Eltern und Handtaschen – wie ich lernte weniger zu brauchen

Ich habe eine besondere Beziehung zu Handtaschen: Ich mag es, eine passende Tasche zur Kleidung zu tragen und all die Sachen bei mir zu haben, die mir wichtig sind. Als ich mein erstes Kind bekam, war das für mich eine große Herausforderung in Sachen Handtaschen, denn ich fragte mich, wie ich neben all den Dingen, die mir wichtig waren, auch noch Sachen fürs Kind einpacken sollte. Und es wurde von allen Seiten suggeriert, dass man für das Kind unglaublich viele Sachen unterwegs bräuchte: Windeln natürlich und Wechselwäsche (komplettes Set), Spucktücher, Wickelunterlage(n), Feuchttücher oder Waschlappen, und später natürlich Getränke und Tupperdosen mit Snacks und ein wenig Spielzeug und/oder Pixi-Bücher für die Bahn. Ein Ausflug glich damit dann eher einer langen Campingtour – schließlich mussten auch meine Sachen noch alle dabei sein. Als tragende Mutter ohne Kinderwagen stellte sich auch die Frage, wie eine riesige Wickeltasche eigentlich noch Platz finden sollte auf mir ohne dass ich in eine bedenkliche Schieflage kommen würde.

Als das zweite Kind kam und ich – obwohl ich viele der Dinge, die ich bei mir hatte nie brauchte – weiterhin alles bei mir haben wollte, legte ich mir einen Rucksack zu. Nur für den Fall, dass unterwegs wirklich dringend etwas benötigt wird. Später wechselte das wieder zu einer Umhängetasche, als ich mir ganz sicher war, dass ich wirklich niemals Wechselwäsche benutzte. Dennoch glich meine Tasche eher dieser Umschreibung von Pamela L. Travers in “Mary Poppins”:

Sie entnahm der Teppichtasche sieben Flanellnachthemden und vier baumwollene, ein Paar Schuhe, ein Dominospiel, zwei Bademützen und ein Postkartenalbum. Ganz zuletzt kam ein zusammenklappbares Feldbett nebst Woll- und Daunendecke zum Vorschein, das sie zwischen Johns und Barbaras Bettchen aufschlug.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich merkte, dass das wirklich Unsinn ist. Tatsächlich nämlich brauchte ich nie Wechselwäsche für die Kinder. Sie haben sich mal bekleckert und natürlich schmutzig gemacht, aber es war nie notwendig, sie komplett neu einzukleiden. Keines der Kinder. Feuchttücher benutzte ich sowieso nie, weder zu Hause noch unterwegs. Es reichten immer ein paar Taschentücher und zur Not konnte man sie auch noch anfeuchten mit Wasser. Eine Windel reichte für die meisten Ausflüge aus. Wickelunterlage? Gewickelt wurde auf dem Boden oder direkt auf der Tasche oder meiner Jacke. Die einzig wirklich wichtige Sachen neben der einen Windel wurde eine Wasserflasche. Zwar kann man in Berlin wirklich an jeder Ecke unterwegs zur Not auch Wasserflaschen kaufen, doch wollte ich aus Umweltgründen lieber eine Mehrwegflasche haben und entschied mich für eine kleine Flasche, die zur Not jeden dringenden Durst löscht. Aus irgendeinem Grund haben die Kinder nämlich sofort nach Verlassen der Wohnung Durst – auch wenn sie vorher gerade getrunken haben.In Bezug auf Plastik-Tupperdosen bin ich ebenso kritisch wie auf die Einwegplastikflaschen und habe mich irgendwann gegen die große Mitnahme von Essen entschieden. Ein Obst wie ein Apfel oder eine Banane tut es auch oder eine kleine Schachtel mit Nüssen. Für Notfälle habe ich für die wilden Kinder immer noch Pflaster dabei und im Sommer auch eine Salbe gegen schmerzhafte Insektenstiche. Aufgegeben habe ich auch das Mitnehmen von Spielsachen, denn sie finden unterwegs ihr Spielzeug und auch als Babys war es nie notwendig, sie unterwegs mit irgendwas zu bespielen – was sie sahen und erlebten war aufregend genug. Selbst auf Spielplätze habe ich mir abgewöhnt Sandspielzeug mit zu nehmen, da es entweder verloren wird oder Objekt eines Streites wird.

Alles in allem zeigte sich also, dass viele der Dinge, von denen ich immer annahm sie zu brauchen, gar nicht wichtig waren. Im Gegenteil: Sie machten mir die Wege durch ihre Last schwer und mich aufgrund der Optik der großen „Mama-Taschen“ nicht froh.

