Neue Wege – Mütter und ihre Jobs: Doula Denise Wilk

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Seit vielen Jahren arbeite ich als Familienbegleiterin. Meine Ausbildung habe ich bei der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Frauengesundheit e.V. gemacht. Darüber lernte ich auch Denise kennen, die u.a. als Doula arbeitet und mittlerweile 6 Kinder (und ein Stiefkind) hat und selbständig als Geburtsbegleiterin und Eltern-Kind-Kursleiterin arbeitet. Wie sie das macht, könnt Ihr hier lesen:

1. Was hast Du früher gemacht/wo hast Du früher gearbeitet?

Als ich 1993 von Freiburg nach Berlin zog, machte ich ein soziales Jahr in einem Kinderhort. In dem Jahr wollte ich für mich sortieren welche berufliche Richtung ich einschlagen wollte, denn ich hatte schon immer zwei starke Neigungen: eine künstlerische und eine soziale. Ich war knapp davor Schauspiel zu studieren, das war aber familiär belegt und dies hielt mich davon ab. Dafür bin ich heute dankbar, denn was ich heute tue ist weniger Beruf als Berufung. Ich studierte zunächst an der Humboldt-Universität Kulturwissenschaften, später Lehramt und das sehr schöne Fach musisch-ästhetische Erziehung.

2. Warum wolltest Du nach der Geburt/Elternzeit einen neuen Weg gehen?

Als 1995 mein erster Sohn als geplantes Wunschkind (muss ich immer dazu sagen, aufgrund meines jungen Alters unterstellte jeder einen “ Unfall“ …) geboren wurde, studierte ich weiter, fand mich im Studium allerdings nicht mehr wieder und konnte daraus auch keine berufliche Perspektive entwickeln. Aber durch die Geburt von Louis geschah bei mir so etwas wie eine Initialzündung.

Nicht zuletzt aus einem während der Geburt erlebten Mangel an Empathie und liebevoller Betreuung. Ich wollte ab diesem Zeitpunkt Frauen zur Geburt begleiten, Familien stärken, in der Zeit von Schwangerschaft, Geburt, und den ersten Lebensjahren Ansprechpartnerin sein. Ich hatte dieses Ziel ganz deutlich vor Augen, war aber erst, sehr gerne, 3 Jahre mit meinem Sohn zu Hause und arbeitete nebenbei als Tagesmutter. Da Louis‘ Papa Amerikaner ist und wir einige Zeit in San Francisco verbrachten, war mir das Doulawesen bekannt. Aufgrund der prekären Geburtssituation (kaum Hebammen), wurden die Doula‘ s in den USA schon in den 90er Jahren sehr gebraucht. Ich beschloss Sozialpädagogik zu studieren und wollte danach in den USA eine Doulaausbildung machen. Doch durch die Geburten meiner 3 weiteren Kinder mit einem neuen Mann, verlängerte sich mein Studium dem entsprechend. Als ich mein Diplom fertig hatte tat sich in Berlin eine neue, tolle Möglichkeit auf. Anke Soumah hatte mit der GfG eine Weiterbildung zur GfG-Doula entwickelt. Ich musste nicht mehr in die USA zur Ausbildung sondern einfach nach Schöneberg. Ganz wunderbar! In den Jahren zuvor begleitete ich Freundinnen zu ihren Geburten. Arbeitete im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst. Ich wollte aber auch noch ein Zertifikat und auch den Austausch mit anderen Frauen. Schon vor der GfG-Ausbildung arbeitete ich als Kursleiterin für Eltern-Kind-Gruppen nach eigenem Konzept, welches ich mit meiner Freundin Christina Leuschner -Krakau, ebenfalls Sozialpädagogin und Motopädin, entwickelte. Im „Bewegungsgarten“ wachsen wir seit fast 10 Jahren gemeinsam mit den Babys und ihren Eltern. Das Angebot gibt es über den Familiensportverein „Pfeffersport“ .Einige Jahre leitete ich auch wöchentliche Psychomotorik- Angebote in Kitas an, auch über Pfeffersport, der viel Bewegung ins Berliner Leben bringt, demnächst eröffnet der Verein die erste eigene Kita als Träger.

