Neue Wege – Mütter und ihre Jobs: Chemikerin Dr. @FrauBruellen

Working Wife

Heute gibt es mal einen anderen Eindruck in dieser Reihe über Mütter und ihre Jobs: Dr. @FrauBruellen ist Chemikerin und arbeitet in der Schweiz. Sie hat nach der Geburt ihrer Kinder keinen wirklich neuen Weg eingeschlagen, sondern ist auf ihrem Weg geblieben und hat mit viel Organisation alles so angepasst, dass es passt: Beide Kinder gehen in die Krippe, sie arbeitet Teilzeit in einem großen Pharmaunternehmen und bloggt unter „Gut Gebrüllt“. Hier könnt Ihr Ihren Weg nachlesen:

1. Was hast Du früher gemacht / wo hast Du früher gearbeitet?

Bevor ich mit unserem grossen Sohn (mittlerweile 8.5 Jahre) schwanger wurde, habe ich Chemie studiert, promoviert, bin mit meinem damals noch Freund, mittlerweile Mann dann nach Basel gezogen, und habe in einem (damals noch) relativ grossen Chemieunternehmen 3 Jahre (Vollzeit) als Projektleiterin in der Verfahrensentwicklung gearbeitet.

Naturwissenschaften sind ja (leider) sowieso ein männerdominiertes Fach, wenn man dann als Chemikerin noch dazu nicht in Forschung/Analytik arbeitet, sondern eben produktionsnah, werden es nochmal weniger Frauen.  So war ich in meiner Abteilung die einzige Frau, in der Nachbarabteilung gab es aber immerhin noch eine Kollegin (mit der ich übrigens nach über 10 Jahren und mehreren Jobwechseln immer noch sehr gut befreundet bin). Ich finde es übrigens überhaupt nicht schlimm, mit so vielen Männern zusammenzuarbeiten, sonst hätte ich mir diesen Job ja nicht ausgesucht  ;-). Ein bisschen weibliche Solidarität hilft aber trotzdem. Manchmal.

2. Warum wolltest Du nach der Geburt/Elternzeit einen neuen Weg gehen?

Zu dieser Frag muss ich zuallererst sagen, dass der Weg so neu und anders eigentlich nicht ist. Wer hier jetzt eine Geschichte a la „Wie ich von der Chemie umsattelte auf die Herstellung von Sternzeichentellern in Heimarbeit und warum das das Beste ist, was mir je passiert ist“, der/die wird vermutlich enttäuscht sein.

Als ich (sehr geplant, wie eigentlich alles in meinem Leben ;-)) schwanger wurde, war mir von Anfang an klar, dass ich erstens nicht aufhören würde zu arbeiten und zweitens, dass ich mir (und meinem Kind) eine relativ ausgiebige Babyphase gönnen würde.

Hintergrund für diese beiden Punkte ist: meine Mutter hat ihren Job aufgegeben und ist voll zu Hause geblieben. Nach 21 Jahren „Kinderpause“ haben meine Eltern sich sehr unschön getrennt und meine Mutter musste wieder in ihren alten Job zurück. Das war für sie sehr, sehr schwierig, ihr Lebensplan hatte etwas ganz anderes vorgesehen und dann aus purer Existenzangst nach über 20 Jahren Pause wieder gezwungen zu sein, etwas aufzunehmen, mit dem man schon vor langer Zeit abgeschlossen hat, das ist eine Erfahrung, die ich nicht gerne miterlebt habe. Ich hoffe und plane natürlich, mit meinem Mann bis an unser Lebensende in weiter, weiter Ferne glücklich verheiratet zu bleiben, keine Frage, aber wenn das nicht funktionieren sollte oder ich aus anderen Gründen (Unfall, Krankheit, der Mann will auf einmal Sternzeichenteller in Heimarbeit machen) auf einmal gezwungen sein sollte, für unsere Familie finanziell zu sorgen, dann möchte ich das können.

Dazu kommt natürlich, dass ich mein Studienfach aus reiner Begeisterung gewählt habe, dafür viel Zeit und Herzblut investiert habe, und für mich finde, dass ich nicht studiert, promoviert und Stipendien bekommen habe, um „nur noch“ Windeln zu wechseln, Bilderbücher vorzulesen und Schulaufgaben zu kontrollieren. Ausserdem finde ich es wichtig, dass meine beiden Söhne sehen, dass eine in jeder Hinsicht gleichberechtigte Partnerschaft sehr gut funktionieren kann und das hoffentlich so einmal an ihre Partnerinnen weitergeben können.