Meine Tasche gehört zu mir. Sie muss auch praktisch sein, vor allem aber muss sie mir gefallen und zu mir passen. Meine letzte richtige Tasche ließ ich mir anfertigen, als ich vor 8 Jahren meinen Job an der Uni antrat – von meinem ersten richtigen Gehalt als Pädagogin. Eine große Ledertasche aus einer kleinen Berliner Manufaktur. Heute brauche ich keine Ringordner mehr mit mir herum schleppen und habe vor zwei Wochen meine neue Lieblingstasche bestellt, die zu meinem aktuellen Leben passt: eine kleine, pflanzlich gegerbte Ledertasche von Maxwell Scott namens Garda. Mit 25 Jahren Garantie und der Frage, ob sie wirklich so lange durchhält bis ich 59 Jahre alt bin – die letzten zwei Wochen hat sie jedenfalls trotz täglicher Inanspruchnahme schon einmal sehr gut überstanden. Was werde ich in 25 Jahren wohl brauchen und bei mir tragen?

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Was jetzt darin ist? Alles, was ich brauche, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin: Geldbörse und Smartphone, Visitenkarten, Rouge, Handcreme, Brillenputztuch, das ich vom Mann geschenkt bekommen habe, da ich mich immer über Flecken auf der Brille beschwere, Kugelschreiber (dient im Notfall bei zu langen Bahnfahrten zur Kinderbespaßung durch Anmalen der Hände). In der mit Reißverschluss verschließbaren mittleren Tasche nehme ich Notfallsachen mit: Pflaster, Stofftaschentuch, Tasche mit Globuli. Im dritten Innenfach befindet sich mein Opinel-Messer für unsere Ausflüge und eine Wechselwindel in einem Plastikbeutel (den ich dann für die nasse Stoffwindel benutze). Das war es schon. Wasserflasche passt notfalls noch mit hinein, ebenso ein kleiner Notfallsnack oder wenn ich ohne Kinder unterwegs bin ein Taschenbuch oder eine kleine Tastatur, die ich ans Smartphone anschließen kann.

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Und wie sieht es bei Euch aus? Was tragt Ihr mit Euch herum und braucht man wirklich eine Wickeltasche? Und wie sehen eigentlich Vätertaschen aus?
Eure

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  • mine

    Oh wei….ich bin eigentlich ne interessante Mischung. ICH bin Fraktion „keine Handtasche“, wenn man mich alleine antrifft hab ich Geldbeutel, Handy und Schlüssel in Jacken- und Hosentaschen-fertig. Brauche keine Handtasche. Trifft man mich allerdings mit Kids an, hab ich ALLES dabei: Von Ersatzwäsche über haltbarem Proviant bis hin zu Einweg-Kühlpads. Man könnte uns mit dieser Tasche irgendwo aussetzen und wir könnten locker 3 Tage überleben *lach*. Ich habe begonnen, alles immer überall doppelt zu deponieren, kl. Sonnencremes etwa oder Handschuhe im KiWa, Auto etc. Lg mine

  • FrauPN

    Es gibt Lieselotte-Pflaster???? Wie toll.

    Tasche ist hier auch so ein Thema… *seufz* Ich bin seit Jahren auf der Suche nach der Richtigen. Momentan ist es ein Rucksack. Eventuell blogge ich auch mehr dazu.

    LG

  • Nicole

    Liebe Susanne, das ist ja mal ein Beitrag, wie geschaffen für mich. Auf meinem Blog habe ich eine ganze Rubrik mit dem Namen: Zeig mir deine Tasche. Darin öffnen Menschen in allen Lebenssituationen ihre Handtaschen für mich. Ich selbst natürlich auch, und den Beitrag schreibe ich oben in die Liste, ich habe dich darauf verlinkt. Hier auch der Link zu allen anderen Taschen-Texten bisher. Übrigens: Tolle Tasche hast du da 🙂 http://nicmag.de/category/nic-mag-menschen/zeig-mir-deine-tasche/

  • Hallo Susanne, die Tasche gefällt mir ganz gut. Wir nehmen aus gegebenem Anlass immer 3 Taschen mit für Unterwegs. Ich denke wir werden auch einen Beitrag zu deinem Blogthema beisteuern können. LG Sascha

  • JesSi Ca

    Was für eine Herausforderung. Wie Du gesehen hast, ich hätte auch ne Woche durch Berlin laufen können, ohne das wir verhungert wären oder die Langeweile eingezogen wäre. Leider fällt es mir sehr schwer und dabei weigere ich mich eine Wickeltasche mit zu schleppen wenn ich meine dreijährige schon schleppe. Ja, auch die wird noch getragen, in der riesen Handtasche befand sich nämlich auch noch eine Trage….

    Und doch versuche ich immer mal wieder ein Teil draußen zu lassen. Dauert bei uns wohl nur noch etwas länger… 😀

    Liebste Grüße
    JesSi Ca

  • daunendecke

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