Lass mich nicht stehen, Mama/Papa!

Wir kennen sie alle: Situationen unterwegs, in denen einfach nichts mehr geht. Nach dem Kindergarten, auf dem Weg vom Spielplatz nach Hause, direkt nach dem Supermarkt. Auf einmal sagt das Kind „Ich kann nicht mehr laufen!“ oder setzt sich einfach auf den Boden und ruht sich aus. Dabei stehen wir da mit vollen Tüten, haben einen engen Zeitplan und/oder sind einfach erschöpft vom bisherigen Tag. Und wir wollen nach Hause. Jetzt. Auch wenn das Kind gerade nicht will. Aber ist es eine gute Idee, dem Kind anzudrohen, jetzt einfach weiter zu gehen und zu hoffen, dass es deswegen folgt?

Versetzen wir uns einmal in die Situation, stehen gelassen zu werden…

Vielleicht kennen wir es selbst: In einem Streitgespräch wendet sich auf einmal eine Person ab, dreht sich um und geht. Wortlos oder vielleicht mit den Worten „Dann bleib eben hier, ich gehe!“ Wie fühlen wir uns? Allein, verlassen, vielleicht ausgeschlossen aus der Beziehung. Vielleicht spüren wir diesen Ausschluss sogar als innerlichen Schmerz. Es verletzt uns, wenn sich eine andere Person von uns abwendet. Dabei sind wir erwachsen, können uns vielleicht sogar in die Gefühlswelt der anderen Person hineinversetzen und auch wenn wir die Situation anders sehen und fühlen, können wir die Handlung des anderen Menschen ansatzweise nachvollziehen. Vielleicht sind wir enttäuscht und finden es nicht besonders nett, stehen gelassen zu werden. Aber wir sind erwachsen, finden uns in dieser Umgebung zurecht, sind handlungsfähig.

Alleinsein setzt Kinder unter Stress und löst Ängste aus

Für Kinder hingegen sieht die Situation anders aus, wenn sie nicht weiter können, wir aber wollen und ihnen erklären, dass wir auch ohne sie gehen würden. Ein Kleinkind kann sich noch nicht vollständig in uns und unsere Absichten und Wünsche hineinversetzen. Es fühlt noch nicht nach, dass wir so erschöpft sind und uns einfach nur darauf freuen, zu Hause nach dem Arbeitstag und anschließendem Einkauf mit Kind die Füße hochzulegen. Es versteht auch nicht, wenn wir verabredet sind und hat noch kein so ausgeprägtes Zeitgefühl, um einschätzen zu können, ob und wann wir zu spät kommen. Es spürt gerade, dass die eigenen kleinen Beine erschöpft sind, dass es heute schon sehr viel kooperieren musste und nun „einfach“ nicht mehr kann. Vielleicht laufen wir auch zu schnell oder es wollte doch eigentlich noch balancieren üben oder der Ameise bei ihrer Arbeit zusehen und hat schlechte Laune, weil wir dafür keinen Blick haben. Jetzt gerade geht es nicht mehr, keinen Schritt. Aus Erschöpfung oder Wut oder Enttäuschung oder irgendeinem anderen Gefühl, das gerade die Oberhand nimmt.

Wenn wir jetzt gehen oder ein Gehen androhen, entsteht bei vielen Kindern Angst: Angst vor dem Alleingelassenwerden. Die Straße ist laut und gefährlich – das jedenfalls erfahren sie täglich von uns, wenn wir sie ermahnen, dass sie nicht zu nah an die Fahrbahn gehen sollen, weil dort die Autos fahren. Nun werden sie an diesem gefährlichen Ort allein gelassen? Von ihrer schützenden Bezugsperson?

Wesentlich für den Aufbau der Bindungsbeziehung in den ersten drei Jahren, aber auch danach, ist die Schutzfunktion der Bezugspersonen: Als Eltern schützen wir das Kind vor Gefahren, sorgen für eine grundlegende Bedürfnisbefriedigung und das Wohlergehen des Kindes. Dem Kind diesen Schutz und die Sicherheit vorzuenthalten, kann sich auf die Beziehung auswirken. Ein „Dann geh ich eben ohne dich!“ bedeutet für das Kind: Ich lasse dich schutzlos zurück, ich sorge mich nicht um dich, ich verlasse dich. Während wir Erwachsene zu großen Teilen für das Sicherheitsgefühl selber sorgen können, sind Kinder auf uns angewiesen, damit sie sich sicher fühlen. Für die Beziehung zwischen Eltern und Kind ist es wichtig, dass sich das Kind darauf verlassen kann, dass diese Sicherheit bedingungslos eingehalten wird: Bindung ist auf Seiten des Kindes ein Sicherheitssystem. Dieses System wird gestört, wenn wir das Gefühl Sicherheit vorzuenthalten als Erziehungsmaßnahme.

Aufgewühltes Kind allein lassen bedeutet, ihm noch mehr Probleme aufzubürden

Gerade in einer Situation, in der das Kind sowieso Schwierigkeiten hat mit sich und der Umgebung, einem Moment, in dem die Synapsen im Gehirn vielleicht in alle Richtungen Informationen aussenden und das Kind einfach nicht weiß, was es eigentlich will, ein Moment, in dem es in einem Konflikt ist, wird ihm zu dem bestehenden Konflikt ein weiterer aufgedrängt: Du hast ein Problem und nun gebe ich Dir ein zweites hinzu, indem ich Dich einfach stehen lasse. Dass Kinder in diesen Situationen dann erst recht zu weinen und zu schreien anfangen und sich vielleicht auf den Boden werfen ist klar: Das Kind ist mit viel zu vielen Problemen überfrachtet und weiß keinen Ausweg. Und es schreit, um nicht allein gelassen zu werden, um beschützt zu bleiben.