Zum anderen konnte ich auch nicht aus meiner von einer 100% „Stay at home“-Mom erzogenen Haut und hatte das Gefühl, mein Kind solle wenigstens laufen können und sich artikulieren, bevor es in eine Kinderkrippe kommt. Ausserdem wollte ich danach reduziert wieder einsteigen, ich orientierte mich da an dem Modell, dass meine einzige Kollegin ein Jahr vor mir etablierte: 60% Pensum, davon 2 volle Tage in der Firma, 1 Tag verteilt über die Woche Homeoffice. (Hier in der Schweiz oder zumindest im Basler Raum ist Teilzeit meistens auf der Basis von vollen Tagen, d.h. 20% = 1 Tag/Woche, 40% 2 Tage/Woche etc.)

Dementsprechend habe ich mit harten Bandagen um ein Jahr unbezahlten Urlaub nach dem Mutterschaftsurlaub gekämpft (in der Schweiz sind je nach Unternehmen 16 – 18 Wochen bezahlter Mutterschutzurlaub üblich; ich musste dem damaligen Chefchef erstens mit Kündigung drohen, falls er mir die zusätzliche unbezahlte Zeit nicht genehmigen würde, und zweitens hoch und heilig versprechen, die Abteilung danach für zwei Jahre nicht zu verlassen und genauso lang nicht schwanger zu werden. Ja, rollen Sie ruhig die Augen, das habe ich auch getan, mein direkter Chef nahm mich damals beiseite und meinte: „Sag ja, dann kriegst Du, was Du willst, und er hat sein Gesicht nicht verloren. Was will er denn schon machen, wenn Du wieder schwanger wirst? Feuern kann er dich nicht deswegen und dich zwingen, zur Strafe den Parkplatz zu fegen, auch nicht.“).

Also nahm ich mir die Auszeit, besichtigte mit dem Hübschen Kinderkrippen in der Stadt (dank sehr vielen internationalen Unternehmen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich ernst nehmen und dementsprechend Betreuungsmodelle fördern, gibt es eine grosse Auswahl  an verschiedensten Einrichtungen, Waldorf, Montessori, Wald, Steiner, bilingual, „normal“ ….), wir entschieden uns dann für einen Platz in einer „normalen“ (;-)) Einrichtung, in der unser Arbeitgeber auch Plätze reserviert hatte. Das Jahr Babyauszeit war für mich sehr wichtig, einerseits, um mich mit der neuen Situation zu arrangieren (bisher hatten der Mann und ich immer alles genau parallel gemacht, jetzt auf einmal …. war alles anders), mich voll und ganz auf den neuen Menschen in meinem Leben einlassen zu können, mich an den Schlafmangel zu gewöhnen, andererseits aber auch um Freunde ausserhalb der Arbeit zu finden, aber auch, um zu merken: Die Entscheidung, mit dem Arbeiten weiterzumachen, war absolut richtig. Mir fehlte die Ansprache von Erwachsenen jenseits von Spielplatz- und Babyschwimmunterhaltungen, mir fehlten eigenständige Leistungen.

Nach der Pause (incl. Krippeneingewöhnung) kehrte ich also mit reduziertem Pensum zurück und das funktionierte eigentlich wunderbar: Statt im Schnitt drei Projekten wie vorher bearbeitete ich zwei parallel, die Mitarbeiter und Kollegen (und ich) arrangierten uns relativ schnell mit der Situation, dass ich „nur“ zwei Tage die Woche da bin und halt sonst „nur“ telefonisch/per Mail erreichbar bin. Die Daheimtage verbrachte ich auf Spielpätzen, im Park, auf ausgedehnten Laufradspaziergängen, beim Basteln, Büchervorlesen, wir hatten es richtig gut.

