaum thematisiert. Es war eine Mischung aus „Erfahrung“ und „ich habe eigentlich anderes vor und eh keine Zeit dafür“. Die Schwangerenthemen haben mich nicht interessiert. Es ging auch gut aus, mein Jüngster wird in drei Wochen 1 Jahr alt und er ist auch sehr schnell bei uns als Familie angekommen.