Wenn das Kind dann doch kommt – was hat es dann gelernt?

Natürlich kommt das Kind dann irgendwann hinterher. Es kommt, weil es kommen muss, weil es auf Erwachsene angewiesen ist um zu überleben. Es kommt, weil es die Bezugsperson braucht. Es wird hinterher laufen, weil es nicht anders kann. Doch was hat der Erwachsene, der sich seinem Kind gegenüber so verhält, eigentlich gewonnen? Er hat seinem Kind demonstriert, dass er bestimmt, dass das Kind kommen muss und wenn es nicht hört, sich selbst in der „Wildnis“ überlassen wird. Er zeigt: Höre auf mich oder du bist verloren. Blinder Gehorsam statt Zuhören und Verstehen. Und was soll das Kind davon für sein eigenes Verhalten lernen?

Dabei ist dies keine Situation, in der es um einfache Handlungen geht, um Nachhamung, sondern eine Situation, in der es um Gefühle geht: Erschöpfung, Müdigkeit, Wut vielleicht. Und Situationen, in denen es um Gefühle geht, können wir nicht durch Strafen und Gehorsam nachhaltig gut lösen, sondern durch Empathie. Das Kind sollte langfristig lernen, sich in andere hinein zu versetzen und nachzufühlen und zu verstehen, warum wir nun weiter müssen und mit welcher Strategie dies möglich ist. Gelernt werden kann in Stresssituationen aber kaum etwas: Stress behindert das Lernen. Durch Bestrafung werden wir langfristig nichts am Verhalten des Kindes ändern: Es wird nicht beim nächsten Spielplatzbesuch freiwillig sofort mitkommen oder nach dem Supermarktbesuch nicht getragen werden wollen.

Die Alternative

Ja, es gibt Tage, die sind anstrengend. Und wir haben Termine oder das Wetter ist schlecht oder der Einkauf schwer. Oder wir müssen vom Spielplatz aufbrechen, weil es eben schon spät ist. Wir Eltern wünschen uns, dass die Kinder mitkommen und auf uns hören. Und natürlich ist es auch wichtig, dass sie das tun. Besonders in gefährlichen Situationen müssen Kinder wissen, dass sie auf die Stimme der Erwachsenen hören müssen. Ein „Halt!“ an der Straße ist ein „Halt!“ und kein „Ach, ich tapse mal weiter.“

Doch in den meisten Situationen geht es nicht darum. Es geht um Kinder, die vielleicht müde sind vom Tag oder vom Kindergarten. Kinder, die vielleicht einen Marienchenkäfer entdeckt haben und ihn beobachten möchten. Kinder, die gerade selber nicht wissen, was sie wollen oder ihre Grenzen erproben. Es geht ganz einfach um KINDER, keine kleinen Erwachsenen. Wenn unser Kind also nicht hinterher kommt, können wir uns zu ihm beugen und fragen, warum. Vielleicht hat es einen guten Grund und wir nehmen uns einen Moment Zeit dafür. Und wenn es keinen Grund hat, der uns klar ist, dann sehen wir, was wir tun können. Und ja, wir können unsere Kinder auch gegen ihren Willen (respektvoll) auf den Arm nehmen und nach Hause tragen, weil es gerade notwendig ist. Wir müssen sie schützen vor dem Straßenverkehr und die Verantwortung übernehmen dafür, gut nach Hause zu kommen. Noch besser ist es, wenn wir uns einfach daneben setzen und sie durch das, was sie durchmachen, begleiten. Aber wir müssen sie nicht stehen lassen allein auf der Straße. Wir sollten sie nicht stehen lassen allein auf der Straße. Es sind unsere kleinen Kinder und sie haben es verdient, mit dem Respekt behandelt zu werden, den wir uns alle wünschen.

Und darum sollten wir unsere Kinder nicht stehenlassen.
Wie geht Ihr mit diesen Situationen um? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen,
Eure

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59 Kommentare

  1. Hallo Susanne, danke für deinen Text! Ich habe unseren älteren Sohn (3J.) leider schon oft zum gehen gezwungen durch ‚dann gehe ich jetzt halt- oder noch fieser- bleib du halt hier allein‘ bewusst, wie furchtbar das sein muss wurde mir jetzt, nach der Geburt seines kleinen Bruders. Und ich versuche andere Lösungen des Weiterkommens. Ich biete ihm an, unter dem Dach auf ihn zu warten – wenn es regnet, oder eine Pause einzulegen oder ihn in ein Gespräch einzuladen. Manchmal bleibt es nervtötend. Aber ich versuche ihn nicht mehr alleine stehen zu lassen.

    • Es ist ja schön, wenn es anders geht, aber kann mir auch jemand verraten, wie? Wenn ich meinen zweieinhalbjährigen nach dem „Warum“ frage, bekomme ich keine Antwort. Und nebenbei habe ich noch ein Baby im Tragetuch, auf dem Arm oder im Kinderwagen. Wie händel ich denn dann zwei Kinder?