Nachdem ich dann (brav) die versprochenen zwei Jahre gewartet hatte (nicht nur deswegen, auch weil der grosse Sohn ca 4 Jahre keine Anstalten machte, nur ansatzweise durchzuschlafen und überhaupt), wurde ich (wieder total geplant) zum zweiten Mal schwanger (der kleine Sohn ist mittlerweile 5 Jahre). Am Tag vor dem positiven Test wurde mir ein neuer Job angeboten, im Wissen, dass ich „nur“ Teilzeit arbeite, und nach zwei Tagen Bedenkzeit und einem positiven Test ;-), sagte ich zu, allerdings mit der Vorwarnung „Ich bin schwanger, in neun Monaten müssen wir eine Vertretungsregelung für eine gewisse Zeit finden“. Meine neue Chefin wollte mich trotzdem und wir einigten uns von vornherein darauf, dass ich diesmal nicht so lange pausieren würde, sondern nach einem halben Jahr (gesammelter Urlaub und Mutterschaftsurlaub) wieder zurückkommen würde. Mittlerweile waren wir aufs Dorf gezogen, der grosse Sohn hatte die Kinderkrippe gewechselt und ich war mir sicher, dass auch der Kleine dort sehr gut aufgehoben sein würde. Genauso haben wir das dann auch gemacht, und es lief und läuft einfach wunderbar (Loblieder auf unsere Kinderkrippe finden Sie bei mir auf dem Blog ;-)).

Mittlerweile habe ich aus verschiedenen Gründen den Arbeitgeber zweimal gewechselt. Die Stellensuche in meinem Bereich ist, wenn man eine Teilzeitstelle sucht, nicht ganz einfach, weil es einfach wenige designierte Teilzeitstellen gibt. Ich habe mich jeweils auch auf viele Vollzeitstellen beworben, und entweder im Anschreiben (besser!) oder beim Gespräch erwähnt, dass ich gerne Teilzeit arbeiten würde, und so kam ich letztendlich auch zu meinem aktuellen Job.

Lustigerweise war bei den beiden grossen Pharmaunternehmen hier parallel eine identische Stelle (Betriebschemiker/in in der Marktproduktion) ausgeschrieben, natürlich Vollzeit, ich habe mich also parallel bei beiden mit den identischen Unterlagen beworben (und der Aussage, dass ich aktuell 60% arbeiten würde, aber bereit wäre, auf 80% zu erhöhen) und von beiden Unternehmen innerhalb 24h eine Rückmeldung bekommen: „Sie wissen aber schon, dass die ausgeschriebene Stelle eine Vollzeitstelle ist?“ Die Reaktion auf meine Antwort war einmal: „Okay, dann nicht“, und einmal „Okay, aber da lässt sich was machen, wir wollen Sie unbedingt.“ Ist auch eine Aussage, oder?

Und so wurde für mich eine Teilzeitstelle geschaffen und ich war mir von Anfang an sicher, dass mein neuer Arbeitgeber das mit „a great place to work“ ernst meint ;-).

3. Erkläre kurz, was Dir an Deiner Arbeit besonders gefällt.

Kurz ;-)?

Also: zur Arbeit an sich: ich liebe Chemie und Naturwissenschaften, ich bin ein sehr praktischer, organisierter (ist das jemand aufgefallen, bisher?) und pragmatischer Mensch. Deshalb liebe ich es, im Produktionsumfeld zu arbeiten. Wenn alles gut läuft, bekomme ich den Bestätigung für meine Arbeit jeden Tag in Formen von (sehr schicken, türkisfarbenen) Fässern voller Wirkstoff, die vor dem Bau stehen und Richtung Lager / Galenik abtransportiert werden. Wenn etwas nicht so läuft, muss so schnell wie möglich eine Lösung her, weil: Zeit ist Geld und jede Stunde, die nicht produziert wird, ist viel Geld. Ausserdem muss die Lösung sehr durchdacht und perfekt abgesprochen mit Qualitätsabteilung und Kunden/weiterverarbeitendem Betrieb sein, weil wir ja etwas produzieren, was kranke Menschen zu sich nehmen und da darf die Qualität nienienienienie irgendwie fragwürdig sein. Ausserdem liegt unser Areal mitten in der Stadt, d.h. auch in Sachen Sicherheit müssen wir perfekt sein. Ich mag das, es gibt nämlich keine Hintertürchen, kein Vertuschen, alles wird offen dargelegt und so dokumentiert, dass es auch noch in 50 Jahren bei einer Behördeninspektion rausgezogen werden kann und man sagen kann: „Schaut, das lief falsch, das haben wir deshalb gemacht, das haben wir uns dabei gedacht, diese Risiken haben wir betrachtet, deswegen sind wir überzeugt, davon, dass alles mit rechten Dingen zuging.“

