Neue Wege – Mütter und ihre Jobs: Ramona Weyde-Ferch von jademond.de

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Ramona und ihr schönes Blog Jademond.de lernte ich auf Twitter kennen und bin seither begeisterte Leserin ihrer Artikel. Dass die Kommunikationsdesignerin ist, kann man an den zauberhaften DIY-Ideen sehen, die sie in ihrem Blog zeigt. Doch wie ist dieser Job eigentlich mit drei Kindern vereinbar?

1. Was hast Du früher gemacht/wo hast Du früher gearbeitet?

Ich habe Grafikdesign/Kommunikationsdesign studiert und bis zur Geburt meiner Tochter als Werksstudentin in einem IT-Unternehmen gearbeitet. Dann wurde ich schwanger, das Unternehmen ging insolvent (kein Zusammenhang!) und ich widmete mich nach einem Urlaubssemester wieder meinem Studium und Muttersein. Nebenbei bearbeitete ich Aufträge von Kunden, die ich bekam (in erster Linie Flyer und Visitenkarten).

2. Warum wolltest Du nach der Geburt/Elternzeit einen neuen Weg gehen?

Für mich war es ja kein neuer Weg, sondern ich ging den Weg einfach weiter. Ich wollte mein Studium beenden und mein Diplom haben. Die ganze Zeit war für mich unvorstellbar, in einer Agentur zu arbeiten. Von Freunden hörte ich über die Anforderungen und die Arbeitszeiten. Ich zweifelte daran, das mit Familie und Muttersein (wie ich es mir vorstellte) unter einen Hut zu bringen. Also machte ich mich selbständig, studierte bis zur Geburt meines zweiten Kindes weiter (und machte hochschwanger das Diplom). Das schöne an meiner Arbeit: ich war verfügbar, konnte die Tochter zur Schule begleiten, mir auch mal einen Tag frei nehmen und auf Schulausflüge mitkommen oder spontan Dinge tun, die uns gut taten.

Aber um das nicht nur schönzureden: Man braucht jemanden, der das finanziert. Alleine hätte ich so nicht eine Familie ernähren können. Erst war ich verheiratet und hatte einen verdienenden Mann (und bekam kein Bafög). Dann trennten wir uns und ich bekam bis zum Diplom noch eine Weile Unterhalt und den Rest subventionierte das Amt. Auch die darauf folgenden Jahre bestand mein Einkommen aus einer Mischung aus Arbeitslosengeld II, Kindergeld, Unterhalt für die Kinder und dem, was ich als Kommunikationsdesignerin verdiente. Am Ende eines Bewilligungszeitraums wurden meine Einnahmen immer dem Arbeitslosengeld II gegengerechnet und ich musste zurückzahlen oder auch nicht.

3. Erkläre kurz, was Dir an der Arbeit als selbständige Kommunikationsdesignerin besonders gefällt.

Am liebsten mag ich das Entwickeln von Konzepten. Aber ich mag auch gern die Vielseitigkeit der Themen, mit denen ich mich auseinandersetzen darf, wenn ich für Kunden arbeite. Das kann ganz technisch sein oder ganz spirituell. Je nachdem, was ich gerade gestalte. Ich mag den Dialog mit den Kunden, den Weg   eines Projektes und natürlich zufriedene Kunden und schöne Ergebnisse. Am besten finde ich, wenn Kunden so viel Vertrauen zu mir haben, daß ich die Richtung des Projektes weitgehend selbst bestimmen kann. Oder wenn Kunden mit Herausforderungen kommen und Dinge aus mir herauskitzeln können, die ich sonst nicht gestaltet hätte.

Am Selbständigsein gefällt mir die Freiheit, meine Zeit einteilen zu können, wie ich sie mag und brauch. Auch mal einen tag freizunehmen oder wegzufahren und vom Urlaub aus zu arbeiten. Das entspricht dem Fluss der kreativen Säfte wohl am meisten.