      • Es geht ja nicht darum, die Kinder einfach ihr Ding machen zu lassen. Es geht nur darum, ihnen nicht anzudrohen, sie allein zu lassen oder sie tatsächlich stehen zu lassen oder – wie ich es schon oft gesehen habe – sich auch noch zu verstecken und zu warten bis sie kommen.
        Und im Alltag mit zwei Kindern geht das bei mir durchaus, solche Ängste nicht zu beschwören. Indem ich einfach kurz abwarte. Oder wenn es nicht geht wirklich ein Kind davontrage.

    • Ich finde man muss solche Dinge in der Situation entscheiden. Wenn das Kind allerdings einfach keinen Bock hat weiterzulaufen oder trotzig ist, dann muss es lernen, dass nicht alles nach seinem Kopf geht. Kinder aufs Leben vorzubereiten bedeutet auch dass Kinder sich manchmal dem Allgemeinwohl unterordnen müssen. Es kann ja nicht sein dass man zwei Stunden für einen Weg braucht der 10 min. Lang ist. Auch hier gilt natürlich es erst mit Reden zu versuchen aber wenn man nicht weiterkommt oder die Situation regelmäßig Auftritt erspart eine Mutter dem Kind ebenso Stress wenn sie sich nicht jedes Mal auf diese stundenlangen Situationen einlässt.
      Und ein Kind gegen seinen Willen zu tragen ist nach denselben Maßstäben anzusehen wie stehen lassen. Es ist Quatsch das eine als Machtmissbrauch zu sehen und das andere nicht!

  2. Gutes Thema, genau darum ging es neulich bei uns auch. Schnell ist der Satz gesprochen (auch völlig ohne „trotzendes“ Kind, es ist manchmal für die Leute einfach zu langsam, schaut sich um, entdeckt was Interessantes) „Ok, dann musst du da bleiben, ich gehe jetzt. Tschüß!“. Und die Tatsache, dass der Satz bei so gut wie JEDEM Kind zieht, macht ihn sehr machtvoll. Und ist damit aber auch ein purer Machtmissbrauch den Kindern gegenüber. Das ist leider den wenigsten bewusst. Wie so viele Dinge. Da hilft nur Aufklärung statt Aufregung!
    Ich bin jedenfalls gerade dabei, den Leuten im Umgang mit meinem Kind diesen Satz zu erklären und aus ihrem Wortschatz streichen zu lassen. 😉
    Bei anderen Dingen bin ich durchaus entspannter und lege nicht alles auf die Goldwaage. Hierbei nicht. Weil ich es auch benutzt habe ohne nachzudenken und es mir inzwischen schnell abgewöhnt habe. Und es WIRKLICH anders geht.

  3. Danke. Ich sage in letzter Zeit leider ziemlich oft zu meiner Tochter tschüss und gehe ein paar Meter weiter, in der Hoffnung das sie mir folgt.
    Der Text bringt mich gerade zum Nachdenken.

    Ich werde in Zukunft fragen warum sie stehen bleibt.

    • Ich sag nur, dass ich dann halt alleine gehe und frage, ob sie nicht lieber mitkommen will. Hilft oft. Wenn nicht trag ich sie auch einfach mal.
      Sie darf sich vieles in Ruhe anschauen und ausprobieren, aber manchmal geht es nicht. Lustig, dass hier manche scheinbar nie Termine haben. Klar früher los ist ein toller Vorschlag, da auch immer umsetzbar 😉
      Versuche einen Mittelweg zu finden. Will mein Kind nicht stressen oder ich will auch kein Bummel-Träumer-Kind.
      Und jetzt Feuer frei für alle Perfekten.

      Wer Fehler findet darf sie übrigens behalten.

  4. Gewünschtestes Wunschkind

    Erst letzte Woche habe ich in unserem Blog über „logische Konsequenzen“ geschrieben – dabei ging es auch um eben diese von Eltern am häufigsten gebrauchte Lüge „Dann gehe ich eben ohne Dich“ (http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2014/08/erpressung-logische-und-natuerliche-konsequenzen-liebevoll-konsequente-erziehung-mit-natuerlichen-konsequenzen-die-wenn-dann-falle.html). Im Grunde ist diese Drohung nichts anderes als Erpressung – das Problem ist einfach, dass es so gut funktioniert. Natürlich kommen Kinder fast immer, wenn man sowas sagt – wir spielen dabei ganz bewusst mit ihren Urängsten. Dadurch, dass Sätze wie dieser sich im normalen Sprachgebrauch eingebürgert haben, ist kaum jemandem bewusst, wie grausam wir unsere Kinder teilweise behandeln. Ich versuche mittlerweile ganz ohne solche Konstrukte auszukommen – und ja, es ist, wie Du schreibst – es ist deutlich anstrengender. Aber den Aufwand definitiv wert!

    Liebe Grüße!
    Danielle

  5. Also, zum einen würde ich so etwas natürlich nie an einem wirklich gefährlichen Ort, bspw. einer vielbefahrenen Straße machen. Da ist die Gefahr, dass das Kind womöglich auf die Straße läuft, viel zu hoch! Aber an einer ruhigen Straße, Neubaugebiet, Spielstraßen oder in der Fußgängerzone in der Stadt – warum nicht?
    Ja, ich habe das schon gemacht, es wurde auch „mit mir“ und meinen Geschwistern gemacht und bei niemandem habe ich ernsthafte Schäden entdecken können.