Ich arbeite auch gerne mit Menschen zusammen und dieser zwischenmenschliche Teil ist bei der Arbeit in der Produktion ein wesentlicher Faktor. Wir haben zwar viele Maschinen (die ich ganz grossartig finde, wenn es irgendwo im Kopf hakt oder ich grad nicht weiterkomme, ziehe ich meine Sicherheitsschuhe an, meine Laborkittel, – brille und Kappe über, und gehe in den Betrieb. Schaue in die Kessel, überprüfe Rührerdrehzahlen und freue mich wie ein Schnitzel, dass das, was ich im Studium auf dem Papier gelernt habe, jetzt hier in 6300L-Kesseln vor mir rührt.), aber noch mehr Mitarbeiter. Mit diesen Menschen, die grossteils wirklich sehr hart körperlich arbeiten, auf einem so diffizilen Gebiet zusammenzuschaffen, die Motivation für die Einhaltung von vielleicht auf den ersten Blick unsinnige  Regeln hochzuhalten, Freud und Leid von sehr vielen Leuten, die sich aufeinander verlassen müssen, das ist grossartig. Da macht es mir echt gar nichts, bei uns im Betrieb die einzige Frau zu sein ;-).

Dann zum nicht ganz so themengebundenen: ich geniesse es sehr, neben meiner Familie einen „eigenen“ Bereich zu haben, der mir Selbstbestätigung gibt. Ich bin stolz auf eine Arbeit, bin insofern beruhigt, als ich weiss, dass ich in meinem Job genug verdiene, um meine Familie im Notfall allein über die Runden zu bringen, dass ich für das Alter vorsorge und nicht voll von meinem Mann und Sozialsystemen abhängig bin.

Ich hoffe, meinen Söhnen ein Rolemodel zu sein, sowohl für eine berufstätige Mutter und gleichberechtigte Partnerin, als auch für eine Frau in einem technischen Beruf (okay, in der Hinsicht wäre es natürlich toll, wenn ich eine Tochter hätte, aber eben: ich hoffe, meine Jungs sagen später nienienienie „Das ist aber nix für eine Frau“).

4. Wie gestaltest Du jetzt Deinen Alltag mit dem Job und Deiner Familie?

Unser Alltag ist sehr durchstrukturiert. Morgens stehen wir um 6:00h auf, die Kinder sind um 7:00h in der Kinderkrippe, dort frühstücken sie und machen sich dann auf den Weg in Schule und Kindergarten, die erst um 8:30h anfangen. Mittagessen bekommen sie dann auch in der Kinderkrippe und je nach Nachmittagsprogramm gehen sie dann wieder in Schule/Kindergarten oder sie bleiben in der Krippe, bis wir sie gegen 17:30h abholen.

Mein Arbeitstag beginnt (Produktionsleute stehen früh auf und fangen früh an ;-)) so gegen 7:30h und ich versuche, meist gegen 17:00h das Büro zu verlassen. Wenn das nicht geht, holt mein Mann die Kinder ab oder eben umgekehrt.

Zu Abend gegessen wird gemeinsam (der Mann fehlt manchmal, weil er noch einige Sporttermine am Abend hat), danach werden die Hausaufgaben (die werden in der Kinderkrippe gemacht) kontrolliert, gemeinsam die Sachen für den nächsten Tag (Turnen? Waldtag? Projektwoche? Bibliothek?) gepackt. Damit wir nichts vergessen, hat sich das Teilen unserer Google-Kalender bewährt, in die alle Schul/Kindergarten-Termine, Sportsachen, Elternabende, Kindergeburtstage etc. eingetragen werden.

Ich bereite die Znüniboxen (=Pausenverpflegung) für die Jungs jeweils am Abend vorher vor, morgens muss ich sie nur noch aus dem Kühlschrank nehmen und mit Getränk bereitstellen.