4. Wie gestaltest Du jetzt Deinen Alltag mit dem Job und Deiner Familie?

Ich bin jetzt wieder verheiratet und lebe mit meinem Mann und 3 Kindern zusammen. Meine Tochter, 12, geht zur Schule, mein Sohn, 6, zum Kindergarten. Den Jüngsten, 2, habe ich noch daheim. Während also die beiden älteren von 7:45 – 13:30 aus dem Haus sind, verbringe ich den Vormittag mit dem kleinen Sohn. Momentan erledigen wir morgens gemeinsam Hausarbeit (Wäsche, Spülmaschine, Betten), Kuscheln, Spielen und ich blogge, lese eMails und komme in den Tag rein. Gegen 11 Uhr macht der Kleine Mittagsschlaf im Kinderwagen auf der Terrasse. Dann arbeite ich bis zum Mittagsschlafende (gegen 13 Uhr) konzentriert an den anliegenden Projekten. Ich schreibe mir vorher schon to-Do Listen, damit ich nicht erst lange überlegen muss, was dran ist.

13:30 kommen die anderen Kinder nach Hause, mal mit Freunden, mal nur einzeln. Den nachmittag versuche ich den Laptop aus zu lassen und für die Kinder da zu sein. Zwischendrin checke ich allerdings eMails am Smartphone und kommuniziere mit Kunden über diverse Projekte, die Abstimmung bedürfen. Je nach Dringlichkeit bearbeite ich sie abends, am nächsten Tag oder auch mal sofort.

Wenn viel anliegt und ich die Arbeitsmengen nicht schaffen kann, delegiere ich Jobs an andere oder arbeite einige Stunden am Stück am Wochenende. Das muss ich aber mit dem Mann genau planen, damit ich dann auch wirklich ungestört und die Kinder versorgt sind. Abends bespreche ich oft mit dem Mann einige Projekte, da mir sonst der Austausch fehlt. Ich frage ihn um Rat, diskutiere mit ihm diverse Themen oder bitte um seine Meinung.

5. Würdest Du Deinen Job anderen Müttern empfehlen? Wenn ja, warum?

Ich empfehle jedem, das zu tun, was einem am meisten am Herzen liegt. Und ich bin mir sicher, daß man auch einen Weg findet, wenn man das wirklich möchte. Für mich funktioniert es so gut, weil ich Unterstützung meiner Familie habe, die mir im Ernstfall immer den Rücken stärkt. Da ist eine Mama, die auch mal 500 km reist, um zwei Wochen hier bei Haushalt und Kinderbetreuung hilft. Mein Mann, der für ein regelmässiges Einkommen sorgt und die Basis schafft (es ginge auch anders, aber eben mit Abstrichen).

Aber der Job ist nicht für jeden geeignet. Selbständig sein bedeutet auch, sich selbst um Krankenversicherung zu kümmern, auch mal 2 Monate gar kein Einkommen zu haben und speziell mit Kindern daheim immer nur in kleinen Portionen arbeiten zu können.

Ich selbst wünsche mir manchmal etwas mehr sozialen Kontakt nach Aussen. Dadurch daß ich allein zu Hause sitze, beschränken sich meine Kontakte und mein Austausch auf das Internet. Manchmal wäre toll, spontan mit Kollegen zu sprechen, sich beruflich auszutauschen oder weiterzuentwickeln. Oft fehlt die Zeit, sich mit neuen Trends zu beschäftigen oder auch größere Aufträge anzunehmen.

Das sind Dinge, wo ich momentan Abstriche mache, aber weiss, daß es bald auch anders sein wird. Die Kinder werden größer und selbständiger, der Fokus verändert sich und dann wird auch wieder Raum für genau diese Dinge sein. Und wer weiß, vielleicht mache ich dann ja nochmal was ganz anderes?

Vielen Dank an Ramona für das Interview. In der nächsten Woche findet Ihr hier das Interview mit Anna Luz de León von BerlinMitteMomHast Du auch einen Job, den Du hier vorstellen möchtest? Dann schreib mir an [email protected]

Auch Elke Peetz hat sich des Themas angenommen und zeigt hier 100 Probleme und 100 Lösungen von Frauen. Alex Kahl ruft zu einer Blogparade zum Thema familienfreundliche Arbeitgeber auf.