    Du schreibst, der Erwachsene gewinnt dadurch nichts, außer seinem Kind zu demonstrieren, dass er bestimmt, wann Zeit ist zu gehen. – Das ist doch eine ganze Menge! Und natürlich bestimmt der Erwachsene, ich kann ja wohl meine Zeit- und Tagesplanung schlecht einem (Klein-)Kind überlassen. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass mein Kind nie spielen oder die Welt erkunden darf, natürlich darf es das, wenn die Zeit dafür da ist. Aber wann die ist, bestimmt der Erwachsene, nicht das Kind. Ganz einfach.

    • Markus Knöfler

      Herzlichzen Glückwunsch liebe Hannah, Ihr kannt hat also einen Terminkalender, kann noch nicht lesen und schreiben, aber ist ordentlich verplant und hat demnach zu funktionieren.

      Da haben natürlich Bedürfnisse, und herumbocken und trotzden sind eben Ausdruck emotionaler Bedürfnisse, natürlich keinen Platz.

      Das tut mir sehr leid, für Sie, für Ihr Kind und Ihre ganze Familie….

    • Toll Hannah und wieder eine Mutter die ihrem Kind zeigt „ich bin der erwachsene und du nur ein Kind“. In meinem Augen ist das Machtmissbrauch an Kindern. Echt schade das du so denkst und dein Kind nicht so spielen darf wie es das möchte.wie soll dein Kind die Welt erobern wenn es das nur dann darf wenn du dazu just hast.

        • Ja, Kinder müssen so etwas lernen. Nein, sie müssen es nicht durch körperliche oder psychische Gewalt lernen. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. „Ein Klaps“ ist ebenso Misshandlung wie eine Ohrfeige. Wir brauchen an dieser Stelle nicht darüber zu diskutieren, denn es gibt nichts daran zu diskutieren, dass Kinder nicht geschlagen werden dürfen.

    • Hannah, ich glaube, da reden einige selbstgerechte Männer mit, die noch nie in solchen Situationen waren.

    • Das sehe ich genau so. Natürlich bestimmen die Erwachsenen wann für etwas Zeit ist und wann nicht. Wer denn sonst? Kinder an die Macht. Ein Kind in der Trotz Phase vielleicht? In meinen Augen wird was die Kindererziehung angeht viel zu viel auf die Goldwaage gelegt. Wo bleibt eigentlich das Bauch Gefühl? Wenn man sich ein bisschen mit Entwicklungs psychologie beschäftigt erübrigen sich die meisten Eltern Ratgeber.

  6. Tatsächlich lasse ich mein Kind auch nicht stehen doch neulich kam ich an meine Grenzen als mein 3,5 Jähriger im Urlaub ganz genau wusste was er wollte, nämlich nicht mitgehen und stattdessen zornen weil das Hutschauto aus war. Der Versuch ihn zu Tragen endete mit heftigen geschrei und gezappel… Da war mein Latein dann auch bei „Ich geh jetzt zum Lift, wenn du nicht mitkommst musst du allein nachkommen“ angelangt.

    Und wenn ich schwer zu tragen habe und es womöglich noch regnet dann erwarte ich ebenfalls von meinem kind das es mitgeht ganz egal wie interessant die welt sich gerade zeigt.

    Doch ansonsten finde ich es toll geschrieben, gut zum einfühlen.

  7. Mal wieder ein schöner Denkanstoß. Ich mache das durchaus manchmal, aber nicht mittem im Gespräch und nicht, wenn das Kind weint. Ich spreche auch keine Drohung aus im Sinne von, „Dann gehe ich eben ohne Dich“, weil ich das Kind nicht auf diese Idee bringen möchte, ich würde das tun.
    Aber wenn manchmal keine Reaktion kommt, nur Abwehr, das Loskommen sich schon länger zieht und wir einfach keine Zeit mehr haben, dann sage ich, „Dann gehe ich schonmal los. Komm jetzt bitte.“
    Trotzdem denke ich noch einmal mehr darüber nach, ob ich nicht doch noch ein paar Minuten erübrigen kann. Danke.

  8. Danke für den Beitrag!
    Ich bin eine sehr geduldige Mama aber ich muß sagen auch ich hab diesen Satz schon öfter verwendet. Einfach weil ich irgendwann nicht mehr kann. Meine Tochter ist 2 1/2 und ein sehr starkes selbstbewusstes Mädchen. Sie wirft sich auf den Boden. Ich hocke mich neben sie versuche mit ihr zu reden. 10 min später können wir weitgehen. 3 min später dasselbe. Sie wird sauer schlägt mich. Tritt mich, schreit mich an oder läuft davon. Wir wohnen in der Stadt. Es ist gefährlich. Wenn sie dann das 4mal ein weitergehen verweigert… irgendwann reicht es mir.

    Ich weiß ehrlich nicht was ich sonst tun soll außer gehen. Ich habe echt das Gefühl von meiner Tochter fremdbestimmt und tyrannisiert zu werden.

    Aja wenn ich sie hoch nehme haut, zwickt kreischt und beißt sie mich.

    Oft hab ich in der Früh auch das Problem es kaum zu schaffen Sie für den Kindergarten fertig zu machen weil sie auch weigert zu kooperieren.