Freitzeittermine der Kinder (Schwimmkurs, Karate, Pfadis) finden entweder am Wochenende statt oder eben am Spätnachmittag, wo sie (Dorfleben rulez!) entweder alleine hingehen oder mit Nachbarskindern, und wir sie danach abholen.

Die Abende habe ich dank mittlerweile relativ problemlos einschlafender Kinder frei, ich mache mindestens jeden zweiten Abend Sportprogramm auf dem Crosstrainer, das war eine Art Kompromiss, als mir das Drumrum um eine Fitness-Studio-Mitgliedschaft zu aufwändig war, ich aber das Sporteln unbedingt beibehalten wollte.

Da die Produktion 24h/7d läuft, kann natürlich immer mal was sein, d.h. zu meinem Job gehört es auch (ausser im Urlaub) 24h/7d erreichbar zu sein, aber ganz ehrlich? Das ist nach 5 Jahren ohne Durchschlafen ja eine Art Heimspiel. Rufen Sie mich nachts um drei an, ich kann so lange so tun, als ob ich kompetente Fragen stellen würde, bis ich wirklich wach bin und dann Entscheidungen treffen ;-).  Nichtsdestotrotz bleiben die Freitage, Wochenenden und Abende eigentlich grösstenteils arbeitsfrei und Familienzeit. So kann ich die Familienzeit auch richtig geniessen, weil sie eben durch die Abwechslung mit der Arbeit nie langweilig wird. Ich versuche (und das klappt eigentlich ganz gut), mir das Arbeiten als Auszeit von der Familienzeit und die Familienzeit als Auszeit von der Arbeit zu visualisieren. Und so ist Hausaufgabekontrollieren, Geschichten über Freundschaftsstreitigkeiten und Ungerechtigkeiten beim Schulfussball anhören nach einem Tag voller anstrengender Sitzungen wie Urlaub, genau wie ich mir in mancher langatmiger Risikoanalysensitzung denke: „Hey, immerhin schmeisst niemand den Kaffee um und wälzt sich vor Unmut auf dem Boden!“.

Haushaltssachen teilen mein Mann und ich uns relativ 😉 fair (wir haben eine Putzfrau, die theoretisch einmal in der Woche kommt, aber das läuft im Moment eher suboptimal), den freien Freitag (der kleine Sohn hat in seinem ersten Kindergartenjahr immer noch freitags frei) nutze ich (neben Exklusivzeit für ihn) für den Wochengrosseinkauf; Wäsche, Katzenklo ;-), Garten, Küche etc., das haben wir (nach einem festen, aber nicht fixierten  😉 Plan) im Griff.

Wenn irgendetwas ausser der Reihe kommt, sei es Planbares (Geschäftsreisen, unverschiebbare Termine für mich am Freitag oder so) oder Unplanbares (kranke Kinder) teilen wir auch das, und die Betreuung wird nach Machbarkeit aufgeteilt. So kommen wir (bisher, toitoitoi) wirklich gut hin auch ohne Grosseltern vor Ort, die einspringen können und wollen.

Wenn der kleine Sohn im nächsten Schuljahr dann auch Freitag morgen in den Kindergarten geht, werde ich mein Pensum auf 90% erhöhen (an den Ferienfreitagen werde ich meine Überstunden abfeiern ;-)), ich bin mal gespannt! Genauso binich gespannt, wie (ob?) sich das aktuelle Konstrukt ändert, wenn der grosse Sohn in ein paar Jahren auf eine weiterführende Schule kommt und die Kinderkrippe (geht hier bis 12 Jahre) nicht mehr für ihn da ist. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen hin.

5. Würdest Du Deinen neuen Job anderen Müttern empfehlen? Wenn ja, warum?

Naja, ich bin mir schon im Klaren darüber, dass ich nicht alle Mütter (oder Frauen überhaupt) dazu bekehren kann, in der Chemieproduktion zu arbeiten, aber darum geht es mir auch nicht.

Ich möchte viel eher Mut machen, dass Kinder nicht automatisch heissen, dass man sein Berufsleben total umkrempeln muss. Es gibt heutzutage immer mehr (auf jeden Fall erlebe ich das hier in der internationalen Ecke der Nordwestschweiz ;-)) Unternehmen, die realisiert haben, dass sie mit vernünftigen Modellen für Vereinbarkeit von Familie und Beruf (für Frauen UND Männer) eine hochkompetente Angestelltengruppe dazugewinnen. Und wenn das schon im sehr sehr traditionell geprägten Produktionsumfeld schon angekommen ist, dann ist das an anderen Orten auch möglich.