3. Erkläre kurz, was Dir an Deiner Arbeit besonders gefällt.

Ich kann meine Arbeit kaum als solche bezeichnen. Mein außerhäusiges Tun, meine Familie, Freundschaft – es ist miteinander verbunden und das ist das Großartige. So etwas wie Work Live Balance muss ich nicht erzeugen, das ergibt sich aus der Freude an meiner Arbeit. Ich darf Menschen in Ihren intimsten, intensivsten Lebenssituationen begleiten. Erlebe immer wieder die gewaltigen Kräfte von Müttern bei Geburten. Die Einblicke, die mir die Familien gewähren sind ein Privileg, ich schöpfe daraus die Energie für mein Tun.

4. Wie gestaltest Du jetzt Deinen Alltag mit dem Job und Deiner Familie?

Mittlerweile habe ich sechs Kinder und eine Stieftochter.  Viele fragen mich wie ich es da denn noch schaffe noch erwerbstätig zu sein. Meine Antwort: Ich mache es einfach! Um ehrlich zu sein, hatte ich nie einen ausgeklügelten Plan alles unter einen Hut zu bekommen. Ich bin ein absoluter Intuitionsmensch, ein strikter Plan wäre eher hinderlich als hilfreich. Konkret sieht es bei uns so aus, dass ich zu den Kursstunden, meine jeweils gerade kleinsten Kinder mitnehme – meine kleinen Co-Worker. Wenn ich als Doula arbeite, so kann ich bei Erstgesprächen o.ä. die Traglinge auch mitnehmen, das ist mit Tragetuch oder Tragehilfe gar kein Problem. Auch bei einer Schwangerenmassage schlafen die Kleinen meist friedlich auf meinem Rücken und die werdende Mama erhält schon einen Vorgeschmack auf Ihr eigenes Geschenk, welches noch in Ihr wohnt- Anders sieht es natürlich aus wenn ich zur Geburt gehe. Im Kreissaal sind Kinder schlichtweg nicht erlaubt. Das ist natürlich der logistisch anspruchsvollste Teil meines Berufes, da ich wie eine Hausgeburts- oder Beleghebamme 2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin in Rufbereitschaft gehe. Kommt der Ruf der Frau muss ich los. Tagsüber sind die älteren Kinder dann in der Schule bzw. in der Kita, das Baby muss aber vom Papa übernommen werden. Das bedeutet, er befindet sich auch in Ab- Rufbereitschaft und muss von der Arbeit kommen, das ist natürlich nicht immer einfach und manchmal war es auch nicht sofort möglich, da habe ich das Baby auch schon mal zu einer Freundin als „Zwischenstation“ gebracht. Die meisten Anrufe kommen jedoch nachts, dann verlasse ich das Familienbett und Papa übernimmt. Es gab schon Geburten die 28 Stunden dauerten, dann kam er fünfmal ins Krankenhaus und ich stillte mein Baby. Natürlich fällt es mir nicht leicht ein kleines Baby welches womöglich gerade zahnt „zurückzulassen“ – aber da kommt wieder die Berufung in‘ s Spiel… J . Und letztlich weiß ich, dass es dem Baby bei den älteren Geschwistern und Papa gut geht.

5. Würdest Du Deinen neuen Job anderen Müttern empfehlen? Wenn ja, warum?

Meine 14jährige Tochter Emely sagt: „Nein Mama, das kannst Du nicht empfehlen, dafür muss man gemacht sein. Es ticken nicht alle Mütter so wie Du nur weil sie ein Kind bekommen haben.“

Denise ist zu erreichen unter [email protected] oder 0177-8640055.

BewegungsgartenVielen Dank an Denise für das Interview. In der nächsten Woche findet Ihr hier das Interview mit @FrauBruellen von „Gut GebrülltHast Du auch einen Job, den Du hier vorstellen möchtest? Dann schreib mir an [email protected]

Bisher in dieser Reihe erschienen sind Interviews mit Eva Ella Hartmann von ringelmiezBettina M. Kreissl Lonfant von der Agence PhilosophiqueAnna Luz de León von BerlinMitteMomRamona Weyde-Ferch von jademond.de,Stephanie Oppitz von der Windelmanufaktur, und Simone Janke als me&i-Beraterin.

Auch Elke Peetz hat sich des Themas angenommen und zeigt hier 100 Probleme und 100 Lösungen von FrauenAlex Kahl ruft zu einer Blogparade zum Thema familienfreundliche Arbeitgeber auf.