    Hat wer von euch irgendwelche Tipps?

    • Als mein Sohn etwa in dem Alter war, hat er sich einfach hingelegt und war weder mit gutem Zureden noch mit diskutieren dazu zu bewegen, aufzustehen und weiterzugehen. Und das grundsätzlich dann, wenn ich zwei schwere Einkaufstüten trug. Im allgemeinen lief es so ab, dass er sich hinlegte, ich meine Tüten abstellte, ihr aufstellte, und wir drei Schritte weitergingen. Dann legte er sich wieder hin und das Spiel begann von vorn. Da konnte es schon passieren, dass ich dann einfach einmal weiterging. Allerdings lag er, wenn ich mich nach mehreren Metern umdrehte, immer noch frisch-fröhlich am Boden und ich musste zurückgehen und ihn wieder aufstellen. Diskussionen, gutes Zureden und dergleichen waren sinnlos. Er schrie nicht, er tobte nicht, er diskutierte nicht, er war keinen Erklärungen zugänglich, er legte sich nur einfach auf den Boden und blieb liegen. Die Lösung? Auf die Gefahr hin, dass mich hier nun alle niedermachen: ich gab ihm einen Klaps auf den Po, und dann gingen wir friedlich und einträchtig bis nach Hause.

        • Dann sind also unsre Eltern und Großeltern permanent misshandelt worden und aus Angst und seelischen ist aus ihnen was geworden? Lieber mal ein Klapps auf den Hintern als mir einen Looser ranzüchten, der keinerlei Respekt hat. Kurzum, ich will nicht die Mutter eines heutigen Teenies sein, denn Erziehung ist ja nur bei anderen richtig, die das alles theoretisch perfekt können…woher sollen die Wänster denn Respekt vor anderen Menschen lernen, wenn sie all denen, von denen sie es lernen könnten, auf der Nase rumtanzen dürfen?! Hier läuft was mächtig verkehrt!

          • Nein, sind „unsere Eltern“ nicht. Weder meine Eltern, noch meine Großeltern sind geschlagen worden und mein Bruder und ich – oh Wunder – auch niemals. Weder habe ich einen Klaps bekommen, noch ist ein Loser aus mir geworden. Und als Wenste wurden wir übrigens auch nie bezeichnet. (Damit wären auch gleich einige Rechtschreibfehler korrigiert, die mich störten.)

          • Meine Mutter und ihre Geschwister haben durchaus mal einen Klaps bekommen, ebenso ich und meine Geschwister – und Überraschung, wir leben alle noch und haben keine seelischen Schäden oder sonstwas davongetragen.
            Ich rede jetzt hier nicht von schwerer körperlicher Gewalt oder regelmäßiger Gewalt- natürlich geht das gar nicht! Aber mal ein Klaps auf den Popo oder die Finger, der das Kind mehr erschreckt als dass er ihm wirklich wehtut, in einer Situation, in der das Kind ganz bewusst etwas tut, von dem es weiß, dass es das nicht darf, der schadet nicht! Kann mir keiner erzählen!

    • Ich kenne solche Situationen auch von meiner Tochter.
      Ich hab da letzens was neues ausprobiert und es funktioniert….meistens jedenfalls.
      Wenn meine Tochter zb die schuhe nicht anziehen will(oder angezigenbekommen will) dann sage ich ok dann warten wir bist du bereit dafür bist.
      Allerdings darf sie nur da stehenbleiben wo wir gerade sind…und wir warten .
      Beim ersten mal waren das ewig lange 6 Minuten.
      Aber nun sind es meisten 20 sek. Denn es ist ihr zu fad und soe hat das Gefühl selbst zu entacheiden wann sie bereit ist.
      Prpbiers mal aus .

  9. Meist rennt doch mein fast zwei jähriger Sohn von mir weg, entfernt sich selbst von mir. Also lässt er mich stehen. Ich mag da nicht hinterher, wenn das nicht mein weg ist. Aber er hat doch keine angst, wenn er selbst geht.

  10. Silke Sybille

    Im Tiere sich ist es so, dass die Mütter voran gehen und die Jungen folgen ihnen. Abgesehen von Streßsitutionen finde ich diese Vorgehensweise auch sehr gesund und natürlich. Meinem ersten Kind bin ich viel hinterhergelaufen. Bei den beiden jüngeren bin ich selbstverständlich vor gegangen, wie Entenmütter das zum Beispiel tun. Und sie sind ebenso instinktiv hinterhergelaufen. Völlig streßfrei. Ich kann das empfehlen, einfach mal testen. Einer muss die Führung übernehmen, sagt Jesper Juul. Und das bin selbstverständlich ich. Nicht weil ich mehr Macht habe, sondern mehr Erfahrung. Ich sichere damit mein Kind und in diesem Selbstverständnis ist ein Machtkampf unnötig und kommt viel seltener vor.

  11. Birgit Eichberger

    Ein Kind stehen zu lassen ist nicht nur respekt- und herzlos, es zeugt von einer Machtdemonstration einem schwachen, hilflosen Wesen gegenüber. Es ist sadistisch, weil es das Kind verletzt. Wenn man jemanden liebt, verhält man sich nicht so!

    Btw: „mir hat es auch nicht geschahen“ zeugt davon, wie sehr es in Wahrheit geschadet hat…….