So ein Lebensmodell ist natürlich auch nicht für jeden, das ist mir auch klar. Für mich ist das nur machbar, weil wir eine Kinderbetreuung haben, die all das erfüllt, was ich mir in der Hinsicht wünschen kann. (Das habe ich hier ein bisschen aussen vor gelassen, aber auf meinem Blog habe ich da schon das eine oder andere Mal geschwärmt ;-)). Beide Kinder gehen sehr gerne hin, haben ihre besten Freunde so den ganzen Tag um sich, lernen, sich in einer Gruppe zu sozialisieren und zu behaupten, es geht ihnen gut dort. Die Zeit zu Hause geniessen sie natürlich auch ;-).  Ausserdem habe ich mit meinem Mann einen Partner, der dieses Modell mitträgt und -gestaltet, und seinem Chef auch mal sagt: „So,heute komme ich später, weil ich mit dem Kind zum Arzt muss“. Und drittens ist es natürlich so, dass einem das trotz aller hehren Absichtserklärungen von Corporate Communications trotzdem nicht geschenkt wird. Man (Mann und Frau ;-)) muss für seine Vorstellungen und Wünsche kämpfen und sie vertreten und verteidigen. Eine schlagfertige Antwort auf das alldonnerstägliche „Oh, so schön wie du möchte ich es auch haben, jetzt schon Wochenende“ ist da nur der Anfang.

Ich habe ausserdem in den letzten 8.5 Jahren gelernt, dass sich das Modell mit der Zeit auch wandeln kann. Ich hätte mir mit meinem neugeborenen Kind auf dem Arm auch nicht vorstellen können, dass ich irgendwann, bevor er 18 Jahre ist, wieder mit voller Überzeugung 80% und mehr arbeiten würde. Das Modell muss im Moment stimmen, man muss sich nicht für das ganze Leben darauf festlegen (da ist für mich Planungsjunkie eine schwierige Lektion gewesen ;-)).

Vielen Dank an @FrauBruellen für das Interview. In der nächsten Woche findet Ihr hier das Interview mit Kathrin Roth von Mamazeit Berlin – Mütterpflege und TrageberatungHast Du auch einen Job, den Du hier vorstellen möchtest? Dann schreib mir an [email protected]

Bisher in dieser Reihe erschienen sind Interviews mit Doula Denise WilkEva Ella Hartmann von ringelmiezBettina M. Kreissl Lonfant von der Agence PhilosophiqueAnna Luz de León von BerlinMitteMomRamona Weyde-Ferch von jademond.de,Stephanie Oppitz von der Windelmanufaktur, und Simone Janke als me&i-Beraterin.

Auch Elke Peetz hat sich des Themas angenommen und zeigt hier 100 Probleme und 100 Lösungen von FrauenAlex Kahl ruft zu einer Blogparade zum Thema familienfreundliche Arbeitgeber auf.

  • Michaela Braun

    Wie immer sehr spannend! Ich finde es sehr spannend Eindrücke in die verschiedenen Lebenswelten zu bekommen.
    LG, Micha

  • sarii87

    Hallo Susanne,
    vielen Dank für dieses tolle Interview. Ich fühle mich wieder sehr bestärkt (auch unabhängig vom Interview natürlich), meinen Job-Weg auch mit zwei Kindern so zu gehen, wie ich es für richtig halte.
    Ich freue mich über weitere Einblicke!

    Viele Grüße
    Sarah (von mamaskind.de)

  • Wilki Way

    Sternzeichenteller malen in Heimarbeit

  • mutti

    Klasse! Ich finde es prima, nicht immer nur „ich hab mich neu orientiert weil es in meinem alten Job zu stressig mit Kindern war bzw die Vereibarung nicht klappt“ zu hören. Ich hab mir auch meine Traumjob ausgesucht u genau den will ich auch als Mutter. Deshalb kämpfe ich dafür, dass die Bedingungen dort besser werden statt zu flüchten.