  12. Auch wir haben diesen „Rat“ von so vielen bekommen, unsere Kleine (jetzt 3, noch immer „trotzend“ :)) doch einfach stehen zu lassen – „die kommt schon hinterher“. Und naja, irgendwann dann habe ich es getan. Habe sie in ihrem Ärgernis (das ich nicht anders klären konnte, mein Latein also am Ende war…) stehen lassen und bin gegangen. Und dann ging es erst richtig los und ich denke ihre Reaktion zeigt, worauf Du, Susanne, auch hinaus wolltest: Sie hat angefangen erst recht zu schreien, zu weinen – und zwar hörbar aus tiefster Angst heraus jetzt verlassen zu sein. Als hätte ich sie für immer verlassen und würde niemals zurück kehren. Und nein, es hat am Ende nicht geholfen, sie stehen zu lassen und weiter zu gehen.
    Natürlich nervt und stresst es mich im Alltag mit 2 Kindern, Job und so wenn ich immer erst herausfinden muss, wo nun das Problem liegt und dann vielleicht eine Lösung aufzeigen kann. Ja, das nervt. Ungemein. Seit über einem Jahr! Denn so lange geht diese „Phase“ bei uns schon. Aber wenn wir sie sie selbst sein lassen, auf sie eingehen, ihr helfen oder sie doch einfach mal in Ruhe lassen oder ablenken (getreu dem Motto „Irritiere deinen Feind und du wirst gewinnen“) und uns vor allem die Zeit nehmen – dann „gewinnen“ wir alle.
    Und ja, ich kenne viele Kinder, bei denen das funktioniert, dass sie hinterher „trotten“, wenn sie zunächst stehen gelassen werden. Und ja, auch sie werden groß. Ich glaube auch nicht, dass es da ein „richtig“ und „falsch“ gibt – wie bei so vielen Erziehungsfragen. Ich halte es für wichtig, dass man gemeinsam sich für einen Weg entscheidet und diesen auch geht und dahinter steht – dann aber auch ganz egal was andere meinen.
    Wir sollten uns alle gegenseitig respektieren und so akzeptieren wie wir sind, wie wir unsere Kinder erziehen oder beim Wachsen begleiten – natürlich auch Austauschen, Ratschläge und Tipps sind immer willkommen, aber wenn man es anders/nicht so macht, dann muss das auch akzeptiert werden.

  13. Kristin Stüwe

    Ich würde es nie, niemals mit meinem geliebten Kind machen. Mit mir hat man das gemacht und mir tut es noch heute weh, wenn ich daran denke. Zu dem kommt, dass ich Panik bekomme, wenn ich alleine bin – d. h. mein Partner ist nicht daheim und für mich geht die Welt unter. Ich arbeite intensiv daran, dass ich eine Nacht alleine ohne Panikattacke überstehe, aber das kommt selten vor. Und allein deshalb würde ich nicht auf die Idee kommen mein Kind irgendwo stehen zulassen. Das ist Machtausübung und hat mit Erziehung nichts zu tun.

  14. Ein wundervoller Artikel – lieben Dank von Herzen dafür, dass du immer wieder so einfühlsam für unheimlich wichtige Themen sensibilisierst. Ich habe das Stehengelassenwerden als Kind sehr häufig selbst erlebt und es hat mich traumatisiert – auch wenn es für den einen oder anderen dramatisch klingen mag. Wie du es beschreibst: Es konfrontiert das Kind mit Urängsten. Auch ohne Kinder und mit keinem akuten aktuellen Kinderwunsch lese ich so gern auf geborgen-wachsen.de und hoffe sehr, dass es mir gelingt wird, bei meinen eigenen Kindern auch so feinfühlig zu sein und das nicht in einem stressigen Alltag zu vergessen oder in bekannte Muster zu fallen. Vielen Dank, dass du immer wieder so viele berührende & tolle Themen mit uns Lesern teilst. <3

  15. Tadaaaa…du schaffst es mal wieder wunderbar zu zeigen, wie tief manche Verhaltensweisen in uns Erwachsenen stecken und wie wenig wir sie reflektieren bzw. bereit sind darüber nachzudenken. Danke!

  16. oje, absichtlich missverstanden, was? Natürlich ist das Kind nicht ordentlich verplant aber auch so als Eltern hat man ja ab und an mal Termine. Und nein, dann ist keine Zeit für das Kind, erst einmal die Steine abzutasten oder was auch immer sonst so spannend sein mag und nein, da nehme ich dann auch keine Rücksicht auf diese „Bedürfnisse“, sondern sorge dafür, dass das Kind mitkommt.

    • Hm also ganz ehrlich, dann geht man einfach eine halbe Stunde eher los. So erspart man sich eine menge Stress und alle sind zufrieden

      • Das ist auch einfacher gesagt als getan. Und nein, ich will dann auch auf andere Dinge nicht verzichten, nur damit mein Kind für einen Weg, den es in 10 Minuten gehen kann, eine halbe Stunde brauchen kann und unterwegs jeden noch so interessanten Stein beobachten kann.

        Und noch einmal: Natürlich darf es das auch, wenn die Zeit eben da ist, dann darf es spielen und bummeln und die Welt entdecken. Aber oft genug ist die Zeit eben nicht daund dann ist auch keine Zeit da, früher loszugehen.

  17. Ich sehe das etwas anders. Zwar würde ich nie die Drohung aussprechen, sie alleine im Supermarkt zulassen – zumal ich mich lächerlich mache, da ICH Angst hätte – aber wenn ich klar ausgedrückt habe, dass es jetzt zum Auto geht weil wir sonst nicht pünktlich in den Kindergarten kommen, gehe ich schon mal vor in die Garage. Ziel ist ihr ja bekannt, Weg kennt sie auch. Bei allem Verständnis, wenn ich zur Arbeit muss, muss die Ameisenstrasse eben warten. Wenn man einem Kind die option gibt, alleine zb im Keller zu bleiben, weil Mama zurück in die Küche muss, dann hat es die Wahl. Ich sehe da keinen Machtmissbrauch. Anders natürlich in fremder Umgebung.

  18. Eine ähnliche Aussage steht auch in Jean Liedloffs Continuum Concept: Die Mutter geht voraus und erwartet, dass das Kind ihr eigenverantwortlich folgt. Die Kinder erwarten, dass ihre Eltern voran gehen und sie ihnen folgen können.
    Wobei die Linie zwischen „voraus gehen“ und „weg gehen“ verflixt dünn sein kann.

    • Ja, ich denke, dass ist auch ganz in Ordnung. Vorangehen. Problematisch finde ich eben dieses weggehen mit Androhung „Ich geh jetzt aber!“ und manchmal wirklich vorgehen und sich noch verstecken. Aber ganz klar braucht das Kind den Leitfaden der Eltern.

  19. Ich wüsste zu gerne, was richtig ist, was der perfekte weg. .. Momentan lenke ich die Aufmerksamkeit auf etwas anderes, Tiere, ein Flugzeug etc und dann animiere ich sie zum weitergehen (18 Monate alt) Ich kooperiere also extrem viel und lasse sie sehr oft ihr Ding machen. Wenn ich wieder arbeite geht das natürlich nicht mehr. Reden und erklären hilft viel finde ich. Unser Problem ist momentan, dass sie nicht gewickelt werden will und ich es natürlich trotzdem tue und immer denke, dass ich meine körperliche Überlegenheit dazu nutze, was man auch nicht soll. Bloß ein wunder Po ist auch nicht schön . Es ist schwierig, immer alles richtig zu machen. Ich warte noch auf einen Tag ohne Gemeckere vom Kind 🙂

    • Vielleicht kannst Du sie beim Wickeln mehr einbeziehen? Dass sie die Windel selbst öffnen darf, sich selbst mit einem Tuch säubern kann.

  20. der Text liest sich so, als würden die Eltern ihre Kinder am Boden festkleben und dann weglaufen. Die Kinder haben aber durchaus die Möglichkeit aufzustehen und mit zu gehen.

      • das halte ich für,mit Verlaub, Quatsch. Wenn das „stehenlassen“ wirklich solche Urängste auslösen würde, würden die Kinder doch wohl unbewusst priorisieren und halt hinter der Mama herlaufen, egal, welche anderen Probleme sie vorher noch gehabt haben mögen.
        Und vor allem würden dann solche Situationen doch nicht immer wieder entstehen.

  21. Danke, liebe Susanne! Grad voll unser Thema. Ich ärgere mich immer wieder über mich, wenn ich in das Muster: Wenn Du nicht…dann ..falle.Furchtbar.
    Diese emotionale Erpressung ist schrecklich.
    Ich rutsch da immer zurück, wenn ich wenig Zeit habe und alles nur noch schnell gehen muss. Aber ich arbeite dran 😉

  22. Das würde ich nie machen, da hätt ich viel zu viel Angst, daß er auf dumme Gedanken kommt und dann vielleicht auf die Strasse rennt etc. Wenn’s gar nicht anders geht trage ich ihn eben unter Protest weg- oder schnalle ihn auch unter Protest- in den Buggy. Er ist grad zwei, da geht das noch – und da beruhigt er sich meist schnell wieder.
    Er will sich grad auch nicht wickeln lassen. Da bin ich mit meinem Latein eher am Ende. Besonders bei voller Windel und zappelndem Kerlchen. Sehr unschön, und ich gebe zu, daß ich da auch schon mal laut geworden bin. Und zack – es hat was genutzt. Ob’s gut war keine Ahnung, aber wenn man’s nicht zu oft macht, bringt es in dem Moment schon was.
    Und nun schlachtet mich 😉

  23. Ach,ich könnte mich ja schon wieder aufregen über so manche Kommentare… Es tut mir leid, ist aber so. Von wegen deine (Hannahs) Kinder tun mir leid und so.
    Es ist TOLL, wenn man seinen Weg, seine Kinder zu erziehen, gefunden hat. Aber wieso muss so eine banale Abweichung davon,wie ihr es macht, bzw.wie es im Artikel steht, denn gleich schlecht sein?

    Ich für meinen Teil habe Hannah gleich richtig verstanden und übereinstimme absolut.

    Wo ist das Problem, wenn man seine Grenzen kundtut? Seht es doch mal von der anderen Seite. Also nicht so: „Mama, ich hab eine Ameisenstrasse entdeckt“, sondern: Schatz, ich hab jetzt gerade einfach keine Lust mehr zu warten.“
    Wenn gewährleistet ist, dass mein Kind genügend Bewegung hat und die Aufmerksamkeit und Liebe bekommt, die es braucht…. MUSS ICH NICHT die ganze zeit stehen bleiben und auf es warten. Ich darf auch an mich denken und an meine Ungeduld und mein Gereizt sein, weil ich den ganzen Tag schon damit beschäftigt bin, mich um mein Kind zu kümmern und es zu umsorgen. Das ist absolut gerechtfertigt.
    Ich lasse meine Tochter auch manchmal stehen, nur halt da, wo ihr nichts passieren kann. Und ich glaube nicht, dass es ihr schadet. Das zeigt sie nämlich deutlich, indem sie gerade in die entgegengesetzte Richtung läuft und ihre Welt entdeckt.

    auf Wiedersehen.

  24. sehe ich genauso! Man führt die Kinder. Die Kinder orientieren sich an der Mutter und folgen ihr bei zu groß werden Abstand. Für Trotz-Momente gilt das natürlich nicht, da das Kind mit seiner Wut überfordert ist. Da muss man helfen.
    Es ist total unnatürlich ein 15 kg schweres Kind wegzutragen (gerade wenn man viell. sogar mit einem weiteren schwanger ist), was dann nur wütend um sich schlägt.

  25. Es gibt hier einen Punkt den ich nicht verstehe. Hier werden Mütter fertig gemacht, die ihrem Kind angeblich ganz schlimme körperliche Gewalt antun und gleichzeitig wird das Wegtragen propagiert. Ich stelle mir vor, dass ich in einem Moment gefangen und verzweifelt bin, weil ich keine „richtige“ Entscheidung für mich treffen kann und werfe mich daher auf den Boden um meinen Unmut auszudrücken. Bei mir ist mein Partner. Er versucht mir gut zuzureden, doch in meiner Verzweiflung kann ich mich einfach nicht auf Worte konzentrieren. Weil mein Partner aber einen dringenden Termin hat, möchte er schnell weiter, wir sind eh schon spät dran, weil ich heute immer wieder unbedingt jedes Schaufenster ganz genau anschauen musste und er mich das auch ganz in ruhe hat machen lassen. Also nimmt er mich hoch. Das passt mir auch nicht, doch er trägt mich einfach fort, hält mich entsprechend auch schön fest in den Armen, da ich ja zappel wie ne Verrückte. Für mich ist das genauso körperliche Gewalt wie ein Klaps. Ich gehe mal von einem aus ohne auszuholen, ergo nicht wirklich schmerzhaft, eher erschreckend. Vielleicht kann mich mal jemand über den Unterschied aufklären..?

    P.s.: von der seelischen Gewalt mein Kind allein zu lassen rede ich hier NICHT, also bitte keine Hinweise hierauf

  26. Tamaraaaaa

    Ich finde deine Überlegung sehr gut. Ich verstehe auch, dass man Kinder öfter nach dem Grund ihres Verhaltens fragen soll und mache das auch selbst. Aber bei einem bockigen Kind, welches aus reinem Trotz, aus Lust Grenzen zu testen stehen bleibt, tut es ihm sehr gut gezeigt zu bekommen, wo die Grenze ist. Ein Kind das laufen kann trage ich nicht nur weil es bockt. LG

    • Liebe Tamaraaa, Kleinkinder bocken nicht und haben auch nicht per se „Lust am Grenzen austesten“. Das hat man früher sehr häufig gedacht und gesagt, aber mittlerweile wissen wir, dass Kinder von ihren Abläufen im Denken und der Funktion des Gehirns gar nicht anders können, als sich so zu verhalten. Ich habe hierzu ein ganzes Buch geschrieben mit dem Titel „Ich! Will! Aber! Nicht!“. Weiter führend kannst Du auch hier lesen: https://geborgen-wachsen.de/2014/04/22/trotzen-gibt-es-nicht/

  27. Anne Abheiden

    Hallo,

    Finde deinen Artikel wunderbar, weil er genau das trifft, was ich von meinem Gefühl her empfinde. Ich mag und könnte meine Tochter auch nicht stehen lassen. Aber im Umfeld gibt es so viele, die mir zu so etwas raten oder das so machen und es för so selbstverständlich halten…..

    Glg Anne

  28. Ach du Sch*****, so hab ich das noch nie gesehen… Danke für´s Augen öffnen!!! Ich bemühe mich immer sehr einfühlend zu sein, mein Kind zu verstehen doch bei meinem momentan 4-Jährigen bin ich gerade selbst an der Grenze meiner Kräfte als alleinerziehende Mutter. Besonders wenn er von Papa nicht nach Hause will weil dort so viele Spielsachen sind und er sich nie alleine beschäftigen muss, bei mir aber schon. Aber ich weiss jetzt zumindest was ich nicht mehr machen werde, auch wenn es wirkt: wenn er nicht kommen will davongehen.

  29. Dieser Beitrag spricht aus, was mein Gefühl mir vor einigen Tagen signalisiert hat. Ich erwarte mein erstes Kind und kann daher noch nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Aber wir waren vor einigen Tagen im Wildpark und vor uns rief eine Mutter laut „Tschüss, wir gehen jetzt“. Aus der Richtung, aus der wir gekommen waren, kamen drei Kinder angelaufen. Der Jüngste machte dabei so einen erschrockenen, hilflosen Gesichtsausdruck, dass sich mir das Herz zusammenzog. Ich hoffe sehr, dass ich mir dieses Bild bewahren kann, um meinen Junior niemals in eine solche Situation zu bringen.

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